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Dschungelcamp : Empfinden Sie auch gern „Schabenfreude“?

Bild: RTL

Im Fernsehdschungelcamp kommen Entomologen auf ihre Kosten. Mehlwürmer, Kakerlaken und Grillen werden zu einem Cocktail vermischt. Und mittendrin bewegt sich ein Mensch. Bei RTL wird gerührt und geschüttelt.

          3 Min.

          An dieser Stelle gilt es - bevor wir zum Eigentlichen, also dem neuesten Eiertanz im Dschungelcamp kommen -, einmal die besonderen Fähigkeiten der Kollegen der Fachdienste hervorzuheben. Nicht wenige von ihnen stehen jeden Tag vor ein und derselben Aufgabe: Sie müssen sich zum tausendundersten Mal etwas Originelles einfallen lassen, um dem ewig Gleichen einen neuen Anstrich zu geben. Die täglichen Quotenmeldungen des Kress-Reports sind dafür ein gutes Beispiel. Und was schreiben die Kollegen jetzt gerade? Das hier: „Tag zwei bei ,IBES‘: RTL verliert Fans und wird vom starken ZDF-Krimi bedroht.“

          Michael Hanfeld

          verantwortlicher Redakteur für Feuilleton Online und „Medien“.

          IBES! Das ist es. Vielleicht hat es längst die Runde gemacht und ich bin der Letzte, der es mitbekommen hat. Aber IBES als Akronym für „Ich bin ein Star – Holt mich hier raus!“ ist wirklich sehr gelungen. Schnell gesprochen klingt es ein wenig wie Helmut Kohls „Bimbes“. Oder wie „ebbes“ im Sinne von „etwas“ im Schwäbischen, wo sich allerdings für diese Vokabel noch an die hundert weitere Übersetzungen finden lassen bis zu „ebbes“ im Sinne von „Böse“. Was mit dem Dschungelcamp natürlich nichts zu tun hat.

          Maden satt in Runde drei

          IBES – klingt wie eine Messe für Industrieprodukte, doch auch Wikipedia (wahrscheinlich schon seit Jahren), weiß, was damit gemeint ist: Madenmampf  bei RTL. Und was war bei IBES in Folge drei der aktuellen Staffel nun los? Einiges. Wir haben gesehen, wie sich Phoenix aus der Asche erhebt. Beziehungsweise, wie sich das „Opfer der Nation“ durchbeißt: Sara Kulka hat die dritte Dschungelprüfung bestanden und wir dürfen sagen – wir wären ungern an ihrer Stelle gewesen.

          Sara Kulka in dem überdimensionalen Cocktailshaker mit allerlei Krabeltieren

          Denn Sara Kulka ist es aufgegeben, in einen überdimensionalen Cocktailshaker zu steigen, in dem sie gerüttelt und geschüttelt wird, hin und her und her und hin, wobei ihr in jeder Runde neues Getier über den Kopf gekippt wird. Zwischendurch muss sie die begehrten „Sterne“ finden, die sich bekanntlich in bekömmliche Mahlzeiten umtauschen lassen, auf dass ihre Mitdschungelcamper nicht darben. Die Prüfung, der sich Sara Kulka unterzieht, läuft bei RTL unter dem Titel „Schabenfreude“.

          Tipps für die ungeliebte Dschungelprüfung gibt es von Dr. Bob.

          Und diese Schabenschadenfreude wird noch bereichert durch die Vorfreude der beiden Moderatoren Sonja Zietlow und Daniel Hartwich. Hartwich heißt die Kandidatin willkommen zur „Happy Hour“, Sonja Zietlow lädt ein zum „größten Cocktail, den wir je serviert haben. Da sind natürlich nur wunderbare Zutaten drin: Mehlwürmer, Kakerlaken, Grillen, Eiswürfel  - und du!“ Los geht es mit der persönlichen Achterbahnfahrt die wirkt wie ein vielfacher Waschgang mit Ungeziefer. „Ah, mich beißt irgendwas ins Ohr! Ist das normal?“, fragt Sara Kulka zwischendurch. Bei Sonja Zietlow darf man so natürlich nicht erkundigen. Ihre Antwort lautet: „Ja.“ Die Moderatorin scheint Ohrbisse gewohnt zu sein.

          Der Lohn der Angst

          Lohn der Angst sind schließlich sieben Sterne, es gibt an diesem Tag für die anderen Kandidaten also nicht nur Reis und Bohnen zu essen. Und Sara Kulka, die zunächst durch eine ziemlich große Klappe aufgefallen war und dann in eine Depression verfiel, scheint sich einstweilen nicht mehr für das „Opfer“ vom Dienst zu halten.

          Die Erzählungen des früheren RTL-Moderators und Teleshopping-Matadors Walter Freiwald bekommen derweil etwas Pathologisches. Lang und länger jammert er über Gott und die Welt und insbesondere die Presse, die ihn immer, immer falsch dargestellt habe. Und dann packt er in einer Weise über den Showmoderator Harry Wijnvoord  (ältere Leser werden sich vielleicht noch an „Der Preis ist heiß“ erinnern) aus, dass man denkt: Die Anwälte sollten hier ruhig mitschreiben. Wobei man sagen muss: Wijnvoord, der 2008 selbst im Dschungelcamp herumhing, spielt via „Bild“-Zeitung auch seinen Part. Dort war zu lesen, dass er seinen früheren Kollegen Freiwald für einen „Choleriker“ halte. Der wiederum glaubt, dass Wijnvoord „irgendwelche Leute schmiert“. Bei RTL? Bei „Bild“?

          „Kommt bei ihm wie ein Furz“

          Wir wissen es nicht, doch ist klar: Walter Freiwald fühlt sich verfolgt. Und hört man den anderen Kandidaten zu (was RTL ja den lieben, langen Tag macht, um uns abends eine Stunde davon zu erzählen), könnte da etwas dran sein: Er geht ihnen nämlich inzwischen derart auf den Zeiger und erscheint ihnen derart wunderlich („Krank im Kopf … das kommt bei ihm wie ein Furz, so unerwartet“), dass sie lieber auf Sicherheitsabstand gehen. Folgt man der Diagnose der Dschungelcamper („bipolare Störung“), dürfte Dr. Bob, der Rettungssanitäter, noch etwas zu tun bekommen.

          Nicht ohne meine Brillen: Rolfe Schneider hat derer drei im Gepäck für Australien.

          Dabei wirkt Walter Freiwald weniger gefährlich denn wie eine real gewordene Figur aus dem Kinofilm „Late Show“ von Helmut Dietl. Der handelte bekanntlich von Leuten, die alles tun, um ins Fernsehen zu kommen. Alles. Einfach alles. Der Dschungelcamper Benjamin Boyce hat es, was den Kollegen Freiwald angeht, wohl erkannt: „Ich glaube, der redet einfach gerne mit Kameras!“

          Zur Meldung des Kress-Reports „IBES verliert Fans“ muss man noch sagen: Bei 7,23 in der zweiten Folge nach 7,5 Millionen Zuschauern in der ersten für diesen preiswert produzierten Schwank aus dem echten Leben von Leuten, die groß rauskommen wollen und sich dafür zum Affen machen lassen, treibt es dem gemeinen Fernsehfilmmacher die Tränen in die Augen. Der Dschungel ist für RTL auch nach nun mehr als zehn Jahren jede Expedition wert.

          Zur nächsten Dschungelprüfung muss Sara Kulka ausnahmsweise nicht, sondern Angelina Heger, Sozialpädagogikstudentin und Ex-Kandidatin der RTL-Show „Der Bachelor“.

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