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TV-Kritik: „11 Freunde TV“ : Die billigsten Kalauer zur neuen Bundesliga-Saison

Moderatorin Jessy Wellmer und 11Freunde-Chefredakteur Philipp Köster Bild: rbb/Gundula Krause

Im RBB-Fernsehen läuft jetzt ein Fußball-Magazin, das alles anders machen will. Doch um das Versprechen zu halten, müssen die Macher ihre Leistung noch deutlich steigen.

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          Ranglisten helfen manchmal weiter. Sie können auch fatal sein. Etwa wenn man sie fälscht. Das haben uns ARD und ZDF in den letzten Wochen eindrucksvoll bewiesen. Mit einer Rangliste macht man sich die Welt, wie sie einem gefällt. Man muss ja nicht unbedingt behaupten, das Ganze sei ex cathedra gesprochen. Beim Fußball auf eine Rangliste zu kommen, ist relativ naheliegend. Schließlich geht es im Sport um nichts anderes als den Tabellenstand. Was lag da für das neue Magazin „11 Freunde TV“ im RBB-Fernsehen näher, als mit einer Best-of-Liste zu beginnen.

          Bayern runter, Kölner rauf

          Michael Hanfeld

          verantwortlicher Redakteur für Feuilleton Online und „Medien“.

          Philipp Köster, der Chefredakteur des gedruckten, seit 14 Jahren erscheinenden Fußballmagazins „11 Freunde“, und die RBB-Moderatorin Jessy Wellmer versuchten es wie der englische Autor Nick Hornby in seinem berühmten Buch „High Fidelity“ mit einer Top-Five-Aufstellung. Bei Hornbys Romanheld ging es um seine fünf unvergesslichsten Trennungen, bei „11 Freunde TV“ um die fünf steilsten Thesen zur beginnenden Bundesliga-Saison. Und - was waren die steil!

          - Beim FC Bayern laufen lauter müde Weltmeister auf, Pep Guardiola bekommt Probleme und die Münchner fallen tief (bis auf den zweiten Platz).
          - Der 1. FC Köln gewinnt das erste Spiel, danach geht es drunter und drüber, im Herbst gibt es eine Urlaubssperre.
          - Paderborn holt in der ganzen Saison weniger Punkte als einst Tasmania Berlin.
          - Hertha BSC kommt irgendwie ins Pokal-Finale.
          - Wolfsburg will es wieder mal wissen und holt Magath als Trainer zurück. Der kauft erst einmal 37 neue Spieler ein.



          Das nennt man einen Thesen-Anschlag, neunzig mehr und es wäre ein Gottesdienst fällig. Man könnte allerdings auch von den fünf naheliegendsten Kalauern zur neuen Bundesliga-Saison sprechen. Ist schon schwierig, wenn es denn unbedingt originell und unverkrampft und nicht so spießig oder ranschmeißerisch sein soll, wie wir es von der öffentlich-rechtlichen Fußball-Berichterstattung sonst gewohnt sind.

          Mit dem noch nicht allzu lang pensionierten Ex-Nationalspieler und Hertha-Recken Arne Friedrich und dem Sänger und bekennenden St. Pauli-Fan Thees Uhlmann hatten Jessy Wellmer und Philipp Köster auch zwei Leute in der Sendung, von denen man sich hätte vorstellen können, dass ihnen zum Thema Fußball etwas anderes einfällt als das, was zum Beispiel bei den atmosphärisch dichten Sitzungen des ZDF-„Sportstudios“ rumkommt. Man müsste sich allerdings überlegen, was man fragt. Also: Wie war die Psycho-Nummer, mit der sich der Spieler Hakan Çalhanoğlu vom HSV verabschiedet hat, wo er angeblich aus seelischen Gründen nicht mehr spielen konnte, um sogleich bei Leverkusen zu unterschreiben? Antworten Sie schnell!  Auf einer Skala von eins bis zehn für sportliches und professionelles Verhalten - wie viele Punkte gibt es dafür? Arne Friedrich will dem Kollegen gar keine Punkte geben. Er will, ganz vorsichtig, wie es seine Art ist, zum Ausdruck bringen, dass ein solches Verhalten auch im Profi-Fußball schon ziemlich an die Grenze geht.

          Der mit Geld aufgepumpte Verein

          Um das „muffige“ Image der Hertha geht es bei „11 Freunde TV“ dann, um die Lage beim HSV, der sich Investoren öffnen will, aber seine treuesten Fans und ehrenamtlichen Helfer nicht verlieren sollte. Um das große Geld und um RB Leipzig, den von Red Bull mit Geld aufgepumpten Club, der zum Erfolg verdammt ist und sich um die Traditionen des Vereinsfußballs nicht schert.

          Und dann ist die ersten halbe Stunde von „11 Freunde TV“ schon vorbei. Ein lahmer Was-macht-eigentlich-Tim-Wiese-Witzfilm bindet die halbe Stunde ab, die doch recht lang geworden ist. Bekommen die Bayern die Meisterschale schon zur Herbstpause überreicht? Gelingt dem HSV der Nicht-Abstieg mit noch weniger Punkten als in der vergangenen Saison? Wann spielt RB Leipzig international? In vier Wochen will „11 Freunde TV“ zu diesen und anderen Fragen nachsetzen.

          Schiri, pfeif ab

          „Fußball im Fernsehen“ sei „längst nichts Besonderes mehr“, hatte der RBB-Sportchef Dirk H. Walsdorff zum Beginn der neuen Sendung verkündet. „11 Freunde TV“ solle „das wieder ändern – mit Beiträgen, die da anfangen, wo andere Sendungen aufhören. Mit Themen, die mitten ins Herz der Fans zielen – und mit viel subtilem und weniger subtilem Witz rund um die schönste Sportart der Welt.“

          Davon war in der ersten Ausgabe leider nichts zu sehen. Ob wir mit einem Verbleib der „11 Freunde“ im TV für die gesamte Saison rechnen sollen? Etwas weniger langweilig und doch auch gerne nicht nur lahm-satirisch, sondern kritisch dürfte es schon sein. Sonst müssten wir sagen: Schiri, pfeif ab.

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