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Arte zeigt „Die Eisläuferin“ : Die Kanzlerin ist im falschen Film

  • -Aktualisiert am

Kanzlerin Katharina Wendt (Iris Berben) ist auf die persönliche Löschtaste geraten. Sie betritt von nun an nur noch Neuland. Bild: NDR/real film/Stephan Rabold

In der Komödie „Die Eisläuferin“ verliert die deutsche Regierungschefin ihr Gedächtnis. Sie wird unberechenbar. Zeigt uns Arte so den Film zur Stunde, die den Griechen schlägt? Wohl eher nicht.

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          Die politische Sommerpause ist eine Illusion. Das könnte niemand besser beschreiben als Helmuth Wendt, der bewundernswert zurückhaltende, insgeheim jedoch am Arbeitspensum seiner Gattin zerbrechende Ehemann der deutschen Bundeskanzlerin. In Europa ist die Hölle los, seit die Griechenland-Krise tobt und Russland die Krim überfiel. Die Kanzlerin wird gebraucht. Immer und überall.

          Der Kurzurlaub, den Wendt bei seiner Gattin herausschlägt, der Versuch, sich inkognito von der Uckermark nach Garmisch-Partenkirchen durchzuschlagen, gerät indes aus banaleren Gründen zur Farce: Noch am Bahnhof wird die mühsam verkleidete Kanzlerin von einem herabfallenden Holzschild erwischt.

          Eine Zeitreisende der anderen Art

          Die Folge ist ein Gedächtnisverlust, eine Störung, die Katharina Wendt an jedem Morgen mit denselben Sätzen aufwachen lässt: „Die Mauer muss weg. Denn wer zu spät kommt, den bestraft das Leben.“ Die Kanzlerin glaubt im Jahr 1989 zu sein, in einer DDR, deren letzte Tage gezählt sind. Und da sitzen sie dann: die Kanzlerin, ein Minister, ein russischer Therapeut und ihr Mann. Sie warten auf Besserung, reden über Deutschland und das Leben. Und der Zuschauer versteht: Der Gedächtnisverlust der Kanzlerin ist eine Chance für einen Reset.

          Dr. Ivantschuk (Sascha Alexander Gersak, li.) und Helmut Wendt (Ulrich Noethen, re.) helfen der Kanzlerin als Therapieversuch aufs Eis.

          Das ist schon mal eine charmante Idee. Der von Martin Rauhaus geschriebene, vom Schweizer Regisseur Markus Imboden in Szene gesetzte Film „Die Eisläuferin“, der sich an einen satirischen Roman von Katharina Münk anlehnt, kann aus dem Grundgedanken allerdings wenig Funken schlagen. Der Film ist drollig, das schon: Die Kanzlerin – so einsam, kühl und faszinierend wie die Tänzerin auf dem Eis – findet ihr Herz. Als Zeitreisende der anderen Art beginnt sie zu erkennen, in der Gegenwart von den falschen Beratern umgeben zu sein. Sie spricht mit den Menschen, pocht auf den Schutz der Menschenrechte in Russland, bringt entwaffnenden Humor in deutsch-israelische Feierstunden „Gegen das Vergessen“ ein, und instinktiv widert sie die Politik als abgekartetes, zur „großen Show“ der Karrieristen verkommenes Spiel an.

          Populistisch und langweilig

          Fraglich ist bloß, ob sich eine Angela Merkel, die hier mit Iris Berben in der Rolle Katharina Wendts gleichermaßen karikiert wie adressiert wird, mit den Erfahrungen von 1989 spontan für quasi-kommunistische Maßnahmen wie eine Reichensteuer von achtzig Prozent ausgesprochen hätte. Noch fragwürdiger ist die Sehnsucht nach dem Durchregieren, nach Männern und Frauen, die Volkes wahre Stimme erhören und endlich aufräumen. Diese verquere Sehnsucht stellt das Unterbewusstsein des Films dar. „So einfach ist es nicht“, mault irgendwer irgendwann. Die Kanzlerin entgegnet: „Doch, so wie ich es sehe, ist es sogar noch viel, viel einfacher.“

          Das ist ebenso bedenklich populistisch, wie es dramaturgisch gähnend langweilig ist. Mutig wäre dieser Film gewesen, wenn er zeitweilig ins Ernsthafte, ja Melancholische geglitten wäre und eine Kanzlerin gezeigt hätte, die sich die Gegenwart vollkommen neu erschließen darf – und einfach nur zuhört und zuschaut und über den Gang der Welt staunt. Die beiden Hauptdarsteller, Iris Berben als Katharina Wendt und Ulrich Noethen als Kanzlerinnengatte, hätten diesen leisen Part spielend gestemmt.

          Ein Stück Politikverdrossenheitsfernsehen

          Stattdessen läuft der Film, von tänzelnden Salonorchesterklängen endlos unterlegt, auf ein klamaukiges Finale zu: Kanzleramtsminister Dieter Kahnitz, ein Machtmensch alter Schule (Thomas Thieme), sucht die unkontrollierbar agierende Kanzlerin aus dem Amt zu drängen. Er scheitert und sitzt im Sandkasten, ein therapeutischer Fall. In Momenten wie diesen ist die Politkomödie „Die Eisläuferin“, die das System Merkel aufs Korn zu nehmen verspricht, nichts weiter als ein Stück Politikverdrossenheitsfernsehen.

          Auf den näherungsweise treffsicheren Angela-Merkel-Film warten wir also weiter. Veronica Ferres war als mit dem französischen Präsidenten turtelnde Kanzlerin ein Reinfall. Katharina Thalbach hingegen war mit ihrer Darstellung der Kanzlerin – mit dem zugegebenermaßen blöden Namen „Murkel“ – in der Politsatire „Der Minister“ schon wesentlich näher dran. Sie hatte nicht nur die Merkel-Raute am besten drauf.

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