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TV-Kritik: Maischberger : Gelungene Premiere und Steinbrücks Zweifel an Kühnert

  • -Aktualisiert am

Sandra Maischberger und ihre Gäste Micky Beisenherz, Bettina Gaus und Gabor Steingart. Bild: WDR/Max Kohr

Sandra Maischberger versucht es in ihrer Talkshow mit neuem Konzept – und schlägt einen Bogen von SPD bis Clankriminalität: Ein früherer Kanzlerkandidat arbeitet sich am Juso-Chef ab, ein anderer Gast nennt einen Termin für Neuwahlen.

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          Schöner sei der Kapitalismus nicht zu haben, so lautete der Schlusssatz in dieser Premierensendung. Ihn formulierte Bettina Gaus mit Nüchternheit und Sarkasmus, wie sie die langjährige Journalistin der taz schon immer auszeichneten. Es ging um die Frage, warum die Siegprämien beim Frauen-Fußball niedriger sind als bei den Herren. Gabor Steingart hatte sie beantwortet und gleich die heute obligatorische Triggerwarnung für empfindsame Gemüter vorangeschickt. Er werde sich unbeliebt machen, weil er diese Einkommensdifferenzen für gut begründet hielt.

          Der frühere Herausgeber des Handelsblatts sprach von der unterschiedlichen medialen Reichweite als ökonomischer Erklärung. Tatsächlich ist der klassische Männer-Fußball ein funktionierendes Geschäftsmodell mit einer gigantischen Wertschöpfung – der Frauen-Fußball dagegen ein Sport mit beschränkter Vermarktungsfähigkeit. Vor der Formulierung solcher Banalitäten warnen zu müssen, sagt wahrscheinlich mehr über unsere geistige Verfassung aus als alles andere. Dafür zeigte sich bei Gaus der Vorteil, wenn Intelligenz und Erfahrung zusammenkommen. Schöner konnte man das nicht ausdrücken.

          Neues Konzept bei Maischberger

          Sandra Maischberger versuchte es gestern Abend mit einem neuen Konzept. Anstatt mit vier bis sechs Gästen monothematisch zu diskutieren, orientierte sie sich an ihrer Kollegin Dunja Hayali im ZDF. Diese bespricht in ihrer Talkshow maximal drei Themen. Als Einstieg verwendet Hayali von ihr selbst produzierte Reportagen. Dieses Konzept passte Maischberger auf ihre Bedürfnisse an. Einspieler gibt es lediglich noch zu Beginn der Sendung zur Vorstellung der beiden Themenblöcke. Außerdem hat sie ein Kommentatorenteam mit den schon erwähnten Mitgliedern Gaus und Steingart. Dazu kommt noch der Fernsehmoderator Micky Beisenherz. Und es gibt jetzt auch ein Studiopublikum, das mit eigenen Diskussionsbeiträgen eingebunden wird. Es soll nicht nur Staffage sein.

          Das machte alles Sinn, selbst wenn gewisse Startschwierigkeiten nicht zu übersehen waren. So hatte vor allem Beisenherz zu Beginn das für Berufskomiker obligatorische Rollenproblem in solchen Formaten. Sollen sie sich jetzt mit dem gebotenen Ernst an dieser Diskussion beteiligen, oder werden sie für ihre Kompetenz zur satirischen Überspitzung eingeladen? Das legte sich aber im Verlauf der Sendung.

          Wie ironisch darf es sein?

          Die Politik bietet zwar genügend Potential für einen ironischen Umgang, aber deren satirische Aufarbeitung ist eben nicht mit politischen Informationssendungen zu verwechseln. Das entspricht eher einem Selbstverständnis, das Politik nur noch als Konsumgut betrachtet.

          Insofern wäre es angebracht gewesen, über eine These von Steingart ernsthaft zu diskutieren: Ob das politische Berlin wirklich kein anderes Thema habe als die Frage „Was wird aus mir?“. Solche Fragen stellen sich auch andere Berufsgruppen, nicht nur Politiker. Insofern ist die hier zum Ausdruck kommende Häme mehr Ressentiment als Erkenntnis.

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