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TV-Kritik Hart aber fair : Die Nato wird wohl nicht aufgelöst

  • -Aktualisiert am

Frank Plasberg wollte anhand von Leitfragen die Unterschiede zwischen den Parteien deutlich machen. Bild: WDR/Thomas Ernst

Frank Plasberg hat sich kurz vor der Wahl etwas Besonderes ausgedacht. Mit Leitfragen will er die Unterschiede zwischen den Parteien deutlich machen. Doch am Ende entgleitet es ins Aberwitzige.

          6 Min.

          Nur noch wenige Tage bis zur Wahl – und alles scheint noch offen. Sowohl wer die Wahl gewinnt als auch welche Koalitionen möglich werden (müssen). Frank Plasberg will denn am Montagabend für Klarheit sorgen und hat zu „Hart aber fair“ die Fraktionsspitzen der Bundestagsparteien eingeladen: Ralph Brinkhaus (CDU), Rolf Mützenich (SPD), Katrin Göring-Eckhardt (B‘90/Grüne), Christian Lindner (FDP), Alice Weidel (AfD) und Amira Mohamed Ali (Die Linke).

          Die Sendung wird als der letzte Kampf um die Gunst der Wähler angepriesen, weshalb Plasberg besonders geordnet vorgehen will. Anhand von fünf Leitfragen bzw. –themen sollen die inhaltlichen Unterschiede der Parteien deutlich werden. Diskutiert werden soll so einiges: Der Zusammenhalt der Gesellschaft, die K-Frage und die Rolle Deutschlands in der Welt.

          Gleich vorweg: Es ist ein guter Ansatz, allen Anwesenden mehr oder weniger ähnliche Fragen zu stellen, um so kurz vor der Wahl eine inhaltliche Vergleichbarkeit zwischen den Parteien herzustellen. Welchen Erkenntnisgewinn sich Frank Plasberg von der sogenannten K-Frage „Wem vertrauen die Menschen am meisten?“ erhofft, bleibt allerdings ein gut gehütetes Geheimnis. Oder denkt er wirklich, der Sozialdemokrat Rolf Mützenich könnte als Antwort Armin Laschet von der CDU nennen?

          Überraschung! Auch heute Abend keine Antwort

          Auch die Frage nach möglichen Koalitionen wirkt so alt wie einfallslos. Hierzu ist im Grund alles und nichts gesagt, nur die Frage nach einer Linkskoalition ist offen. Doch für diesen einen Punkt bedarf es nun wirklich nicht einer von fünf Fragerunden, ist die Antwort darauf doch im Grunde auch schon hinlänglich bekannt: nämlich keine. Weder SPD noch Grüne wollen sich festlegen – und welch Überraschung: auch an diesem Abend bei Frank Plasberg nicht. Sinnvoller erscheint es da, sich einer solchen Frage inhaltlich zu nähern, um anhand von gezielten Sachfragen zu erkennen, ob aufgrund der fundamental unterschiedlichen Positionen eine Koalition überhaupt möglich sein kann.

          Bei der ersten Frage des Abends geht es dann um die ersten 100 Tage nach der Wahl: Was kann der Wähler als erstes erwarten? Es wird eine recht kurze Eröffnungsrunde werden. Zum Glück, denn sie wird wenig Neues hervorbringen. Alle Anwesenden – oder wie Herr Lindner auch die Zuspätgekommenen – bedienen das ihnen jeweils nahestehende Klientel. Alice Weidel wendet sich gegen den Staat, die derzeitige Regierung und die aktuelle Lage. Das anfängliche Zögern der anderen Gäste nutzend fordert sie entschlossen die Wiederherstellung der Grundrechte. Die Corona-Maßnahmen seien völlig überzogen und ohnehin allesamt rechtswidrig; eine Spaltung der Gesellschaft in Geimpfte und Ungeimpfte müsse ein Ende haben.

          Katrin Göring-Eckhardt von den Grünen will die Klimakrise stoppen, da Deutschland als starkes Land ein Vorbildcharakter zukomme. Christian Lindner von der FDP legt den Fokus auf die wirtschaftliche Entwicklung. Damit Deutschland schneller aus der Corona-Krise herauskommt, wolle er ein Super-Abschreibungsprogramm auflegen. So sollen Investitionen in sämtliche anderen Bereiche ermöglicht werden – vom Klimaschutz bis zu Sozialem. Auch die SPD bleibt ihrem Profi treu: Der Sozialdemokrat Rolf Mützenich will einen 12-Euro-Mindestlohn und neue Sozialwohnungen.

          Spritzig mit wohl verteilten Spitzen

          Frank Plasberg wirkt zu Beginn der Sendung sehr konzentriert, spritzig und aufmerksam. Seine wohl verteilten Spitzen bekommt zunächst Ralph Brinkhaus von der CDU zu spüren: Was das 100-Tage-Programm von Armin Laschet solle, wenn die CDU doch mit Angela Merkel schon seit 5782 Tagen regiere, will er wissen. Brinkhaus proklamiert daraufhin einen Wechsel samt neuem Personal. Man wolle vor allem die Menschen „machen lassen“ und „Geschwindigkeit reinbringen“ ins Land.

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