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TV-Kritik: Maischberger : Söder-Show ohne Söder

Zu Gast bei Sandra Maischberger (ganz rechts): v.l. Cerstin Gammelin (stv. Leiterin „SZ“-Hauptstadtbüro), Wolfram Weimer (Verleger des „European“), Anja Kohl (ARD-Börsenexpertin). Bild: WDR/Oliver Ziebe

Wenn sich alles um einen Beinahe-Gast dreht: Was sagt uns die Abwesenheit Markus Söders bei „Maischberger“, nachdem er dort doch erst zugesagt hatte?

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          Ohne Söder ist alles nichts. Er habe am Morgen leider abgesagt für den Abend, bedauerte Frau Maischberger in ihrer Sendung „Maischberger. Die Woche“, die am Mittwoch ausgestrahlt wurde. Frau Bär kam statt seiner und vertrat ihren Parteivorsitzenden rollenkonform bis zur Grenze der Abgebrühtheit.

          Christian Geyer-Hindemith
          (gey), Feuilleton

          Aber wer hat im Ernst damit gerechnet, dass Markus Söder selbst kommen würde? Er kann ja nicht einerseits die Woche des gemeinschaftlichen Abwägens mit Armin Laschet ausrufen, des vertrauensvollen Beratschlagens entlang der Frage, wer von beiden freiwillig die Bühne der Kanzlerkandidatur verlässt. Und andererseits sich zugleich in die Talk-Show setzen und dort öffentlich Stimmung für sich selbst machen. Das gäbe ein schräges Bild ab.

          Dass Maischberger dennoch geglaubt hatte, dass Söder seine Zusage, in ihre Sendung zu kommen, einhalten werde, muss damit zu tun haben, dass Söder grundsätzlich im schrägen Bildformat agiert und alles andere ein Stilbruch gewesen wäre. Dass Maischberger, mit anderen Worten, ihrem Beinahe-Gast Söder alles zutraut.

          Ein Lümmel bar jeder Subtilität

          Daran ist richtig, dass Stil für Söder keine gleichsam unabhängige Größe ist, nach der er sich zu richten hätte, wie es eingeführte normative Begriffe wie Sitte, Brauch, Gewohnheit nahelegen, zumal im süddeutschen Raum.

          Nein, Stil kommt für Söder nur als abhängige Variable seiner Vorteilnahmen ins Spiel, was den erwähnten Eindruck einer grundsätzlichen Schrägheit begründen mag und den CSU-Chef im Ganzen als Pawlowschen Agent zwischen Reiz und Reaktion rüberkommen lässt, als Lümmel, bar jeder Subtilität, der wie ein Hund nach der Wurst schnappt, wie die Journalistin Cerstin Gammelin ausführte.

          Dass dieses offen Verschlagene, das Söder durch die Poren kommt, noch kein Einwand gegen die Kanzlerkandidatur ist, lässt sich spätestens seit dieser Woche evidenzbasiert wissen. Beim Blick in den Abgrund der Wählergunst entwickelt die CDU eine Kollektivneurose, in deren Zentrum der große Vorsitzende der kleinen Schwesterparte Erlöserstatus gewinnt. Sie erkannten sich in einem mehrstündigen Akt des Hineinsteigerns: Söder und die Basis, wie der schwankende Parteigrund in der Einzahl genannt wird. (Wogegen sich Serap Güler mit dem Argument verwahrte, die Basis der CDU sei so vielfältig wie das Leben selbst; sie bekomme auch viele Zuschriften der anderen Art als der jetzt vielzitierten söderfreundlichen, laschetkritischen Art.)

          Söder als Pate der Partizipation

          Wobei das Zuschriftenargument in der einen wie der anderen Form auch hier die Frage nach sich zog, wo sich denn wohl die schweigende Mehrheit im Stimmungsbild abbildet, ein polithermeneutisch blinder Fleck zweifellos, der Laschet und die Seinen zur demoskopiekritischen Vernunft aufrufen lässt. Sicher, demokratietheoretisch muss man der Demoskopie nicht folgen.

          Aber man braucht sich im Umkehrschluss auch nicht gegen sie ausrichten, wie Söder und die Seinen einschärfen. Zwei Pole, die in der Sendung durch das direkte Aufeinandertreffen von Frau Bär und Frau Güler spannungsreich in der Schwebe gehalten wurden.

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