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TV-Kritik „Maischberger“ : Kein Impfstoff, dafür aber viele Regeln

  • -Aktualisiert am

Moderatorin Sandra Maischberger Bild: obs

An Corona führt auch in Maischbergers Wochenrückblick kein Weg vorbei. Aber es ist ein anderes Thema, das für Emotion und Aufregung sorgt.

          5 Min.

          Dieser Text wird von einem Mann geschrieben. Sie fragen sich, ob das wichtig ist? Aus meiner Sicht nicht. Aber wenn sie aufgrund meines Namens auf mein Geschlecht geschlossen haben, dann befinden sie sich bereits auf sehr dünnem Eis. Das musste unlängst Gesine Schwan bitter erfahren. Konkret ging es um Heinrich Horwitz – eine Person, die Frau Schwan offenbar nicht kannte. „Ich finde, es ist nicht schlimm, wenn ich denke, dass jemand, den ich gar nicht kenne und die Person sich Heinrich Horwitz nennt, ich denke, das ist ein Herr.“ Damit lag Frau Schwan allerdings gleich zweifach daneben: Heinrich Horwitz ist kein Mann – und Schwans Annahme hatte durchaus schlimme Folgen.

          Im Internet zog jedenfalls ein wilder Proteststurm auf; ein Shitstorm, um branchengerecht zu formulieren. Denn: Heinrich Horwitz ist kein Herr, auch nicht Schauspieler oder Regisseur, sondern Schauspieler:in und Regisseur:in, nicht binär, sondern eine geoutete, nicht-binäre, lesbische Person. Soweit die Selbstbeschreibung. Willkommen beim gendern! Das Thema, das im Wochenrückblick von Sandra Maischberger zwar erst am Ende der Sendung diskutiert wurde, aber um kurz vor Mitternacht die stärksten Emotionen und die größte Aufregung verursachen sollte. Doch dazu später mehr.

          Auftakt mit Corona

          Denn den Auftakt machte Corona. Auch wenn die meisten Bundesländer in dieser Woche die Corona-Maßnahmen gelockert haben, die Pandemie ist noch längst nicht vorbei. Im Gegenteil: Die Zahl der Neuinfektionen steigt wieder – und das, obwohl die Lockerungen sich in den aktuellen Werten noch gar nicht widerspiegeln. Der Schauspieler Walter Sittler, die Journalistin Katharina Hamberger und der Journalist Ansgar Graw nahmen sich zu Beginn der Sendung dabei zunächst die Politiker Nikolas Löbel (CDU) und Georg Nüßlein (CSU) vor. Sie sollen an der Beschaffung von Schutzmasken Provisionen im 6-stelligen Bereich verdient haben.

          Walter Sittler fürchtete, dass den Abgeordneten womöglich gar nicht bewusst sei, dass sie falsch gehandelt haben könnten. Es sei an der Union, derartige Vorgänge endlich aufzuarbeiten, denn das Fehlverhalten von Philipp Amthor oder Karl-Theodor zu Guttenberg habe damals keine Konsequenzen gehabt. Katharina Hamberger unterschied hierbei zwischen legal und legitim und verwies darauf, wie sehr sich die Union gegen ein Lobbyregister für Bundestagsabgeordnete gewehrt hatte.

          Wie Erlasse die Ärzte behindern

          Im ersten Schwerpunktblock der Sendung erläuterten Pharmazie-Professor Thorsten Lehr und Impfarzt Jürgen Zastrow, was derzeit in der deutschen Corona-Politik alles falsch läuft. Gut, nicht alles, schließlich ist die Sendung auf 75 Minuten begrenzt und wie zu Beginn angedeutet, sollte es noch ein zweites großes Thema geben. Aber Lehr und Zastrow nahmen kein Blatt vor den Mund. So kritisierte Zastrow, dass in Deutschland derzeit der fehlende Impfstoff durch politischen Aktionismus ersetzt werden soll. Die Ärzte erhielten Erlasse, die nicht sonderlich hilfreich seien. So habe man in Köln innerhalb von zwei Wochen am 14. Dezember ein Impfzentrum eröffnen müssen, was allerdings erst am 8. Februar in Betrieb genommen werden konnte. In der Zwischenzeit habe man all die Tage Staub wischen dürfen. Zastrow erzählt nüchtern und sachlich, ohne Schaum vor dem Mund. Politikerschelte ist ihm an diesem Abend fremd, vielmehr will er schlicht berichten, wie in Deutschland wirklich gegen Corona vorgegangen wird. Und sei es mit einem feuchten Tuch.

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