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TV-Kritik „Hart aber fair“ : Bettgeflüster mit Donald Trump

  • -Aktualisiert am

Dafür ist nicht zuletzt Trump selbst verantwortlich. Er ist Symptom und Ursache des Verfalls der guten Sitten in der amerikanischen Innenpolitik. Seinen Wahlsieg verdankte er seinen Grenzüberschreitungen, die kein Tabu mehr akzeptierten. Er brachte damit einen Stein ins Rollen, der ihn am Ende sogar selbst zu Fall bringen könnte. Trump müsse dafür allerdings „gegenüber dem Staat oder einem Gericht die Unwahrheit gesagt haben“, wie Hardt deutlich machte.

Wolffsohn bemühte sich trotzdem um eine analytische Einordnung dieses zweifellos außergewöhnlichen Präsidenten. Um dessen moralische Diskreditierung kümmern sich schließlich schon genügend andere Zeitgenossen. Trump sei ein „Anti-Establishment-Präsident“, der nichts so macht, wie man es von Politikern bisher erwartet habe. Dafür ist allerdings nicht seine Sozialisation als Geschäftsmann verantwortlich, wie es Wolffsohn annahm. Vielmehr hat er diese Mentalität des twitternden Straßenrowdys im Umgang mit dem New Yorker Medien gelernt. Eben auf jeden Vorwurf und jede Kritik, ob berechtigt oder nicht spielt keine Rolle, sofort mit einem Gegenangriff zu reagieren. Es geht nicht darum, was er sagt, sondern es überhaupt zu sagen.

Das kann jeden treffen: Russland, einen von ihm entlassenen FBI-Direktor oder einen Schauspieler. Das macht sein Verhalten unberechenbar. Trump habe diese Unberechenbarkeit zu einer politischen Methode gemacht, wie es Wolffsohn formulierte. Sie setzt Verbündete und Gegner in Verwirrung. Damit habe er allerdings auf verschiedenen Politikfeldern eine nicht zu unterschätzende politische Dynamik in Gang gesetzt, so Wolffsohns These. Er nannte den Krieg in Syrien, den Nahostkonflikt oder die Denuklearisierung Nordkoreas. Die paradoxe Wirkung dieser Methode beschrieb Wolffsohn so: Trump „ist der Haifisch an der Spitze der Nation. Ich stelle mit Entsetzen fest, dass sich endlich was bewegt.“

In Wirklichkeit hat der Hausherr im Weißen Haus noch nichts erreicht. Weder den Krieg in Syrien beendet, noch den Nahostkonflikt oder den Atomkonflikt mit Nordkorea. Das wäre aber auch etwas viel verlangt nach lediglich sechzehn Monaten Amtszeit.

Politisch relevanter Medienkonsum

„Der politische Friedhof ist voll mit Leuten, die ihre Gegner unterschätzt haben.“ Diese Mahnung Wolffsohns an die Kritiker Trumps ist verständlich. Haben sie doch die eigentliche Bedrohung dieses Sponti im wichtigsten Amt der Welt noch nicht begriffen. Das Erschreckende an dem eingangs erwähnten Tweet war weniger der Tonfall, sondern seine Entstehungsgeschichte. Trump reagierte auf eine irreführende Meldung von „Fox News“ über eine mögliche russische Reaktion auf einen Militärschlag gegen Syrien. Das ist das eigentlich Irritierende an diesem Präsidenten, sein politisch relevanter Medienkonsum. Im Vergleich dazu ist sein unorthodoxes Mitteilungsbedürfnis noch das geringere Problem.

Und dann wagt man schon gar nicht mehr zu fragen, wie in einer solchen Regierung überhaupt Entscheidungen getroffen werden. Spätere Historiker werden versuchen, das zu rekonstruieren. Deren Erkenntnisse über Kennedy waren durchaus ernüchternd.

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