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TV-Kritik „Maischberger“ : Schrille Populisten und verdruckste Europäer

  • -Aktualisiert am

Sandra Maischberger diskutiert mit ihren Gästen einen möglichen Ausstieg der Briten aus der Europäischen Union. Bild: WDR/Max Kohr

Kommt er oder kommt er nicht, der Brexit? Die Populisten erzeugen schrille Töne, während Europas Eliten mit Verdruckstheit und überschwänglichem Pathos für einen Verbleib werben.

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          In seiner berühmten Rede von 1946 beschrieb Winston Churchill die Idee der Vereinten Staaten von Europa mit einem Zitat William Ewart Gladstones „als segensreichen Akt des Vergessens“. Es wirkt auch 70 Jahre später erstaunlich, dass kaum sechzehn Monate nach der bedingungslosen Kapitulation 1945 so ein Satz gesagt werden konnte. Allerdings gehörte Großbritannien auch nicht zu den Gründern der Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft. Erst 1973 traten die Briten bei. 1975 entschied sich das Vereinigte Königreich mit großer Mehrheit für den Verbleib in der EWG. Dass es nun abermals zu einer Abstimmung über die britische Mitgliedschaft in der EU kommt, hat wenig mit Souveränität und Demokratie, viel aber mit Ränken der britischen Innenpolitik zu tun. Premierminister David Cameron ließ sich zum Jagen tragen.

          Die aktuellen Krisen der Europäischen Union, die Flüchtlings- und die Eurokrise betreffen die Briten nicht. Weder traten sie dem Abkommen von Schengen bei, noch votierten sie für den Euro. Sie betrachten den Schlamassel mit Schaudern.

          Der Schauspieler Francis Fulton-Smith betrachtet es als Hochverrat, wenn England Europa verließe. Welches Gericht hätte darüber zu befinden? Wäre das Verlassen des europäischen Clubs gleichzusetzen mit dem amerikanischen Bürgerkrieg gegen die sezessionistischen Südstaaten?

          Schrille Töne

          Am Vorabend eines kontinentalen Erdbebens diskutieren Sandra Maischbergers Gäste vergleichsweise entspannt. Seismographische Ungenauigkeit kann so eine Unterhaltung ertragen. Der Versuch zu erklären, warum so viele Briten die EU verlassen wollen, wird kaum mit Mitteln der Völker- oder Küchenpsychologie gelingen. Das Referendum verdankt sich den Erfolgen der UKIP-Partei. Populistische Politik bedient sich des Instruments eines Volksentscheids, weil auf seinen Saiten die schrillsten Töne erklingen können.

          Wolf von Lojewski, viele Jahre Leiter des ARD-Studios in London, hofft, dass die Briten drin bleiben. Er liebt sie, weil sie immer so anders waren. Der EU attestiert er, dass sie viele Probleme an der Backe habe, für die man keine verständlichen Lösungen hören könne. Die ARD-Börsennorne Anja Kohl fällt einer Routine ihres Jobs zum Opfer. Sie verwechselt Ursachen mit Wirkungen. Nicht der Mord an der Abgeordneten Jo Cox, sondern der Schrecken darüber hat die Stimmung gedreht.

          Briten fühlen sich bedroht

          Als Ersatzmann für Roger Köppel ist Roland Tichy eine gute Wahl. Auch er benutzt die Chance hemmungslos für seine eigene Agenda. Die sieht etwa so aus: Das Katastrophengerede ist Mumpitz. Bei der Abstimmung gehe es um Demokratie und Selbstbestimmung. Die Briten wollten nicht von Kommissaren regiert werden. Außerdem fühle sich das Vereinigte Königreich von der deutschen Einwanderungspolitik bedroht. So bringt er die erste Achterbahnrunde hinter sich.

          Die Briten haben abgestimmt : Was ist der Brexit?

          Jean Asselborn, dienstältester Außenminister der EU, beschwört die europäische Erfolgsgeschichte. 70 Jahre Frieden, Freizügigkeit, eine gemeinsame Währung für 350 Millionen Menschen sprächen für sich. Im übrigen werde Europa nicht von Kommissaren regiert. Einen europäischen Bundesstaat mit einem Präsidenten und einem Parlament gebe es vielleicht im Jahr 2050.

          Es folgt ein Interview mit der britischen Politikerin Anna Firth. Sie befürwortet den Brexit und bringt dafür mit makellosem Stirnrunzeln Argumente in Stellung, die einer Überprüfung nicht standhalten. Sie unterschlägt den Beitragsrabatt der Briten, unterschätzt die ökonomische Verflechtung mit dem Kontinent und verschweigt die Sonderrechte für Commonwealth-Bürger.

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