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TV-Kritik: „hart aber fair“ : Ist Enteignung machbar, Herr Nachbar?

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Sind selbstverständlich nicht einer Meinung: Alexander Graf Lambsdorff (FDP) und Oskar Lafontaine (Linkspartei) bei „hart aber fair“. Bild: WDR/Oliver Ziebe

Eben noch machten die ökologischen Folgen der Wohlstandsgesellschaft Schlagzeilen. Jetzt geht es plötzlich um alles, auch bei „hart aber fair“. Kein Wunder, dass Arbeitsminister Heil meint, er sei in der „Lafontaine-Show“ gelandet.

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          In Deutschland waren im Januar dieses Jahres 64,7 Millionen Personenkraftwagen zugelassen, davon waren 3,2 Millionen Fahrzeuge der Marke BMW. Bis vor wenigen Tagen wurde die Fahrzeugflotte unter dem Gesichtspunkt der Verkehrswende kritisch diskutiert: Der Kapitalismus zerstöre mit seiner Fähigkeit zur Massenproduktion und zur Massenkonsumption die natürlichen Lebensgrundlagen, nicht zuletzt wegen des Klimawandels. Niemand wäre auf die Idee gekommen, ausgerechnet am Beispiel von BMW die Grundlagen kapitalistischer Produktionsverhältnisse zu diskutieren. Bis der Bundesvorsitzende der Jungsozialisten Kevin Kühnert in einem Interview seine Ideen von deren Überwindung ausgerechnet am bayerischen Autokonzern durchspielte. Die dadurch ausgelöste Aufregung  erreichte selbstredend auch die Talkshows.

          So ging es bei Frank Plasberg um das Thema: „Arm durch Arbeit, reich durch Immobilien: Keine Chance auf sozialen Aufstieg?“ Einer der Gäste war Oskar Lafontaine. Er nutzte natürlich diese Steilvorlage. Er galt zwar in seiner sozialdemokratischen Frühphase in den 1980er Jahren auch als Querdenker, aber eher von der anderen Seite des politischen Spektrums. Er kritisierte damals die Gewerkschaften für ihren Starrsinn und legte sich mit den sozialpolitischen Granden seiner Partei an.

          Das ist längst vergessen. Gestern Abend gab er stattdessen eine Einführung in die Marxsche Werttheorie: Kurz gesagt, eignet sich der Kapitalist die unbezahlte Arbeit des Arbeiters an. Das ist die Grundlage für soziale Ungleichheit, wie es Lafontaine an BMW zu erklären versuchte. Das Unternehmen ist bekanntlich zu fast fünfzig Prozent im Eigentum der Familie Quandt. Damit erhält sie einen wesentlichen Teil der an die Aktionäre ausgeschütteten Gewinne. Lafontaine zeigte daran die Logik kapitalistischer Produktionsverhältnisse auf: Ihm könne niemand erzählen, wie sich Stefan Quandt und seine Schwester Susanne Klatten ihre Milliarden erarbeitet haben wollen. Er paraphrasierte sogar den alten Marxschen Schlachtruf von der „Expropriation der Expropriateure“, also der „Enteignung der Enteigner.“

          Das alles entspricht noch weitgehend den Einsichten der klassischen Sozialdemokratie. Die private Verfügungsgewalt an Produktionsmitteln ist eine Machtkonstellation. Diese Einsicht hatten allerdings auch die Ordoliberalen, zogen daraus nur andere Schlussfolgerungen. Sie setzten auf den Wettbewerb als Korrektiv, die Sozialdemokraten auf einen den Kapitalismus zähmenden Staat.

          Niemand kam aber bis vergangene Woche ernsthaft auf die Idee, eine Rückkehr zu den sozialromantischen Vorstellungen einer „Expropriation der Expropriateure“ zu versuchen. Entweder landet man dann in den Unzulänglichkeiten staatlicher Kommandowirtschaft, oder in einem Kapitalismus ohne Bourgeoisie. Selbst wenn man nämlich das Vermögen der Quandts unter den BMW-Arbeitern aufteilte, änderte sich nichts an den ökonomischen Rahmenbedingungen des Konzerns.

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