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TV-Kritik „Hart aber fair“ : Bettgeflüster mit Donald Trump

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„Das ist unser Problem. Geh da rein und mach die Raketen platt, und Du bist am Arsch. … . Wir sind am Arsch, am Arsch, am Arsch, am Arsch. Warum kann er nicht sagen, dass wir diesen Hundesohn erledigen, und zwar richtig, und aufhören herumzusülzen. Das war es, worauf ich hinauswollte. Nicht rumsülzen, sondern eine Rakete ausschalten.“ Das ist kein Tweet von Donald Trump, sondern formulierte ein anderer General des Marine Corps, David Shoup, während der Kubakrise 1962 im Weißen Haus. Der Hundesohn war übrigens Fidel Castro. Damals gab es noch kein Twitter, sondern nur die Tonbänder John F. Kennedys.

Dieser ließ solche Gespräche im Weißen Haus heimlich aufzeichnen. Der Präsident selbst hatte bestimmt auch nicht nur höfliche Formulierungen zur Verfügung, etwa für den damaligen FBI-Direktor Herbert Hoover. Das Zitat stammt aus einer recht subjektiven Zusammenstellung dieser Aufnahmen von der „John F. Kennedy Library“, herausgegeben von Kennedys Tochter Caroline.

Es soll illustrieren, was der Münchner Historiker Michael Wolffsohn zu vermitteln versuchte. Nicht alles an diesem „grässlichen Mann“ (Wolffsohn) als einzigartig zu betrachten. So ist es fast absurd zu nennen, wenn Roth den Sprachgebrauch Trumps wie eine aufgeregte Gouvernante aus dem Haushalt des bekanntlich besonders sittenstrengen Facebook-Gründers Mark Zuckerberg kritisierte. Ironischerweise machte Plasberg mit einem Einspieler deutlich, was sich der Präsident dagegen so alles im Fernsehen anhören muss. Etwa die Aussagen des „Pornosternchens“ (Plasberg) Stephanie Clifford über ihre Verrichtung des Geschlechtsaktes mit Trump als geschäftliche Transaktion. So verwildert in den Vereinigten Staaten die von Roth so hoch gehaltene Ethik. Oder kann sich jemand vorstellen, eine der von Wolffsohn erwähnten Geliebten Kennedys hätte so bereitwillig über den Geschlechtsverkehr mit einem Präsidenten Auskunft gegeben hätte, wie es Frau Clifford so lustvoll praktizierte? Das Abhören solchen Bettgeflüsters blieb damals noch besagtem Hoover überlassen, der als FBI-Direktor wirklich fast jeden in Washington abhören ließ.

Unberechenbarkeit als politische Methode

Wolffsohn wies zudem auf die schon immer stattgefundenen Machtkämpfe im amerikanischen System der „checks and balances“ hin. Der Umgang mit Trump macht da keine Ausnahme. Nur sei die amerikanische Gesellschaft derzeit so gespalten wie wohl noch nie in ihrer Geschichte, so Melinda Crane. Die Chef-Korrespondentin im englischen Programm von Deutsche Welle-TV sprach vom „Unterminieren der amerikanischen Institutionen“ durch Trump. Auf die Idee, den Umgang mit Trump ebenfalls als Beitrag zu dieser Unterminierung zu bewerten, kam sie allerdings nicht.

Obwohl sie sich beim Einspieler mit dem „Pornosternchen“ sogar an die Lewinsky-Affäre Bill Clintons erinnert fühlte. Damals hatten die Republikaner kein Mittel gescheut, um mit Clinton auch die Institution des Präsidenten in den Dreck zu ziehen. Sie scheiterten zwar, setzten aber offenbar Maßstäbe, an denen sich heute sogar amerikanische Linksliberale orientieren. Es gibt nämlich kaum noch jemanden, der jenseits der polarisierten Lager die Einlassungen von Frau Clifford als das bewertet, was sie sind: an Geschmacklosigkeit nicht zu überbieten.

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