https://www.faz.net/-gqz-97kfw

TV-Kritik: „Hart aber fair“ : „Hart aber fair“: Mehr Mut zu Experimenten

  • -Aktualisiert am

Frank Plasberg diskutiertmit der 30-jährigen Unternehmerin Verena Hubertz (SPD), zur Frage: „Merkels neue Mannschaft - sieht so Erneuerung aus?“ Bild: WDR/Oliver Ziebe

Nur noch wenige Tage, bis das Votum der SPD-Mitglieder feststeht. Niemand scheint darauf vorbereitet, was passiert, wenn die Basis mit Nein stimmt. Insgeheim setzen alle auf die Disziplin der alten Volkspartei.

          Disziplin bringt sich als politische Tugend wieder in Erinnerung, obschon sie in der Politik rar geworden zu sein scheint. Die Erregungszyklen sind immer knapper getaktet. Ständig sind Kameras und Mikrophone auf der Jagd nach abweichenden Stimmen. Schließlich gibt es mit dem Begriff des „Schulz-Votums“ sogar auch Panik vor zu viel Zustimmung. Dass Frau Kramp-Karrenbauer mit knapp über 98 Prozent, aber nicht mit 100 Prozent zur Generalsekretärin der CDU gewählt wurde, führte zu Stoßseufzern der Erleichterung.

          Ob der ausgehandelte Koalitionsvertrag zwischen den Unionsparteien und der SPD tatsächlich die Politik der nächsten drei Jahre prägen wird, kann nach den beiden letzten Legislaturperioden getrost bezweifelt werden. Daher hat der gebannte Blick auf das Votum der SPD etwas Magisches, zugleich bezeugt er aber auch – jedenfalls insgeheim – ein Urvertrauen in die Disziplin des sozialdemokratischen Organisationstankers. Wie hoch wird die Beteiligung ausfallen? Eine Frage, die nicht nur eine Stadt wie Frankfurt am Main umtreibt. Wenn sie zu niedrig ist, scheint alles möglich.

          Unaushaltbar

          Der Möglichkeitssinn verwandelt sich in eine Panikattacke. Für das Betriebssystem demokratischer Politik ist das ein kaum aushaltbarer Befund. Das ist die Ausgangslage für eine Diskussion, die mit gebremstem Optimismus nach vorne zu schauen versucht.

          Das Personaltableau der CDU ist respektabel. Doch es gibt keinen Grund, es zu einer taktischen Meisterleistung zu überhöhen, es sei denn, man hätte zuvor mit dem Schlimmsten gerechnet. Die CDU wird in der Spitze noch weiblicher. Das steht für eine Skandinavisierung, weniger für eine Sozialdemokratisierung der Union.

          Der Musikunternehmer Thomas M. Stein hätte die Performance der CDU-Vorsitzenden auch als Castingshow bewerten können, tat es aber nicht. Er erwähnt beiläufig, dass viele Unternehmen in ihrer Führung eine Altersgrenze von 60 Jahren praktizieren. Sie kennen die Belastungsspitzen und minimieren Risiken.

          Risiko der Unernsthaftigkeit

          Der Vorsitzende der Jungen Union, Paul Ziemiak, bewertet den Ausgang etwas zu altklug. Nicola Beer, die Generalsekretärin der FDP, spielt ungefragt Jurorin und stellt in Frage, ob ein frisches Geburtsdatum auch neues Denken garantiere. Ihre Partei wollte nicht regieren, weswegen jede Kritik aus ihrer Ecke mit dem Vorwurf des  „Sotunalsob“ beantwortet wird, ein Beispiel für das Risiko der Unernsthaftigkeit, das den Liberalen bekannt vorkommen könnte.

          Mut klingt anders

          Thomas Oppermann konzediert der CDU eine respektable Auswahl. Spiegelredakteur Markus Feldenkirchen bescheinigt der Union eine Saison der Feierabendproteste, bei der SPD sei mehr los, und erntet dafür Beifall. Natürlich steht die SPD unter Druck und die aktuellen Umfrageergebnisse erhöhen ihn eher. Aber wenn sie die Schikanen überlebt, könnte sie schnell wieder an Kraft gewinnen. Die Diskussionen ihrer Regionalkonferenzen bezeugen eine vorbildliche Beteiligungspraxis. Oppermann lässt sich auch von Feldenkirchen nicht zu personalpolitischen Aussagen provozieren. Er verlangt Respekt für den Mitgliederentscheid, Stein dagegen Respekt vor den Wählern, die sich nicht für dumm verkaufen lassen wollten. Will er doch eine Castingshow für das Bundeskabinett aufziehen? Wenn die SPD-Mitglieder mit nein stimmen, „müssen wir tapfer sein“, sagt Oppermann. Mut klingt anders.

          Weitere Themen

          Hoffnung im Ansicht der Apokalypse Video-Seite öffnen

          Filmkritik „Endzeit“ : Hoffnung im Ansicht der Apokalypse

          Blutverschmierte Münder, abgehackte Gliedmaßen und non-stop Action – so kennt man als geneigter Zuschauer das Zombiefilm-Genre. Wie sich der deutsche Film „Endzeit“ dagegen abhebt, und warum man gerade als Nicht-Zombie-Fan den Gang ins Kino wagen sollte erklärt FAZ-Redakteur Andreas Platthaus.

          Topmeldungen

          Der Charging Bull, eine Bronzestatue im Financial District in Manhattan, New York.

          Amerikas Wirtschaft : Das Ende des Kapitalismus, wie wir ihn kennen?

          Amerikas Manager-Elite gibt sich neue Prinzipien: Sie will Aktionäre nicht mehr über alles andere stellen. Ihre eigene Vergütung dagegen ist bisher kein Thema.

          Klimaaktivistin : Das Team hinter Greta

          Vor einem Jahr hat die schwedische Teenagerin Greta Thunberg ihre Schulstreiks begonnen. Heute ist sie weltberühmt und segelt über den Atlantik. Wir zeigen die Leute hinter ihr.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.