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TV-Kritik: „Maischberger“ : Nur Augen zu und durch – wirklich?

  • -Aktualisiert am

Sandra Maischberger im Gespräch mit Bundesarbeitsminister Hubertus Heil Bild: WDR/Oliver Ziebe

Der Corona-Ausnahmezustand bringt massive Einschränkungen für jeden. Dennoch stimmt die große Mehrheit den Maßnahmen zu. Auch bei Sandra Maischberger. Wo bleibt das kritische Hinterfragen?

          6 Min.

          Es ist die zweite Woche im Corona-Ausnahmezustand. Überall in Deutschland ist das öffentliche Leben auf das Nötigste heruntergefahren. Es sind drastische Maßnahmen für Wirtschaft wie Gesellschaft. Dennoch finden laut aktuellem Deutschlandtrend 95 Prozent der Deutschen die Einschränkungen in Ordnung. Noch. In dieser Situation versucht Sandra Maischberger den Rundumschlag: von „War Deutschland gut auf die Krise vorbereitet?“ über „Wie wirkt sich das neue Kontaktverbot auf Wirtschaft und Menschen aus?“ bis hin zur Frage nach einem baldigen Ende des Ausnahmezustands. 

          Es liegt durchaus Sprengkraft in diesen Fragen, dass Deutschland unvorbereitet gewesen oder dass die Maßnahmen zu spät oder vielleicht gar überzogen sein könnten. Aber die Sprengladung wird an diesem Abend nicht zünden. Vielmehr gibt die Theologin Margot Käßmann gleich zu Beginn der Sendung den Ton vor mit ihrem Appell: Leute, haltet das aus!

          Auch Georg Mascolo verweist zwar darauf, dass die (politische) Debatte niemals enden dürfe, jetzt jedoch nicht die Zeit für eine kritische Auseinandersetzung sei. Die Politik müsse schnell handeln – und diesem beherzten Handeln zolle er Respekt. Er sei sogar froh, in Deutschland zu leben – in einem Land, in dem die Politik versuche, das Beste zu geben. Mascolo wird die Sendung über für Geduld und Nachsicht werben, schließlich befinde man sich derzeit in „völlig unkartiertem Gelände“. Kritische Diskussionen seien etwas für die Zeit, wenn der Boden etwas weniger wanke.

          Dass Hubertus Heil die Tonalität des Lobes nur zu gerne aufnimmt, ist klar und nicht zu kritisieren. Demokratie kann auch schnell, gibt der Arbeitsminister zum Besten und wirbt für die klare Prioritätensetzung der eigenen Politik: Man nehme zwar viel Geld in die Hand, dennoch stehe die Gesundheit der Menschen vor allem anderen. Seine darauffolgende Klarstellung geht leider etwas unter: Man könne nicht jeden Arbeitsplatz retten, aber man wolle zumindest um jeden kämpfen.

          Erst am Anfang der Krise

          Wie sehr um jedes Leben gekämpft wird, belegen die täglichen Zahlen von Neuinfektionen und Todesfällen. Hier stellt Virologe Jonas Schmidt-Chanasit jedoch unmissverständlich klar, dass man erst am Anfang der Krise stehe. Ein Trend, ob die neuen Maßnahmen wirkten, könne man erst nach Ostern erkennen. Diese zeitliche Verzögerung erschwere es, die drastischen Eingriffe zu rechtfertigen.

          Sandra Maischberger wirft an dieser Stelle den spannenden Aspekt der nicht erfassten Testzahlen auf. Laut Schmidt-Chanasit sei in der vergangenen Woche deutschlandweit 300.000 Mal getestet worden, so dass man im Vergleich zu anderen Ländern sehr gut dastehe. Man habe ein zufriedenstellendes Bild. Nun gelte es, die Testkapazitäten besser zu erfassen.

          Es ist eine Aussage, die aufhorchen lässt: Was meint der Virologe damit? Weiß man nicht, wie viele Tests man durchführen kann? Und: Hat Schmidt-Chanasit nicht vor kurzem noch stolz verkündet, die Testkapazitäten seien vollkommen ausreichend und könnten sogar noch weiter hochgefahren werden!? Leider bleiben derartige Nachfragen aus.

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