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TV-Kritik: „Maischberger“ : Ist die Bayern-Wahl wirklich schon entschieden?

  • -Aktualisiert am

Sandra Maischberger diskutiert mit ihren Gästen über die Bayernwahl. Bild: WDR/Max Kohr

Bei Sandra Maischberger wirkt es so, als könnten die Gegner der CSU den kommenden Wahltag kaum abwarten. Nichts scheint so sicher wie die Niederlage der Christsozialen. Jörg Schönenborn erklärt jedoch, weshalb die Lage gar nicht so eindeutig ist.

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          Die Landtagswahlen in Bayern könnten eigentlich abgesagt werden. Schließlich scheint das Wahlergebnis schon festzustehen. Entsprechend freute sich in der Sendung von Sandra Maischberger der Kabarettist Urban Priol über den längst überflüssig gewordenen Wahlsonntag. Das ist angesichts der aktuellen Umfragen für jeden bayerischen Wähler nachvollziehbar, der sich nicht der CSU verbunden fühlt. Diese Hochstimmung ist selbstredend auch in jenem Teil der Medien zu spüren, die nichts sehnlicher erwarten als das Ende der CSU als eigenständige Partei.

          Nach einer knappen Stunde wollte Priol aber plötzlich doch nicht mehr ein anderes Wahlergebnis ausschließen. Wer wüsste schon, wie sich die Wähler am Ende entscheiden? Priol konnte sich auch ansonsten nicht so recht entscheiden, ob er von Frau Maischberger als Komiker oder als politisch denkender Staatsbürger eingeladen worden ist. Insofern konnte er sehr gut die Lage der CSU vermitteln, die sich ebenfalls in einem andauernden Widerspruch befindet. Als Regierungspartei im Bund für das verantwortlich gemacht zu werden, was die CSU selber seit drei Jahren als politischen Fehler beschrieben hat. Komisch war das bisweilen zwar auch. Ob politisch immer durchdacht, lässt sich bezweifeln.

          Historischer Treppenwitz

          So ist die CSU in einen hoch polarisierten Wahlkampf geraten, der nur den beiden Kontrahenten Grüne und AfD nutzt. So beschrieb das Jörg Schönenborn in einer Analyse der aktuellen Meinungsumfragen. Das ist natürlich ein historischer Treppenwitz. Polarisierung war schließlich die Kernkompetenz der CSU. Die krachlederne Rhetorik des bayerischen Löwen funktionierte aber nur mit zwei weiteren Voraussetzungen. Zum einen mit einer hocheffizienten Verwaltung, worauf Robin Alexander („Die Welt“) hinwies. Nur ist das letztlich das Erbe von Maximilian von Montgelas, der die bayerische Verwaltung im frühen 19. Jahrhundert radikal modernisierte. Zum anderen von jenem Pragmatismus, den der fränkische Unternehmer Hans-Rudolf Wöhrl treffend beschrieb. Dann gäbe man halt schon einmal die Ideen der Opposition als die eigenen aus. Dafür brauchte die CSU allerdings jenes Netzwerk einer Volks- und Staatspartei, die in jedem Winkel des Landes ihre Augen und Ohren hat, um die Stimmungen der Wähler aufzunehmen.

          Die CSU konnte diese Funktion einer klassischen Volkspartei erstaunlich lange konservieren, trotz der Modernisierung des Landes. Im Gegensatz zur CDU und der SPD, die soziologisch längst keine Volksparteien mehr sind. Gestern Abend ging es eigentlich um die Frage, ob der prognostizierte Absturz der CSU hier seine Ursache hat. CSU-Grande Edmund Stoiber thematisierte das vor kurzem an der binnendeutschen Zuwanderung nach Bayern. Nur hatte es die immer gegeben – und selbstredend ist die Mentalität der heutigen Bayern nicht mehr die gleiche, wie zu Zeiten von Franz-Josef Strauß. Trotzdem lag die CSU in fast allen Umfragen seit der letzten Landtagswahl im Jahr 2013 kontinuierlich über vierzig Prozent, bisweilen sogar nahe an der absoluten Mehrheit. Deshalb war Alexander von der These eines strukturell bedingten Verfalls der CSU-Hegemonie nicht überzeugt. So kam die CSU etwa Mitte September 2015 noch auf Werte von fast fünfzig Prozent. Die AfD der gleichen Umfrage auf gerade einmal zwei Prozent und die Freien Wähler auf sechs Prozent. Für die SPD wurden 20 Prozent gemessen und für die Grünen genau die Hälfte der SPD-Zahlen. Im Vergleich zu den aktuellen Zahlen hat sich im Kräfteverhältnis der beiden Lager bis heute fast nichts getan. Es ist allerdings das passiert, was Alexander als den Verlust der Mitte beschrieb: CSU und SPD verlieren an die Konkurrenz im jeweils eigenen Lager.

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