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TV-Kritik „Hart aber fair“ : Setzt die CDU auf die richtigen Leute?

  • -Aktualisiert am

Frank Plasberg diskutiert mit seinen Gästen die jüngsten Wahlergebnisse. Der Ton wird deutlich rauer. Bild: © WDR/Oliver Ziebe

Der Kater bei den Regierungsparteien ist auch bei Frank Plasberg offenkundig. Doch die Treffsicherheit der Parteivorsitzenden, falsche Töne anzustimmen, erstaunt selbst Parteifreunde. Es wird rauer.

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          Am Tag nach der Wahl veröffentlicht ein Freischärler der SPD im Cicero einen Text, der neben anderen Meinungsäußerungen in der Partei Frau Nahles dazu bewogen haben dürfte, die Wahl der Fraktionsführung vorzuziehen. „Leider ist die aktuelle SPD weder durch ihre Führung noch durch die Organisation der Parteizentrale gerade befähigt, die für sie nötige radikale Erneuerung zu bewältigen. Deswegen braucht die SPD neue Köpfe vom Schlage eines Oskar Lafontaine, eines Peter Glotz, eines Otto Schily und eines Sigmar Gabriel. Tatsächlich gibt es junge Lafontaines und Schilys in der SPD. Die Parteiführung muss sie nur endlich in die breite Öffentlichkeit hieven.“

          Das klingt nicht sehr dynamisch. Ein Wechsel in der Parteiführung kann auch nicht mit einem Kran im Hamburger Hafen verglichen werden, der einen Sack Kaffee ins Lagerhaus hievt. Es mehren sich schrille Töne in der großen Koalition. Sie bezeugen keine Analyse, auch kein strategisches Denken, sondern nur blank liegende Nerven.

          Das Wahlergebnis veranlasst die ARD zu einem Brennpunkt. Grizzlie-Fans müssen sich vertrösten lassen. Schon hier macht CDU-Präsidiumsmitglied Mike Mohring deutlich, dass man auch anders diskutieren kann. Er kritisiert, dass seine Partei über keine Strategie im Osten verfüge. Die Große Koalition solle ohne alberne Nebenkriegsschauplätze umsetzen, was vereinbart sei. Der Politikwissenschaftler Frank Decker konstatiert trocken, dass es für den Spitzenkandidaten der EVP keinen Weber-Bonus gegeben habe. Woran das liegt, wäre eine Nachfrage wert gewesen.

          Das wird anschließend Frank Plasberg in seiner Sendung „Hart aber fair“ vertiefen. Für die Grüne Jugend sitzt Ricarda Lang in der Runde, der SPD-Generalsekretär Lars Klingbeil, für die CDU mit Mike Mohring ein kampflustiger und aufgeräumt argumentierender Oppositionsführer aus Erfurt, mit Michael Spreng und Markus Feldenkirchen zwei erfahrene Beobachter des Politikbetriebs.

          Desaster mit Ansage

          Die Leitfragen sind nicht sonderlich zielführend, weil sie einen Sachverhalt übersehen, der ihre Annahmen konterkariert. Die Wahlbeteiligung erreichte am Sonntag fast das Niveau einer Bundestagswahl. Das ist für die Wahl zum Europäischen Parlament ungewöhnlich. Höher als am Sonntag war sie zuletzt im Jahr 1994. Deswegen von einer Wutwahl zu reden, verfehlt das Bemerkenswerte an dem Ergebnis. So sehen das vielleicht die Parteien, die deutlich verloren haben, aber damit haben sie noch nicht die Frage beantwortet, woran ihre Verluste liegen. Der Einbruch der Union bei den jüngeren Wählerinnen und Wählern (jung heißt unter 60) ist ein Desaster mit Ansage.

          Mike Mohring, der im Herbst gegen einen Ministerpräsidenten der Linken antritt, krempelt die Ärmel hoch und fordert seine Partei auf, den Koalitionsvertrag zu erfüllen. Er will in Thüringen liefern, das gilt auch für die Grundrente. Markus Feldenkirchen zieht einen historischen Vergleich. Zuletzt profitierte die SPD in den späten 60er Jahren von einer politisierten Jugend. Nun geht dieser Vorteil eindeutig an die Grünen.

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