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TV-Kritik „Hart aber fair“ : Selbst der Wetterbericht ist sicherer

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Frank Plasberg versucht mit seinen Gästen (hier Michael Spreng), den Ausgang des CDU-Parteitags vorherzusagen. Bild: © WDR/Oliver Ziebe

Die Wettervorhersage ist wahrscheinlich das Verlässlichste, was über den kommenden Freitag zu sagen ist. Den Ausgang des CDU-Parteitages zu prognostizieren, ist dagegen kaum möglich, wie Frank Plasberg zeigt.

          Für kommenden Freitag sagen die Meteorologen in Deutschland Regen voraus. In Zeiten des Klimawandels gilt zwar schon bisweilen der tägliche Wetterbericht als politisches Statement. Doch sind die Meteorologen mit ihren Wettervorhersagen meist recht genau. Das ist bei den politischen Wetterfröschen anders. Politische Stimmungen lassen sich halt nicht so gut berechnen wie die Entwicklung von Tief- und Hochdruckgebieten bis zum Wochenende.

          Dafür kann man beobachten, wie politische Stimmungen entstehen und was daraus gemacht wird. So machte an diesem Montag Stefan Lamby mit seinen Koautoren im Ersten den Anfang. Er ist mit diversen Dokumentationen längst zum Chronisten der Kanzlerschaft Angela Merkels geworden. Er versuchte die Stimmung einzufangen, die die CDU seit der Rückzugsankündigung der Kanzlerin vom Amt der Parteivorsitzenden bestimmt. Selbstverständlich ließen sich die drei Kandidaten so kurz vor der Entscheidung nicht in die Karten blicken. Dafür gelang Lamby ein historischer Rückblick auf eine Konstellation, die diesen Wahlkampf vor allem über die Rivalität von Friedrich Merz und Angela Merkel definiert hat.

          Frank Plasberg versuchte mit seiner Sendung „Hart aber fair“ daran anzuschließen. Das verhinderte aber schon die Gästeauswahl. Selbstredend haben ein FDP-Parteivorsitzender oder ein SPD-Politiker etwas anderes zu tun, als die politische Konkurrenz für ihre gelungene Werbekampagne der vergangenen Wochen zu loben. Insofern agierten Christian Lindner und Klaus Wowereit wie zu erwarten. Das galt auch für den CDU-Bundestagsabgeordneten Christian von Stetten, der schon seit Jahren als einer der profiliertesten Kritiker der Bundeskanzlerin gilt.

          „Mini-Merkel“ als Ausdruck fehlender Gleichberechtigung

          Immerhin vermittelten die Journalisten Kristina Dunz und Michael Spreng aber einen Eindruck davon, wie politische Stimmungen gemacht werden. Dafür gab es in den vergangenen Wochen interessante Beispiele. So wird der CDU-Generalsekretärin Annegret Kramp-Karrenbauer gerne das Etikett der „Mini-Merkel“ angeheftet. In den Augen von Kristina Dunz ist das ein Verstoß gegen die publizistischen Sitten, nicht zuletzt gegen die Gleichberechtigung der Frau. Männer müssten mit solchen Etikettierungen nicht rechnen. Vielleicht sollte man einmal den SPD-Politiker Martin Schulz fragen, was er sich in seiner kurzen Amtszeit als Parteivorsitzender und Kanzlerkandidat so alles anhören musste. Dagegen ist „Mini-Merkel“ an Harmlosigkeit kaum zu überbieten.

          Lindner fand aber eine originelle Interpretation dieser Charakterisierung. Frauen nicht ernstzunehmen, hält er beruhigenderweise ebenfalls für diskriminierend. Nur sei Annegret Kramp-Karrenbauer gesellschaftspolitisch rechts und wirtschaftspolitisch links, und damit zugleich anschlussfähiger an Grüne und Sozialdemokraten als der wirtschaftsliberale Merz. Womit Lindner das eigentliche Problem trotzdem umschiffte.

          Wer ist eigentlich auf die seltsame Idee gekommen, den Politikstil der Kanzlerin als Ausdruck eines weiblichen Politikverständnisses misszuverstehen? Keine andere Politikerin hätte wahrscheinlich eine vergleichbare Energiepolitik betrieben. Nämlich zuerst die Laufzeiten der Atomkraftwerke zu verlängern, um sie nur wenige Wochen später dramatisch zu verkürzen. Annegret Kramp-Karrenbauer fürchtet mit dem Etikett der „Mini-Merkel“ den Vorwurf des politischen Opportunismus. Das ist ihr politisches Problem und hat mit der Geschlechterfrage rein gar nichts zu tun.

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