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TV-Kritik „Hart aber fair“ : Die lächerlichen Argumente des Frank Plasberg

  • -Aktualisiert am

Frank Plasberg wartet in seiner Sendung zum vermeintlichen Brexit mit überaus lächerlichen Beispielen auf. Bild: © WDR/Oliver Ziebe

Großbritannien droht ein harter Brexit ohne Deal. Doch Frank Plasberg führt eine Phantomdiskussion – mit dem Ziel, die Europäische Union madig zu machen. Das geht gewaltig schief.

          Ob die Briten Ende März tatsächlich weg sein werden, ist nicht ausgemacht. Der Thementitel von Frank Plasbergs aktueller Sendung „Die Briten weg, wir noch da“ ist denn auch fiktiv. Man ignoriert, erstaunlich für ein aktuelles Format, wie umsichtig die britischen Abgeordneten parteiübergreifend seit Mitte Januar dabei sind, Kompromisse auszuloten, die das Schlimmste verhindern sollen: einen harten Brexit ohne Deal.

          Der Economist schreibt heute, dass die Kontrolle über den Prozess der Premierministerin entglitten sei und das Heft des Handelns nun bei den Abgeordneten liege. Die wirtschaftliche Lage im Vereinigten Königreich und das knapp ausgegangene Brexit-Votum verdanken sich im übrigen hausgemachten Problemen und gewiss nicht der EU.

          Wie ein rhetorischer Hütchenspieler malt Plasberg zu Beginn seiner Sendung eine Reihe von Fragen aus, auf die seine Runde allerdings Antworten schuldig bleibt, nur um am Ende den schlecht begründeten Eindruck zu erzeugen, was die EU für ein furchtbarer bürokratischer Moloch sei. Der Ökonom Daniel Stelter findet, der Karren der EU stecke rettungslos tief im Dreck. Es bedürfe eines radikalen Kurswechsels, aber niemand sei dazu bereit. NRW-Ministerpräsident Armin Laschet hält dagegen: Schwarzmalerei helfe niemandem. Die EU sei ein Hort der Stabilität. Lutz Trümper, Oberbürgermeister von Magdeburg, kritisiert, die Freizügigkeit für Arbeitnehmer sei nicht dazu gedacht, Sozialleistungen in anderen Ländern zu beziehen, was auch immer das mit dem Brexit zu tun hat. Die Vizepräsidentin des Europäischen Parlaments findet die Personenfreizügigkeit ein Herzstück der Union. Die Menschen können wohnen und arbeiten, wo sie wollen. Rolf-Dieter Krause, langjähriger ARD-Korrespondent in Brüssel, räumt ein, die EU sei angeschlagen, weil manche Mitglieder Eigentore schießen.

          Das ist die Ausgangslage. Auf sie folgt ein Einspieler, der – noch fiktiv – an der Grenze zwischen Nordirland und der Republik Irland zeigt, was los wäre, wenn dort wieder eine harte Grenze verläuft. Die Redaktion von „Hart aber fair“ hielt es für vermeidbaren Aufwand, aus dem Fundus der ARD Archivaufnahmen zu holen, die das Drama des blutigen Bürgerkriegs gezeigt hätten, der bis zum Karfreitagsabkommen das gesamte Vereinigte Königreich erschüttert hat. Um eine Neuauflage dieses Dramas zu vermeiden, ist in dem Vertragsentwurf der Europäischen Union mit Großbritannien vorgesehen, dass durch den sogenannten Backstop eine harte Grenze zwischen Ulster und der Republik Irland bis auf Weiteres vermieden wird.

          Versäumnisse des Brexit-Referendums

          Es gehört zu den unerfreulichen Begleiterscheinungen des Brexit-Referendums, dass man diese Frage so gut wie gar nicht angesprochen hat. Der Kanal zwischen Calais und Dover würde nach vollzogenem Austritt zu einer Zollgrenze. Das wäre kein Thema, wenn es gleich hohe Zölle auf beiden Seiten der Grenze gäbe. Krause bleibt bei seiner Fußball-Sprache und beschreibt den Eigensinn der Briten mit dem Bild, dass sie mit der EU auf dem gleichen Acker Fußball spielen wollen, nur dürfe bei ihnen die Abseitsregel nicht gelten.

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