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TV-Kritik „Hart aber fair“ : Wer darf auf den Platz — Fußballprofis oder Kinder?

  • -Aktualisiert am

Die Runde bei Frank Plasberg Bild: WDR/Dirk Borm

Einige Geschäfte öffnen wieder, Kitas und Schulen bleiben jedoch geschlossen. Bei „Hart aber fair“ geht es um die Folgen einer Dauer-Quarantäne. Nach der Sendung muss man sich weniger Sorgen um Eltern am Limit als vielmehr um das Saarland machen.

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          Bundeskanzlerin Angela Merkel soll verärgert sein über „Öffnungsdiskussionsorgien“, die derzeit in Deutschland stattfänden. Ihren Unmut habe die Kanzlerin am Morgen im CDU-Präsidium kundgetan. Am Abend wartet Frank Plasberg genau damit auf und fragt: Wie schädlich wird die Dauer-Quarantäne? Geschäfte schon auf, Kitas und Schulen aber weiterhin zu – ist das alles noch logisch?

          Tobias Hans ist zwar erst 42 Jahre alt, aber nichtssagende sprachliche Versatzstücke vieler Politiker hat der junge Ministerpräsident des Saarlandes bereits bestens verinnerlicht. Da beginnt eine vermeintlich explosive Sendung leider mit inhaltslosen Ausführungen wie: Das genaue Wort, das Angela Merkel verwendet hat, ist mir gar nicht mehr geläufig. Oder: Erstmal ist es gut, dass Ministerpräsidenten untereinander reden, da kommen meistens dann auch gute Dinge dabei rüber. All das garniert mit einem süffisanten Lächeln. Unglaublich, wie Zeit und Luft vergeudet werden können.

          Wiederaufnahme der Bundesliga

          Gut, oder eher nicht gut, denn danach wird es zunächst nicht viel besser, denn Frank Plasberg lässt erst einmal über die Wiederaufnahme der Bundesligasaison diskutieren und zitiert dabei den bayrischen Ministerpräsidenten Markus Söder, wonach ein Wochenende mit Bundesliga besser sei als ein Wochenende ohne Fußball. Grandios! Wie gut muss es Deutschland gehen, wenn dies das drängendste Problem in Zeiten einer Pandemie ist.

          Ulrich Schneider, Hauptgeschäftsführer des Paritätischen Gesamtverbands, weist denn auch zurecht darauf hin, welche Signalwirkung von einer solchen Wiederaufnahmeentscheidung ausgehen würde: Es sei schlicht nicht zu vermitteln, dass Profis mit Millionengehältern spielen dürften, während man es kleinen Kindern verbietet, auf den nahegelegenen Spielplatz zu gehen. Als dann auch noch der SPD-Politiker Karl Lauterbach als Epidemiologe darauf hinweist, dass dies nur möglich wäre, wenn die Fußballer vor und nach dem Spiel auf das Corona-Virus getestet würden, muss dem Letzten klargeworden sein, dass sich die Sendung zu Beginn in ein weit entferntes Wolkenschloss verirrt hat. Denn: In Deutschland gibt es derzeit schlicht nicht genügend Tests, um die Verdachtsfälle beim gemeinen Durchschnittsbürger zu überprüfen. Wenigstens das wird nach vielen Wochen Corona-Krise endlich offen zugegeben.

          Nerven liegen blank im Homeoffice mit Kindern

          Doch der Rundgang im Wolkenkuckucksheim findet ein jähes Ende als Barbara Vorsamer zu Wort kommt. Sie wirft die Runde aus den millionenteuren Fußballstadien und holt sie in den Alltag einer deutschen Familie in Corona-Zeiten. Denn die Journalistin der „Süddeutschen Zeitung“ arbeitet seit Wochen von zu Hause, wie auch ihr Mann. Ebenfalls zu Hause sind die 5 und 9 Jahre alten Kinder. Das funktioniere schlicht nicht, gibt Vorsamer zu bedenken. Doch den Experten der Leopoldina-Universität, die vergangene Woche 17 Seiten voller Empfehlungen für die Bundesregierung ausgearbeitet haben, sei zu den geschlossenen Kitas in Deutschland lediglich ein Satz eingefallen. Ein Satz, der sinngemäß besagt: Im Homeoffice mit flexiblen Arbeitszeiten wird das schon klappen.

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