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TV-Kritik „Hart aber fair“ : Dänische Träume, bemerkenswerte Argumentationsnot

  • -Aktualisiert am

Moderator Plasberg lauscht bei „Hart aber fair“ den Ausführungen des AOK-Vorstandschefs Litsch (r.) Bild: WDR

Hat Deutschland zu viele Krankenhäuser? Diese Frage stellt Frank Plasberg in seiner Talkshow – und präsentiert Dänemark als Antwort. Hierzulande ist das dortige Modell allerdings nicht möglich. Da sollte sich niemand etwas vormachen.

          6 Min.

          Schon in der vergangenen Woche hatte sich TV-Moderator Frank Plasberg in seiner Talkshow „Hart aber fair“ mit einem sozialpolitischen Thema beschäftigt, das den Zusammenhang zwischen sozialen Status und Lebenserwartung thematisierte. In dieser Woche ging es dagegen um einen Klassiker der deutschen Sozialpolitik: „Haben wir zu viele Krankenhäuser?“ Unter den Stichworten „Kostenexplosion“ und „Überversorgung“ haben sich diverse Bundesregierungen seit Mitte der 1970er Jahre an diesem Thema abgearbeitet. Das blieb nicht ohne Konsequenzen. So gab es im Jahr 1980 allein im früheren Westdeutschland noch 3.234 Krankenhäuser. Bis zum vergangenen Jahr reduzierte sich deren Zahl auf 1.924 – allerdings im vereinigten Deutschland.

          Insofern hätte Gerald Gaß als Vertreter der „Deutschen Krankenhausgesellschaft“ einen Grund gehabt, sich über den Zerfall seiner Mitgliederbasis zu beklagen. Darüber hätte er sich mit Martin Litsch, dem Vorsitzendem des AOK-Bundesverbandes, verständigen können. Denn die Zahl der gesetzlichen Krankenkassen ist von 1980 bis heute von 1.319 auf 109 gesunken. Dort gibt es die gleiche Debatte, wie bei den Krankenhäusern: Warum brauchen wir so viele Krankenkassen, die im Grunde alle vergleichbare Leistungen anbieten?

          Dänen mit Bewusstsein für Qualität

          So diskutierten beide über die Frage, wie das deutsche Krankenhaussystem zu beurteilen ist. Ob unsere Krankenhäuser „zu klein, zu teuer und zu schlecht sind“, wie im Titel der Sendung zu lesen war. Das gibt es nicht in Dänemark. Deshalb hatte Plasberg die Ärztin Katja Kilb Jacobsen eingeladen. Sie arbeitet in einem dänischen Provinzkrankenhaus und berichtete über die Krankenhausreform bei unseren nördlichen Nachbarn. Deren Zahl wurde seit dem Jahr 2007 dramatisch reduziert, wobei es eher überschaubare Proteste gegen die damit verbundenen Krankenhausschließungen gegeben habe. Die Dänen hätten „ein Bewusstsein für Qualität“, sagte Frau Kilb Jacobsen. Wobei sie gleichzeitig auf die im Vergleich zu Deutschland bessere Krankenversorgung und besseren Arbeitsbedingungen für Ärzte hinwies. Das hörte sich gut an.

          Deshalb stellte der gut vorbereitete Moderator seinen Gästen die Frage, warum das in Dänemark im Gegensatz zu Deutschland funktioniert. Hier gab es keine überzeugende Antworten, die über das obligatorische Gemurmel namens deutscher Föderalismus hinausgingen. Selbst der Gesundheitsökonom Reinhard Busse wusste sich das Phänomen nicht so recht zu erklären, obwohl seine Überlegungen dem dänischen Modell entsprechen. Busse will ebenfalls die Zahl unserer Krankenhäuser auf wenige hundert Großkliniken reduzieren, um dort die Qualitätsanforderungen an ein zeitgemäßes Gesundheitssystem zu erfüllen. Was damit gemeint ist, lässt sich mit dem Begriff Spezialisierung zusammenfassen: Je öfter Ärzte komplexe Operationen und Behandlungen durchführen, um so besser sind die Behandlungsergebnisse. In kleinen Krankenhäusern sei diese Voraussetzung nicht zu erfüllen, so die These von Busse.

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