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TV-Kritik „Maischberger“ : Lohnt sich Leistung überhaupt?

  • -Aktualisiert am

Sandra Maischberger diskutiert mit ihren Gästen über Armut und Reichtum - und hätte beides doch lieber voneinander getrennt. Bild: © by WDR/Max Kohr

Sandra Maischberger widmet sich zwei Themen, die besser getrennt worden wären: Armut und Reichtum. Am Ende kommen auch noch Steuertricks ins Spiel, die Normalsterblichen unzugänglich bleiben.

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          Sandra Maischberger widmet sich diesmal in ihrer Sendung den Themen Reichtum und Armut. Klar, dass es dabei auch um Steuern geht. Doch wie kam es überhaupt zu bestimmten Steuerfreiheiten, zu Heuschrecken und Hartz 4?

          Solange die Unionsparteien und die Liberalen Deutschland regierten, gab es zwar immer wieder zaghafte Versuche, die Lohn- und Einkommenssteuern zu senken. Beim Amtsantritt von Rot-Grün im Herbst 1998 lag der Spitzensteuersatz noch bei 53 Prozent. Rot-Grün verlor im Jahr darauf die Mehrheit im Bundesrat. Erst dann besann sich die FDP auf ihre Forderungen aus der Ablage und erreichte zusammen mit der Union, dass der Spitzensteuersatz ab dem Jahr 2000 auf 42 Prozent und nicht auf 45 Prozent gesenkt wurde.

          Ein weiterer Baustein der rot-grünen Steuerpolitik stellte Gewinne aus der Veräußerung von Unternehmensbeteiligungen steuerfrei. Das damalige Credo der Entflechtung der „Deutschland AG“ führte zum Markteintritt der sogenannten Heuschrecken, wie Franz Müntefering sie später nannte, die die Übernahme von Unternehmen aus dem Cash Flow der übernommenen Unternehmen bezahlten, eine Eldorado-Geschichte sondergleichen. Schnee von gestern? Nicht ganz.

          Denn gleichzeitig zu diesen Steuerreformen gab es auch die Hartz-Kommission. Ihr Ziel war es, die Parallelwelten der Sozialhilfe und der Arbeitsämter zusammenzuführen und dauerhafte Abhängigkeit von Sozialhilfe durch ein Zusammenwirken von Fordern und Fördern abzulösen. So entstand in Deutschland der größte Niedriglohnsektor in Westeuropa mit der Folge, dass heute auch viele Vollbeschäftigte von ihrem Arbeitseinkommen allein nicht leben können, sondern amtlich aufstocken müssen.

          Von dieser Schattenseite erzählt Jeremias Thiel, ein Anton Reiser unserer Zeit. Während seine Freunde zum Public Viewing gingen, musste er Flaschen sammeln. Mit elf Jahren gelang es ihm, einem familiären Teufelskreislauf zu entkommen: seine Mutter spielsüchtig, der Vater chronisch depressiv, der Zwillingsbruder leidet an ADHS. Die Familie lebt dauerhaft von Hartz 4. Jeremias suchte im Alter von elf Jahren mit amtlicher Hilfe Zuflucht in einem SOS-Kinderdorf. Später wurde er mit einem Stipendium in einer internationalen Schule aufgenommen. Nach seinem Abitur im kommenden Jahr will er in Harvard studieren.

          Ralf Dümmel ist das Kontrastprogramm. Der Selfmademann und Millionär wirkt auch wie eine Romanfigur, nur nicht von Karl Philipp Moritz, sondern nach Günter Hacks Roman Quiz. Seit 2016 ist Dümmel Investor bei der VOX-Show „Die Höhle der Löwen“. Sein Input ist freundlich. Im wesentlichen spielt sich der Abend zwischen Rainer Hank (F.A.S.), der ARD Börsenexpertin Anja Kohl und Sahra Wagenknecht ab. Dümmel findet nicht gut, dass Reiche mit scheelem Auge angesehen werden. Sein Vermögen sei hart erarbeitet. Wer wollte ihm das verargen?

          Viele neue Millionäre!

          Die Hochkonjunktur trägt dazu bei, dass es im vergangenen Jahr 250.000 frisch gebackene Millionäre gab. Am anderen Ende der sozialen Leiter verfestigt sich die Armut. Das ist die Sachlage. Was das eine mit dem anderen zu tun hat, das hätte zum Beispiel der Politikwissenschaftler Wolfgang Streeck mit dem Satz erklärt, dass sich die gewinnabhängige Klasse aus dem sozialen Konsens der frühen Bundesrepublik verabschiedet habe. Wenn heute der Vorstandsvorsitzende der Deutschen Post im Jahr das 232-fache eines durchschnittlichen Postmitarbeiters verdient, dann hat das etwas damit zu tun, dass das Management die Kapitaleigner – bei der Post ist mit 20 Prozent der Bund beteiligt – in der Hand zu haben scheint.

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