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TV-Kritik: Hart aber fair : Showdown um das Kanzleramt

  • -Aktualisiert am

Frank Plasberg diskutiert mit seinen Gästen die K-Frage der Union Bild: WDR

Der Machtkampf um die Kanzlerkandidatur in den Unionsparteien erinnert an den Ausbruch eines Vulkans. Bei „Hart aber fair“ ist das Grund genug für eine kurzfristige Themenänderung.

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          Wahrscheinlich hätte man sich noch vor zwei Wochen kaum vorstellen können, dass eine geplante Talkshow mit dem Titel „Politik blockiert, Virus marschiert – zieht jetzt der Bund die Notbremse?" einer Themenänderung zum Opfer fallen könnte. Unter Umständen hätte man das noch einer weiteren Naturkatastrophe zugetraut, wie einem Vulkanausbruch in der Eifel, aber kaum der seit einem Jahr im pandemischen Ausnahmezustand befindlichen Politik. Dazu ist es in den vergangenen Tagen trotzdem gekommen: Die in einer politischen Magmakammer aufgestauten Konflikte um die Kanzlerkandidatur in der Union haben am Wochenende Eruptionen ausgelöst, die das politische Berlin erschütterten.

          „Showdown der Kandidaten – verstolpert die Union das Kanzleramt?“, so hieß es also stattdessen in Frank Plasbergs Sendung „Hart aber fair“. Wobei sich politische Vulkanologen die Frage stellen konnten, mit welchen Vulkantyp wir es eigentlich zu tun haben: Handelt es sich um den gemächlichen Stromboli oder um den explosiven Vesuv, dessen pyroklastischen Ströme schon Pompeji unter sich begraben haben?

          „Was soll das?“

          Naturgemäß bemühten sich die zugeschalteten Vertreter von CDU und CSU um die Feststellung einer gewissen Normalität, wie sie beim Stromboli zu beobachten ist. Markus Blume (CSU) und Herbert Reul (CDU) betonten ihre Überzeugung, nur mit einem gemeinsamen Kandidaten die bevorstehenden Bundestagswahlen bestehen zu können. Zugleich wollten beide die explosive Lage des Jahres 2018 vermeiden, als die Union an der Flüchtlingskrise fast zerbrochen wäre.

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          Das gelang dem CSU-Generalsekretär besser als dem CDU-Innenminister aus Nordrhein-Westfalen. Letzterer machte keinen Hehl aus seiner Überraschung über die montägliche Kampfansage aus München. Er wüsste nicht, „was das soll“. Wer sich in dieser Sendung noch einmal die Aussagen des CSU-Kandidaten Markus Söder der vergangenen Tage anhörte, konnte das nachvollziehen. Für Reul ging es darum, ob sich ein Politikertypus durchsetzt, der „ehrliche und anständige Politik“ macht und wo „nicht die Show bestimmt“. So gerieten solche Argumente zugunsten des CDU-Kandidaten Armin Laschet zwangsläufig zur Abrechnung mit dem Konkurrenten aus der Schwesterpartei. Hier zeigte sich die Eigendynamik solcher Konflikte: Es ist zwar kein Vulkanausbruch, trotzdem sind deren Folgen für die Akteure nicht zu beherrschen.

          Diese Methode hatte allerdings der CSU-Kandidat seit Monaten auf Kosten von Laschet perfektioniert, da soll sich niemand etwas vormachen. Für sein Image des hartgesottenen Pandemiebekämpfers brauchte Söder die Abgrenzung vom Düsseldorfer Ministerpräsidenten, trotz der bescheidenen bayerischen Ergebnisse im Vergleich zu Nordrhein-Westfalen. Darauf wies Kristina Dunz hin, Journalistin beim Redaktionsnetzwerk Deutschland. Wobei der Unterschied zwischen Sein und Schein den Zuschauern aus der Werbung bekannt sein sollte. Dem unterliegen zwar auch alle anderen Parteien, aber das fällt dort zur Zeit nicht in gleicher Weise auf.

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