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TV-Kritik: Maybrit Illner : Nicht mehr nachvollziehbare Irrationalität

  • -Aktualisiert am

Maybrit Illner diskutiert mit Gästen im Studio und per Videoschalte. Bild: ZDF/Svea Pietschmann

Als erschütterndes Dokument werden wohl zukünftige Historiker diese Sendung von Maybrit Illner beurteilen. Immerhin könnten sie damit zugleich rekonstruieren, was in dieser Pandemie so alles schief gelaufen ist.

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          Am Donnerstag gab es eine interessante Meldung vom Präsidenten der Vereinigung der Intensivmediziner, Gernot Marx. Es sähe so aus, „als hätten wir den Höhepunkt bei den intensivpflichtigen Patienten überschritten“. Außerdem bestritt er die Notwendigkeit der allerorten gefürchteten Triage und hielt den 26. Januar für ein gutes Datum für neue Entscheidungen. Dann ließe sich gut beurteilen, was „die richtigen Maßnahmen“ seien. Natürlich kannte Marx die Problematik der mutierten Viren schon am Mittwoch. Jetzt stellen wir uns aber am Freitagmorgen die Frage, warum am Donnerstagabend plötzlich nichts mehr davon richtig gewesen sein soll?

          Epidemiologisch und virologisch hat sich nichts geändert. Was sich geändert hat, ist die von einer nicht mehr nachvollziehbaren Irrationalität bestimmte Politik. Sie ist in den Modus panikartiger Entscheidungen gewechselt, wo wir Bürger alle paar Stunden mit Kurswechseln rechnen müssen, denen es offenkundig an einem Minimum an Logik fehlt.

          Diese Sendung von Maybrit Illner war ein erschütterndes Dokument für diesen Sachverhalt. Tatsächlich kam niemand mehr auf die Idee, diese Sichtweise des Vormittags am Abend überhaupt noch zur Kenntnis zu nehmen. Stattdessen wurde munter drauflos räsoniert: So traf der Bundestagsabgeordnete Karl Lauterbach (SPD) die seltsame Aussage, mit dem mutierten Virus und dessen höheren Infektiosität habe niemand rechnen können. Es ist eine uralte wissenschaftliche Erkenntnis, dass sich solche Effekte bei Influenza- und Coronaviren feststellen lassen. Noch besser wurde es, als Lauterbach gleich von einer Art „neuen Pandemie“ sprach. Wieso ist es eine neue Pandemie, weil ein Virus zwar infektiöser, aber keineswegs letaler ist? Es gibt zudem keinen Hinweis, dass diese Mutationen an dem bisherigen demographischen Risikoprofil etwas ändern könnten.

          Wir wissen nichts, macht aber nichts

          Lauterbach repräsentiert jenen Typus, der schon immer alles weiß. In Wirklichkeit wissen wir gar nichts. Wir wissen zur Zeit nicht, wo sich die Menschen anstecken. Es fehlt weiterhin an repräsentativen Studien, die soziale Merkmale wie den Beruf und die damit verbundenen Risiken umfassen. Wir wissen auch nicht, wie viele Menschen sich aktuell infizieren. Es werden seit längerem nur noch mit Menschen mit Symptomen getestet. Es gibt zudem keine Statistik über die Zahl und die Ergebnisse bei Schnelltests. Diese Daten werden nicht erhoben. Wir wissen noch nicht einmal, wie sich die neuen Virusvarianten in der Bevölkerung ausbreiten. Bisher wurden die dafür nötigen Genom-Sequenzierungen bei uns nicht gemacht.

          Es gab übrigens keinen einzigen Virologen, der darin in den vergangenen bald zwölf Monaten ein ernsthaftes Problem gesehen hätte. Stattdessen zogen vor einigen Tagen Fachgesellschaften mit Hilfe der Medien eine alte Forderung zur Genom-Sequenzierung aus der Zeit vor der Pandemie aus der verbandspolitischen Mottenkiste. Das Ziel war klar: Das eigene Versagen, wenn es überhaupt eines sein sollte, dem Bundesgesundheitsminister in die Schuhe zu schieben. Jens Spahn hat einen schweren Stand, selbst wenn er Selbstverständlichkeiten formuliert. So machte er in einem Einzelinterview abermals deutlich, dass die Knappheit an Impfstoffen in der Anfangsphase unvermeidlich zu den Restriktionen einer Impfstrategie gehören wird. Jeder wusste das, nur hat es auch fast jeder längst vergessen. Spahn ist aber der Vorwurf zu machen, in der Impfdebatte dem auf allen Medienkanälen grassierenden Irrationalismus nachgegeben zu haben.

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