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TV-Kritik: Hart aber fair : Das Schweigen der Männer

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Gerade die sogenannten „Caroline-Urteile“ hatten die Persönlichkeitsrechte von Prominenten gegenüber falscher oder irreführende Berichterstattung in den Medien gestärkt. Und Wedel war auch keineswegs das Opfer anonymer Beschuldigungen im Netz, die etablierte Medien wie die „Zeit“ ungeprüft weiterverbreiteten. Der „Digitale Panger“ hat zwar Selbstverstärkungseffekte ausgelöst, ist aber in diesem Fall gerade nicht zum Auslöser der Debatte geworden. Zudem ist selbst eine sogenannte Verdachtsberichterstattung schon längst kein Freibrief für Medien mehr, um mit haltlosen Spekulationen Auflage zu machen. Die Gerichte haben dieser früheren Praxis durchaus wirksame Grenzen gezogen. Die kann auch ein Dieter Wedel nutzen, wenn er es für sinnvoll halten sollte.

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Dieser Fall hatte nicht zuletzt deshalb diese Wendung genommen, weil im Archiv des Saarländischen Rundfunks Aktenbestände gefunden wurden, die den sexuellen Missbrauch von unabhängiger Quelle bestätigten. Es fanden sich nicht nur Zeugenaussagen der betroffenen Schauspielerinnen und des beschuldigten Regisseurs, sondern auch medizinische Gutachten über die Folgen der Wedel vorgeworfenen Sachverhalte. So bemühte sich Thomas Kleist als der heutige Intendant des Senders um jene Klarstellung, die vor allem seinen Sender aus der Schusslinie bringen sollte. Kleist wollte sich nicht „mit einem System gemein machen, wo das möglich gewesen ist.“ Nämlich die Vergewaltigung der Hauptdarstellerin durch den Regisseur in erster Linie als Störung des betrieblichen Ablaufs einer Fernsehproduktion zu bewerten.

Zudem wollte Kleist aber auch nicht den Eindruck erwecken, es lediglich mit einem Versagen der damaligen Intendanz des Senders zu tun zu haben. Obwohl natürlich ein vergleichbarer Umgang mit einem solchen Fall unter heutigen Bedingungen kaum denkbar ist. So demonstrierte Kleist sein Problembewusstsein, als er auf das Training mit den Führungskräften in seinem Haus zum „Feedback-Problem“ hinwies. Wahrscheinlich hatte aber die TV-Moderatorin Lisa Ortgies die bessere Lösung für männlich dominierte Führungskulturen. Mit genügend Frauen in Führungsfunktionen ändert sich tatsächlich das Betriebsklima. Auf die Idee, Vergewaltigungen als Störung betrieblicher Abläufe zu definieren, werden Frauen nicht so schnell kommen.

Das Leiden der Männer an sich selbst

So gibt es vor allem zwei Möglichkeiten, um Frauen vor dem Machtrmissbrauch in männlich geprägten Strukturen zu schützen. Zum einen sind das jene institutionelle Absicherungen, die Frau Frommel erwähnte. Diese bewährten sich auch schon in anderen gesellschaftlichen Zusammenhängen. Zum anderen Frauen in Führungsfunktionen, worauf nicht nur Frau Ortgies hinwies. Unter dieser Voraussetzung wäre es dann auch nicht mehr unbedingt relevant, ob Männer ihr Kommunikationsverhalten gegenüber Frauen verändern. Diese litten manchmal selber unter ihrem Rollenverständnis, so die Journalistin Emilia Smechowski. Zudem wurde gestern Abend die weitgehende Abwesenheit der Männer in dieser Debatte um das zeitgenössische Geschlechterverhältnis beklagt. Dafür gibt es gute Gründe.

Männer haben halt immer noch den Verdacht, dass Frauen ihre Partnerwahl keineswegs nur an deren Verständnis für die Nöte der Frau in der modernen Gesellschaft bemessen. Physische Attraktivität und sozialer Status helfen durchaus bei der Partnerwahl, so deren nicht unbegründete Vermutung. Ein Mann, der außer seine Sensibilität wenig zu bieten hat, gilt bei vielen Frauen wohl nur in der Theorie als gute Partie. Insofern ist das Kommunikationsverhalten von Frauen keineswegs frei von Widersprüchen. Das ist zwar keine Legitimation für die eingangs geschilderte männliche Borniertheit. Aber es wäre zweifellos von Vorteil, wenn man nicht für jeden Dachschaden eines Mannes gleich das Patriarchat verantwortlich macht. Der Feminismus ist nämlich auch nicht die Begründung für jede Unzulänglichkeit von Frauen.

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