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TV-Kritik: Maischberger : Geisterstunde

  • -Aktualisiert am

Sandra Maischberger diskutierte am Mittwochabend mit: Jochen Busse, Ann-Katrin Müller, Beatrix von Storch, Amira Mohamed Ali, Dagmar Rosenfeld, Prof. Christian Hacke und John Bolton. Bild: Ben Knabe

Die CDU hat einfach Pech. Nach der Flut kam jetzt auch noch kurz vor der Wahl der Zusammenbruch der westlichen Politik in Afghanistan. Da stellt sich die Frage: Können die überhaupt noch regieren?

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          Das aufschlussreichste Statement des Abends kam von einem Geist, den der Kabarettist Jochen Busse anrief. Er berichtete von einem Gespräch mit dem 2014 verstorbenen Peter Scholl-Latour. Dieser habe vor zwanzig Jahren den Afghanistan-Feldzug der Amerikaner „völligen Unsinn“ genannt. Das Land sei nicht zu befrieden. Es gäbe dort kein gemeinsames Nationalbewusstsein und das werde enden „wie in Vietnam.“

          So endete es dann auch, obwohl natürlich niemand sagen kann, wie er diesen an eine Flucht grenzenden Abzug des Westens beurteilt hätte. Er hätte ihn sicherlich für überfällig gehalten. Interessant wäre aber Scholl-Latours Urteil über das Kräfteverhältnis im Land vor dem jämmerlichen Zusammenbruch der afghanischen Regierung gewesen. Das Tragen westlicher Scheuklappen entsprach nun einmal nicht seinem journalistischen Verständnis.

          Aber sein Geist schwieg im weiteren Verlauf der aktuellen Ausgabe von „Maischberger. Die Woche“. Was dazu führte, dass wir Zuschauer uns mit den Erläuterungen des altgedienten Washingtoner Neokonservativen John Bolton zufrieden geben mussten. Er brachte es in der Amtszeit von Donald Trump für kurze Zeit zum Sicherheitsberater, wurde aber entlassen, bevor er irgendwelche außen- und sicherheitspolitischen Kollateralschäden verursachen konnte.

          In dem Interview mit Frau Maischberger nannte er den Rückzug aus Afghanistan einen strategischen Fehler von Trump und dessen Nachfolger Joe Biden. Die Distanzierung vom Konzept des „Nation Building“ gehörte genauso dazu wie der Vorwurf an die außenpolitisch vermeintlich schwächlichen Demokraten. Letzteres gehört zur obligatorischen Rhetorik aus dieser Ecke des politischen Spektrums.

          Boltons Märchenstunde

          Bolton vertuschte damit die eigene Verantwortung für dieses Desaster. Leider konnte später selbst ein erfahrener Amerikaexperte wie Christian Hacke darauf nicht näher eingehen. Bolton vertritt nämlich jenen seltsamen Flügel in der amerikanischen Außenpolitik, der naiven Pathos über die amerikanische Mission in der Welt mit zynischer Realpolitik kombiniert. Dafür stehen sinnbildlich jene Bilder nach der Besetzung Bagdads, wo die Museen der Stadt unter den Augen der Amerikaner geplündert wurden, während sie gleichzeitig als erste Handlung das irakische Ölministerium sicherten.

          Tatsächlich interessierte sich die damalige Regierung in Washington mit ihren neokonservativen Strippenziehern nicht für die Zivilgesellschaft in Afghanistan. Sie glaubten aber umso mehr daran, den säkularen Staat des Saddam Hussein ohne große Mühe zu einem Leuchtturm westlicher Demokratie machen zu können.

          Hybris der Supermacht

          Der „Krieg gegen den Terror“ war nur die propagandistische Phrase für die Hybris der einzigen verbliebenen Supermacht. Afghanistan galt von Anfang an als strategischer Nebenkriegsschauplatz zur Kontrolle des Mittleren Ostens. Diese Verknüpfung machte den Rückzug auch fast unmöglich. Bolton wollte Trump und Biden zur Verantwortung ziehen, tatsächlich sind Bolton und seine Gesinnungsfreunde die Urheber dieses Desasters.

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