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TV-Kritik: Maischberger : Sozialstaat und Markenkleidung

  • -Aktualisiert am

Sandra Maischberger diskutiert mit ihren Gästen über Hartz IV und Altersarmut. Bild: WDR/Oliver Ziebe

Bevor die deutsche Wirtschaft endgültig in die Rezession gerät, beschäftigte sich Sandra Maischberger noch einmal mit der Armut in einer reichen Gesellschaft. Das war durchaus aufschlussreich.

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          Womöglich könnte es bald Talkshows geben, die Armut als Möglichkeit zu einer bescheidenen Lebensführung definieren. Wo die Menschen den materiellen Genüssen widerstehen, um nicht mehr andauernd an das Wirtschaftswachstum zu denken. Systemkritik ist bekanntlich nicht nur bei den Vereinten Nationen in Mode gekommen, sogar bei einigen Teenagern, die bis vor kurzem noch einen gehobenen Lebensstil als selbstverständlich betrachteten. Bis es soweit ist, wird aber das seit Ludwig Erhard bewährte Motto „Wohlstand für alle“ die Perspektive der meisten Menschen bestimmen. Erst vor diesem Hintergrund machte der Titel dieser Sendung auch Sinn: „Trotz Rente und Arbeit: Kann Armut jeden treffen?“

          Sozialpolitische Lebenslagen

          So ging es um Armutsvermeidung und die Teilhabe an den einstweilen noch vorhandenen materiellen Möglichkeiten dieser Gesellschaft. Frau Maischberger hatte dazu drei Frauen eingeladen: Die Rentnerin Gisela Quenstedt, die frühere Leiharbeiterin Heike Orzol und die achtzehnjährige Sarah-Lee Heinrich, die in einem Grundsicherungshaushalt aufwuchs. Sie repräsentierten die Armut in einer „reichen Gesellschaft“, standen aber zugleich für unterschiedliche sozialpolitische Lebenslagen. Sie trafen auf den früheren ZDF-Wirtschaftsjournalisten Michael Opoczynski, den SPD-Politiker Ralf Stegner und dem als Bundestagsabgeordneten der Grünen bekannt gewordenen Publizisten Oswald Metzger. Nur sollten die Zuschauer über den deutschen Sozialstaat eines wissen: Er orientiert sich an den Erwerbstätigen im sogenannten Normalarbeitsverhältnis und soll die Bürger vor den Grundrisiken des Lebens absichern.

          Dazu zählen der Arbeitsunfall, die Krankheit, die Arbeitslosigkeit, das Alter und die Pflege. Diese Voraussetzungen bestehen bis heute, obwohl manche Wissenschaftler schon vor Jahrzehnten das „Ende der Arbeitsgesellschaft“ prognostizierten. So können sich Wissenschaftler irren. Tatsächlich haben wir – noch – die höchste Erwerbsquote in der Geschichte des Landes. Dabei beruht der Sozialstaat verteilungspolitisch auf dem Äquivalenzprinzip, oder populär Lebensleistung genannt. In der Renten- und Arbeitslosenversicherung orientieren sich die Anwartschaften an den vorher gezahlten Beiträgen. Darauf wies ironischerweise Metzger hin. Gehört er doch zu jenen Neoliberalen, die schon seit Jahrzehnten dieses Äquivalenzprinzip durch ein schlichtes staatliches Grundsicherungsmodell ersetzen wollen. Erstaunlich war allerdings, dass Opoczynski als Experte mit dem Begriff nichts anzufangen wusste, und ihn der Sozialdemokrat Stegner als irrelevant abtat.

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