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„Die Mutter des Mörders“ : Maximale Schicksalskatastrophe

  • -Aktualisiert am

Maria (Natalia Wörner) weiß, dass ihr Sohn (Lucas Reiber) kein Mörder ist. Bild: ZDF und Nik Konietzny

Charakterdifferenzierung unerwünscht: Das Schicksalsmelodram „Die Mutter des Mörders“ im ZDF leidet unter Rollenklischees – nur die Kameraarbeit besticht.

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          Als die Nachbarstochter Lea (Jeanne Goursaud) erschlagen wird, scheint für den Kommissar (Ernst Stötzner) der Fall klar. Die Handschellen klicken, und Matis (Lucas Reiber), ein geistig behinderter junger Mann, von dessen Unschuld der Zuschauer von der ersten bis zur letzten Minute überzeugt ist, landet in der Psychiatrie. Eine aber gibt nicht auf: „Die Mutter des Mörders“ ist, der Titelaussage entgegengesetzt, das filmische Porträt einer von Natalie Wörner verkörperten Frau, die mit allen Mitteln die Unschuld ihres Kindes beweisen will.

          Nicht dass Natalia Wörner in ihrer Rolle übertriebe. Sie bangt und harmt so eindrücklich, wie es das Drehbuch von Christian Schnalke und die Regie von Carlo Rola wohl von ihr verlangen. Charakterdifferenzierung wird weder von ihr noch von Axel Prahl gewünscht, der als hinterhältig grimassierender Fahrer des Behindertenbusses eine ebenso holzschnittartige Rolle spielt. Allein Lucas Reiber ist es als Matis vergönnt, etwas wie eine Charakterstudie aufzubieten: Etwa zwanzig Jahre ist der Weggesperrte alt, Geburtskomplikationen und Sauerstoffmangel haben bewirkt, dass er in engen Grenzen zielgerichtet handeln kann, komplexere Ansinnen aber nicht versteht. Er mag es, die Uhrzeit zu kennen und zu nennen, jede Komponente einer Mahlzeit auf einem eigenen Teller zu finden und Obststücke als Gesicht angerichtet zu sehen – ein heiteres Gemüt.

          Das Beste zum Schluss

          So differenziert ist kein weiterer Charakter gezeichnet. In der Psychiatrie wartet mit Dr. Benjamin (Sylvester Groth) der nächste Rollenprototyp: der verständnisvolle Psychiater. Derweil werden Leas wegen sexueller Belästigung vorbestrafter Schwimmtrainer (Rainer Strecker) sowie der Behindertenfahrer, der Matis für einen horrenden Betrag ein Pornoheft verkauft hat, verdächtig gemacht. Matis leidet unter seiner neuen Umgebung und greift einen Pfleger an. Seine Aggression dient dem Kommissar als weiteres Indiz der Schuld. Den Rest kann man sich ungefähr denken.

          Unter maximaler Schicksalskatastrophe macht es dieser Film nicht, und wenn er spannungsdramaturgisch doch noch irgendwann zu sich selbst findet, dann liegt es an der Kameraarbeit Nicolaj Gutschers. Wer renommierten Schauspielern zusehen möchte, wie sie einem schlicht gestrickten, zum Schluss mit einer nicht ganz absehbaren Wendung aufwartenden Film etwas abringen wollen, der ist bei „Die Mutter des Mörders“ gut aufgehoben. Allen anderen sei eher abgeraten.

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