https://www.faz.net/-gqz-9mobl

TV-Kritik: „hart aber fair“ : Ist Enteignung machbar, Herr Nachbar?

  • -Aktualisiert am

Das war das Argument des Immobilienunternehmers Christoph Gröner. An diesem Problem haben sich übrigens auch alle Marxisten der vergangenen hundert Jahre die Zähne ausgebissen. Zudem erinnerten Gröner und der FDP-Politiker Alexander Graf Lambsdorff an die Realität einer vom Mittelstand geprägten Volkswirtschaft. Die Familie Quandt ist nun wirklich nicht repräsentativ für die Unternehmensstruktur in Deutschland. Was Marxisten auch nie klären konnten, war die Frage, ab wann man eigentlich zur Bourgeoisie gehört. In der Sowjetunion oder im maoistischen China galten schon Bauern mit drei Kühen als Feinde des Sozialismus. Die Kommunisten bekämpften nicht deren nicht vorhandenen Reichtum, sondern deren kleinbürgerliche und bourgeoise Geisteshaltung, so nannte man das damals. Das „Verbrechen“ bestand lediglich in der Bemühung um ein selbstbestimmtes Leben.

Was ist mit dem Mindestlohn? Die Unternehmerin Sina Trinkwalder und Bundesarbeitsminister Hubertus Heil (SPD).

So platzte Bundesarbeitsminister Hubertus Heil (SPD) verständlicherweise irgendwann der Kragen. Das sei „die Lafontaine-Show hier“ und habe „mit der Realität nichts zu tun“. Zwar hatte er vorher noch Kevin Kühnert mit dem Hinweis in Schutz genommen, auch er sei einmal Juso gewesen, habe aber mittlerweile dazugelernt. Nur musste er nach Lafontaines Einführung in die Grundlagen der politischen Ökonomie den politischen Flurschaden betrachten, den diese Debatte über die Überwindung kapitalistischer Produktionsverhältnisse angerichtet hat.

Die Sozialdemokraten bemühen sich seit dem Ende der rot-grünen Koalition im Jahr 2005 um die Neuregulierung einer Wirtschafts- und Sozialpolitik, die seit dem Ende des Kalten Krieges von der Dominanz einer reinen Marktlogik bestimmt war. Zu dieser Politik gehörte die Einführung des Mindestlohns in der letzten Legislaturperiode genauso, wie die einer Grundrente in der gegenwärtigen Koalition. Das entspricht der klassischen sozialdemokratischen Politik einer kontinuierlichen Verbesserung der Lebensbedingungen der Mehrheit der Bevölkerung. Das ist nicht so einfach durchzusetzen, wie der jahrelange Kampf um den Mindestlohn gezeigt hat. Frank Plasberg erinnerte an die Horrorszenarien, die konservative und liberale Politiker und Ökonomen an die Wand gemalt hatten. Er bekam auf entsprechende Nachfragen an Lambsdorff über die damalige Position der Freien Demokraten auch keine Antwort.

„Am Kern der Frage vorbei“

Heil beschrieb die Probleme einer Gesellschaft, die sich durch gespaltene Arbeitsmärkte auszeichnet. Neoromantiker hätten sich kein schlechteres Beispiel als BMW aussuchen können. Deren Stammbelegschaft hat ein Einkommen, von dem etwa Journalisten häufig nur träumen können. Bei BMW ist die Teilhabe am erwirtschafteten Sozialprodukt gewährleistet, trotz der Lafontainschen Schelte leistungsloser Einkommen der beiden wichtigsten Eigentümer. Anders sieht es in vielen Dienstleistungssektoren mit geringer Produktivität aus. Oder in Unternehmen, wie der Textilfirma „manomama“ von Sina Trinkwalder.

Weitere Themen

Die Erde klein am Horizont

50 Jahre Mondlandung : Die Erde klein am Horizont

War die erste Mondlandung wirklich ein großer Sprung für die Menschheit? Zumindest lehrte sie uns Menschen mindestens so viel über uns wie über den Erdtrabanten selbst.

Film wurde Krieg

Final Cut von „Apocalypse Now“ : Film wurde Krieg

Vierzig Jahre nach der Premiere hat Francis Ford Coppola sich seinen Vietnam-Film „Apocalypse Now“ noch einmal vorgenommen und einen Final Cut erstellt. Hat es sich gelohnt?

Topmeldungen

Neue Raumfahrtbegeisterung : Und jetzt der Mars?

Fünfzig Jahre nach der ersten Mondlandung herrscht neue Raumfahrtbegeisterung. Zuletzt ging es vor allem um Pragmatismus und Risikominimierung – das ändert sich nun dank des privaten Raumfahrtsektors.
Grenzsituation: Im Coworking-Center „BLOK-O“ in Frankfurt/Oder zielt man auch auf Nutzer aus dem benachbarten Polen.

Coworking : Freie Sicht und schnelles Internet

Arbeitsplätze fürs Coworking sprießen seit einiger Zeit auch wieder abseits der Metropolen aus dem Boden. Bringen die stadtmüden Hipster wieder Leben in die Provinz?

Newsletter

Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.