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TV-Kritik: Maybrit Illner : Drei Grüne, eine Meinung

  • -Aktualisiert am

ZDF-Moderatorin Maybrit Ilner Bild: ZDF/Svea Pietschmann

Es ging um die Energiepolitik und den Hambacher Forst. Eingeladen waren Gäste, die das vielfältige Meinungsspektrum repräsentieren. Oder auch nicht.

          Zweifellos wäre dies eine interessante Sendung über die Energiewende und die Zukunft der Braunkohle gewesen: Der Vertreter der Industriegewerkschaft Bergbau, Chemie und Energie machte deutlich, wie unverzichtbar eine mit politischer Rationalität vollzogene Energiewende ist. Die von dieser Politik betroffenen Menschen kamen nicht zu kurz. Der Vertreter des Betriebsrates eines im Braunkohletagebau vertretenen Unternehmens schilderte die Zukunftsängste vieler Menschen in dieser Region. Rolf-Martin Schmitz als Vizepräsident des Bundesverbandes für Energie- und Wasserwirtschaft machte die konstruktive Mitarbeit der von ihm vertretenen Unternehmen deutlich: „Der Weg ist erkannt. Die Frage ist auch nicht, ob wir ihn gehen, sondern wie wir ihn gehen.“

          Wirtschaftsminister Peter Altmaier verwahrte sich dagegen, die Energiewende „schlecht zu reden“: Das fördere lediglich die Politikverdrossenheit. Warum diese in einem klassischen Braunkohletagebau in der Lausitz droht, erklärte Christine Hertier, Bürgermeisterin von Spremberg. Dort hätte man den Ausstieg aus der Braunkohle „auf die harte Tour erlebt.“ Von den fünfzigtausend Arbeitsplätzen im Jahr 1990 seien heute noch achttausend übrig. Am Ende der Sendung durfte schließlich noch Antje Grothus in einem Einzelinterview die Sichtweise der Braunkohlegegner aus dem rheinischen Revier deutlich machen. Der gerade heftig umstrittene Hambacher Forst wäre „nicht zu ersetzen, durch keine Ersatzanpflanzung der Welt.“

          So lief es tatsächlich

          Diese Sendung hat es so natürlich nicht gegeben. Niemand käme heute noch auf die Idee, die alten sozialdemokratischen Netzwerke aus Wirtschaft, Gewerkschaften und Politik allein über die Energiepolitik reden zu lassen, mit einer Frau Grothus als Feigenblatt zur Wahrung pluralistischer Fassade. CDU-Wirtschaftspolitiker waren in diesem Milieu mit sozialdemokratischer Hegemonie bestens integriert. Deswegen hätte auch damals ein Altmaier daran teilnehmen dürfen. Diese frühere Stärke der Sozialdemokraten ist Geschichte. Sie haben sich mittlerweile auf den Umweg über Hans-Georg Maaßen in die Irrelevanz begeben. Dafür zeigte Maybrit Illner, wie zeitgemäße Netzwerke funktionieren. Die Grünen haben es in der Hinsicht zu einer wahren Meisterschaft gebracht.

          So durfte gestern Abend statt Frau Hertier besagte Frau Grothus von Anfang an am Tisch von Frau Illner sitzen. Sie ist Mitarbeiterin der „Klima-Allianz Deutschland“, wo sich alle möglichen Verbände aus dem grünen Milieu zusammengeschlossen haben. Da braucht man noch nicht einmal selbst in diese Partei eintreten, um deren Programmatik zu teilen. Es ist eine klassische Vorfeldorganisation, die es früher auch bei der SPD und der CDU gab. Diese sind nur längst den Weg allen Irdischen gegangen.

          Außerdem war Klaus Müller eingeladen. Ein kluger Schachzug der Redaktion. Müller ist der Vorstand des Verbraucherzentralen Bundesverbandes VZBV. Aber nicht nur das: Er ist als früherer Bundestagsabgeordneter und Umweltminister in Schleswig-Holstein einer der profiliertesten Politiker der Grünen. Das ZDF wagte es sogar, diesen politischen Hintergrund mit einem kurzen Untertitel deutlich zu machen.  Die Zuschauer waren bestimmt beeindruckt über so viel Transparenz. Außerdem war noch Anton Hofreiter zu Gast. Er ist zufällig Fraktionssprecher der grünen Bundestagsfraktion.

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