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Sat.1-Film „Die Truckerin“ : Voll in die Leitplanke

  • -Aktualisiert am

Für den Pannendienst ist es wohl zu spät: Truckerin Toni (Annette Frier) als Anhalterin Bild: SAT.1/Guido Engels

Bekannt ist sie als Anwältin der kleinen Leute. In „Die Truckerin“ drückt Schauspielerin Annette Frier aber aufs Gaspedal. Und zeigt, dass Feuerbälle und Verfolgungsjagden nicht nur was für Männer sind.

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          Eine Frau geht ihren Weg. Mit ihrem Sender. Annette Frier und Sat.1, das ist seit „Danni Lowinski“ eine Erfolgsgeschichte. Für beide Seiten. Die Anwältin der kleinen Leute, die im Einkaufszentrum hinter wackeligem Mobiliar mit Mutterwitz und Mut für das Recht der kleinen Leute kämpfte, wurde zum Publikums- und Kritikerliebling. In „Nichts mehr wie vorher“ spielte sie für Sat.1 eine Mutter, die ihren fälschlich des Mordes beschuldigten Sohn (Jonas Nay) loyal bis zum Äußersten verteidigt, während der Vater hadert und zweifelt. Tagesaktuell interessante Themen wie Cybermobbing und Gefahren des Internets verfolgte sie in der Produktion „Online – meine Tochter in Gefahr“. Ein Sat.1-Fernsehfilm, in dem das Anliegen aller Ehren wert war, die plakative Umsetzung allerdings weit weniger überzeugte – bis auf die Darstellung von Annette Frier, die ein weiteres Mal das tat, was sie im Fernsehen anscheinend immer tun muss: kämpfen wie eine Löwin.

          Auch in „Die Truckerin – Eine Frau geht durchs Feuer“ ist sie auf diese Nummer gebucht. Diesmal jedoch geht diese Frau namens Toni nicht nur ihren Weg, sie fährt ihn auch noch. Nach dem Unfalltod ihres Mannes (Hannes Jaenicke, nur auf Fotos zu sehen) mit Truck und Schulden sitzengelassen, von Zwangsvollstreckung bedroht, zwischen Mutterrolle und hartem Kumpel mühelos wechselnd, fährt sie vom Zoll beschlagnahmte Zigaretten zur Vernichtung über deutsche Autobahnen, während finstere Kriminelle, falsche Polizisten und skrupellose polnische Knarrenheinis ihr nach dem Leben trachten. Das macht Annette Frier, wie sie es immer macht – mit Verve. In Holzfällerjacke und Jeans am Steuer sitzend, tankend, parkend, fahrend, flüchtend, sich schließlich auch prügelnd, behält sie ausnahmslos das Heft in der Hand. Grundehrlich, grundpatent, grundliebenswürdig. Differenzierende Schauspielkunst ist auch wenig gefragt in einem Actionkracher mit gelegentlichen pyrotechnischen Schauwerten, der durch einige ruppig-rührende Szenen in Tonis Frauenhaushalt ergänzt wird.

          Zu Hause sitzt Paula (Marion Breckwoldt) in der improvisierten Einsatzzentrale (ein „Lowinski“-Moment) an Telefon und Computer, kämpft mit dem Finanzamt und gegen den Gerichtsvollzieher, bemuttert mit die halbwüchsige Tochter (Jamie Bick), die als Fußballerin auch schon so ihre Lektionen in weiblicher Kompromisslosigkeit gelernt hat. Die Mutter fährt derweil die Strecke ab und versucht sich an der Aufklärung des rätselhaften Ablebens ihres Mannes. Statt einer einzigen hat man in „Die Truckerin“ also gleich drei „Lowinski“-Figuren: Mutter, Tochter, Paula oder die heilige Dreifaltigkeit weiblicher Stärke, gepaart mit ein bisschen Niedlichkeit.

          Die Männer, besonders die Trucker, stehen auf Toni. Doch es soll mal einer wagen, sie süß zu finden! Da gibt es gleich eins auf die Zwölf. Nicht zufällig erinnert „Die Truckerin“ im Übrigen vorwiegend an „Alarm für Cobra 11“ – es zeichnet dieselbe Produktionsfirma, „action concept“, verantwortlich. Wer das mag, freut sich an Lastwagen-Stunts, krachenden Zusammenstößen, Fässern mit hochentzündlichen Flüssigkeiten am Rand der Autobahn, die hübsch in die Luft gejagt werden, Feuerbällen dann und wann, Autojagden und einem Thrillerplot, der zwar lückenhaft und unlogisch ist, auf den es letzten Endes aber genauso wenig ankommt wie auf die Figurenzeichnung auf der Schurkenseite (verkörpert etwa von Michael Lott).

          Der Großspediteur Oskar (Michael Lott, r.) soll gestehen – notfalls auch unter Androhung von Gewalt.

          Andreas Pietschmann gibt den männlich-kernigen Helfer in der Not, der sich weder zum Retten-aus-dem-Hafenbecken noch zum Pfannkuchenbacken zu schade ist. Insofern ist „Die Truckerin“ ganz entschieden auch ein Frauenfilm. Große Jungs spielen mit Autos Zusammenstoßen. Mit richtig Krach und Spaß und Schauwerten. Dieses Mal darf eine Frau der größte Junge sein. Das kann man für emanzipiert halten. Wenn man sich nicht für ordentlich Klopperei und quietschende Reifen im Fernsehen begeistern kann, wird das allerdings eher nichts.

          Die Truckerin, heute um 20.15 Uhr bei Sat.1.

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