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TV-Kritik: „Maybrit Illner“ : Von Autohassern und Volkserziehern

Maybrit Illner diskutiert mit ihren Gästen über die Zukunft der Autoindustrie Bild: ZDF/Svea Pietschmann

Bei „Maybrit Illner“ sollte eine radikale Klimaaktivistin auf VW-Chef Diess losgehen. Das klappte nur mittelmäßig. Dafür flogen zwischen Grünen-Fraktionschef Hofreiter und CDU-Ministerpräsident Kretschmer die Fetzen.

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          „Klima, Pendler, Arbeitsplätze – der Kulturkampf ums Auto“, lautete das Thema der jüngsten Diskussionsrunde von Maybrit Illner. Und, man kann es nicht anders sagen: Zu dieser Sendung kann man die Kollegen vom ZDF nur beglückwünschen. In der Woche der Internationalen Automobilausstellung in Frankfurt und wenige Tage vor dem großen Klimagipfel im Kanzleramt hatten sie ein hoch aktuelles, wichtiges Thema gesetzt. Auch die Gästeliste versprach Spannung: In den Ring stiegen VW-Chef Herbert Diess, die radikale Klimaaktivistin Tina Velo, Grünen-Fraktionschef Anton Hofreiter, der sächsische Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) und der ebenso bekannte wie unausweichliche Auto-Professor Ferdinand Dudenhöffer.

          Christoph Schäfer

          Verantwortlicher Redakteur für Wirtschaft Online.

          Das größte Konfliktpotential war zwischen Diess und Velo zu vermuten. Der Autoboss preist sich und seinen Konzern derzeit auf allen Bühnen für Volkswagens Schwenk zur Elektromobilität. Vor drei Tagen stellte er in der offiziellen Weltpremiere einen Hoffnungsträger seines Konzerns vor, den vollelektrischen ID3.

          In Fahrt ist auch Tina Velo, Klima-Aktivistin und Sprecherin der Initiative „Sand im Getriebe“. Sie und ihre Mitstreiter wollen am Sonntag die Zugänge zur IAA blockieren, um gegen die „internationale Propagandashow für Dreckschleudern“ zu protestieren. Den Ton hatte Velo ebenfalls vor drei Tagen gesetzt, als sie gegen „eine hochgradig kriminelle Autoindustrie“ lederte und gegen „völlig unfähige Verkehrsminister, ein mafiös gestricktes Konglomerat“.

          Erstaunlicherweise blieben beide Protagonisten in der Sendung deutlich zurückhaltender, als bei dieser Vorgeschichte zu erwarten war. Diess nutzte die Chance, um Berichte über neue Abgasmanipulationen bei Dieselwagen zurückzuweisen („Gott sei Dank ist nichts dran an der Geschichte“). Auch unternahm er drei oder vier Anläufe, um für den sparsamen Kleinwagen VW Up und für den neuen ID3 zu werben, ersparte sich und den Zuschauern aber vollmundige Werbesprüche seines Konzerns wie den von der „neuen Ära des elektrischen Fahrens“. 

          „SUV sind scheiße gefährlich“

          Auch Velo hielt sich erstaunlich zurück. Natürlich wetterte sie gegen SUVs („Die Dinger sind scheiße gefährlich und gehören nicht auf die Straße“) und warb dafür, „Autos zurückzudrängen“. Den Vorwurf der „kriminellen Autoindustrie“ oder etwas anderes in dieser Preisklasse wiederholte sie jedoch nicht.

          Dafür drehten mit CDU-Mann Kretschmer und Grünen-Politiker Hofreiter zwei andere Protagonisten überraschend schnell auf Kollisionskurs. Während Kanzlerin Angela Merkel am Mittwoch im Bundestag die Klimakrise noch als „Menschheitsherausforderung“ bezeichnete, deren Bekämpfung viel Geld kosten werde, machte ihr sächsischer Parteifreund gleich in den ersten Sendeminuten klar, wo seine Prioritäten liegen: „Ich bin ein begeisterter Autofahrer und ich stehe zum Diesel, das ist eine wunderbare deutsche Technik.“ Er habe einen 10 Jahre alten Diesel zu Hause „und er fährt, und er fährt, und er fährt“.

          Hofreiter hingegen präsentierte sich in seiner ersten Einlassung wesentlich weniger zufrieden: „Wir haben schon so viele Zusicherungen der Autoindustrie bekommen und dann hat es am Ende leider nie gestimmt.“

          Diese gegensätzliche Weltanschauung zog sich durch die gesamte Sendung. Nachdem ein extrem tendenziöser Einspieler des ZDF das Thema SUV einläutete („Sie sind schwer, schnell und tödlich“ und „für Leute, die gerne auf Stadtsafari gehen“), erklärte Kretschmer: „Ich freue mich, dass wir über große SUV debattieren. Dann haben wir in Deutschland keine anderen Probleme, dann geht es uns gut.“

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