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TV-Kritik: Maischberger : „Es war unfassbar“

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Bei „Maischberger“ diskutierten Zeitzeugen über die Folgen des Geiseldramas von Gladbeck. Bild: ARD

Die ARD zeigt den ersten Teil eines hervorragenden Films über das Geiseldrama von Gladbeck vor 30 Jahren. Anschließend bemüht Sandra Maischberger sich mit Hilfe von Zeitzeugen um eine Einordnung – durchaus gelungen.

          Die Gerichtsreporterin Gisela Friedrichsen beschrieb gestern Abend die Stimmungslage, die vor fast dreißig Jahren während des Gladbecker Geiseldramas herrschte. Es war eine „Mischung aus Faszination und Entsetzen“, alle warteten vor dem Fernseher oder dem Radio auf jede neue Meldung und konnten „nicht glauben“, was sie sahen. „Es war unfassbar“, was in diesen drei Tagen zwischen dem 16. und 18. August 1988 passierte. Zwei Bankräuber nehmen Geiseln, holen eine Komplizin ab, um anschließend ungestört durch die Republik zu fahren. Sie kidnappen in Bremen einen Bus, geben Pressekonferenzen und Interviews. Sie erschießen auf einem Rastplatz einen Jungen, fahren in die Niederlande und werden erst am dritten Tag auf einer Autobahn in der Nähe von Köln von der Polizei gestoppt. Eine weitere Geisel wird bei dieser Aktion aus der Waffe eines Geiselnehmers getötet.

          Ulrich Kienzle war damals Chefredakteur von Radio Bremen. „Hoffentlich kommen die nicht nach Bremen“, so beschrieb er bei Sandra Maischberger die Stimmung in der morgendlichen Redaktionskonferenz des Senders. Es war schon am ersten Tag deutlich geworden, dass es sich in Gladbeck nicht mehr nur um einen missglückten Banküberfall mit anschließender Geiselnahme handelte. Hier begann etwas aus dem Ruder zu laufen, wenn auch noch niemand genau wusste, was eigentlich. Die Geiselnahme war innerhalb von Stunden zum bundesweiten Medien-Spektakel geworden.

          Polizei machte Geiselnahmen möglich

          Spätestens als die beiden Geiselnehmer mit ihren Opfern in Bremen ankamen, beschlich selbst unbeteiligte Bürger ein mulmiges Gefühl. Es schien, als könnten sie durch Zufall sogar in der eigenen Stadt und vor der eigenen Haustür auftauchen. Niemand schien sie daran zu hindern. Die Polizei wollte die beiden Gladbecker Geiseln schützen, daran hatte niemand einen Zweifel. Dadurch wurden aber gleichzeitig weitere Geiselnahmen möglich. Genau das geschah mit dem damals siebenjährigen Johnny Bastiampillai in dem gekaperten Bus. Er schilderte gestern Abend sein Unverständnis, warum so etwas ihm und seinen Leidensgenossen überhaupt passieren konnte. Sie waren sprichwörtlich unter den Augen der Polizei als Geisel genommen worden. Von zwei Bankräubern, die noch einen Tag vorher in einer von der Polizei umstellten Bank in Gladbeck festsaßen.

          So lässt sich auch diese „Mischung aus Faszination und Entsetzen“ erklären, von der Friedrichsen sprach. Es passierten lauter Dinge, die gar nicht hätten passieren dürfen. Natürlich hätte es die Polizei nicht zulassen dürfen, den kleinen Johnny so einem Risiko auszusetzen. Kienzle sprach daher vom „Staatsversagen“, gewissermaßen auf offener Bühne. In dem zu Recht hoch gelobten Film wird die Dramaturgie dieser Ereignisse eindringlich geschildert. Nur wusste damals niemand etwas von den Diskussionen in den Polizeistäben. Die Polizei erschien uns Zuschauern bloß als hilflos, wenn die Geiselnehmer Hans-Jürgen Rösner und Dieter Degowski scheinbar unbesorgt durch die Lande fuhren.

          Joe Bausch, Gefängnisarzt in der JVA Werl und nebenberuflich im Kölner „Tatort“ Gerichtsmediziner, beschrieb, was sich jeder Beobachter damals zwangsläufig fragte. Warum nutzt die Polizei nicht eine der zahllosen Möglichkeiten, um diese Tragödie im Gewand des Possenspiels endlich zu beenden?

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