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TV-Kritik „Hart aber fair“ : Die lächerlichen Argumente des Frank Plasberg

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Welcher semantischer Teufel reitet den Gastgeber, die deutsch-französische Freundschaft „eine charmante Achse“ zu nennen? Verleitet ihn dazu das romantische Tête-à-Tête-Foto Macrons und Merkels oder dient ihm sein historisch schiefes Bild nur als Kontrapunkt für den schlechten Joker in der Hinterhand, dass bald Madame Le Pen das Sagen haben könnte? Ist da sogar Häme herauszuhören? An Kenntnissen der französischen Innenpolitik kann es nicht liegen. Der Aachener Vertrag ist in einer Zeit, in der wichtige internationale Akteure nur noch auf unilaterales Handeln setzen, ein Zeichen beherzten Handelns. Dass Donald Tusk vor Alleingängen warnt, gehört zu den europäischen Protokollnotizen.

Rolf-Dieter Krause beklagt eine Verluderung der europäischen Sitten. In manchen Fragen verhinderten Mitgliedsländer, gegen die Vertragsverletzungsverfahren laufen, chinakritische Entscheidungen. Etwas zynisch zeigt sich Krause gespannt auf den Zuschnitt künftiger Handelsbeziehungen zwischen China und Großbritannien. Wer wird da mit wem wackeln? Die Gewichte werden neu verteilt. Die Wahlen zum Europäischen Parlament seien die wichtigsten sei 40 Jahren. Wenn das Wahlergebnis das Zustandekommen einer handlungsfähigen Kommission verhindere, werde es schwierig. Die politischen Parteien, die Europa zerstören wollen, verfügten über erstaunlich gute Beziehungen zu russischen Freunden. Der Verlust Großbritanniens als Mitspieler könne schmerzlich spürbar werden.

Kummerkasten-Mephisto

Der nächste schwelende Joker verdichtet den Eindruck, dass Gastgeber Plasberg an diesem Abend den Kummerkasten-Mephisto für die Erregung von Sozialneid gibt. Es geht um Zahlungen von Kindergeld an Kinder, die nicht in Deutschland leben. Was das mit der Europäischen Union zu tun hat? Gar nichts. Sie beruht auf deutschem Recht. Wer versuchen wollte, die Zahlungen variabel in Abhängigkeit zu den jeweiligen Preisniveaus von 27 Ländern gestalten zu wollen, darf gerne auch die Frage beantworten, welcher bürokratischer Aufwand dazu notwendig wäre. Den OB von Magdeburg interessiert das nicht. Kindergeld zahle der Bund. Er beklagt gewerbsmäßige Scheinanmeldungen. In Duisburg hat eine Dezernentin eine patente Lösung dagegen gefunden, indem sie den Brandschutz in Schrotthäusern prüfen ließ und sie für unbewohnbar erklärte.

Als Rausschmeißer setzt Plasberg am Ende auf den Ärger über Ergebnisse europaweiter Ausschreibungen deutscher Kommunen. Wer sich daran erinnert, wie Bauskandale mancher deutscher Städte früher ausgekungelt wurden, kann sich über die höhere Transparenz nur freuen. Wenn Kommunalverwaltungen nicht in der Lage sind, die Rahmenbedingungen ihrer Projekte präzise zu definieren, brauchen sie sich auch nicht über bedrückende Ergebnisse aufzuregen.

Die Beispiele, die Plasberg anführt, sind lächerlich. Sie als Vorwand dafür zu nutzen, Stimmung gegen die Europäische Union zu machen, wirft die Frage auf, welche Rolle Frank Plasberg mit seiner Talkshow tatsächlich spielen will.

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