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TV-Kritik: „Hart aber fair“ : Im Abseits

  • -Aktualisiert am

Frank Plasbergs Diskussionsrunde zum Thema „Fremde gegen Deutsche, Arme gegen Arme“. Bild: WDR/Oliver Ziebe

Die Tafel in Essen nimmt bis auf weiteres nur Deutsche als neue Kunden an, bürgerschaftliches Engagement sieht sich durch politische Entscheidungen überfordert. Und wie passt Armut in Deutschland ins System?

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          Sieht sich die menschliche Vernunft durch Fragen belästigt, die sie nicht abweisen kann, neigt sie zu polemischen Ersatzhandlungen. Selbstgerecht sich über das Elend der Bedürftigen zu erheben und ihre Helfer zu verunglimpfen, wirkt als Eingeständnis, über keine eigene Antwort auf das Elend zu verfügen. Das ist die Ausgangslage der Diskussion bei „Hart aber fair“.

          Ist die Entscheidung der Tafel in Essen ein fremdenfeindliches Signal? Werden Arme gegen Arme ausgespielt? Tatsächlich treffen da zwei Welten aufeinander: die verwaltete Welt des Sozialstaats und die Praxis zivilgesellschaftlichen Engagements. Die Praxis der einen Welt beruht auf Regeln, die der anderen auf Einblick in unverschuldete Notlagen.

          Manfred Baasner von der Tafel in Wattenscheid versteht die Probleme seiner Kollegen in Essen. Weitsichtig haben er und seine Leute in Wattenscheid etwas dafür getan, Konflikte unter Hilfebedürftigen zu vermeiden. Was brauchen sie, was können sie, wie lässt sich das eine mit dem anderen verbinden? So entstanden neue Angebote, die Arbeiten und Lernen unter einem Dach zusammenbrachten. Die Älteren haben Vorrang, sie stehen ja auch meistens früher auf. Er kann heute an Erfahrungen anknüpfen, die seine Tafel vor fast zwanzig Jahren mit Aussiedlern aus Russland gemacht hat.

          Keine Erklärung für Bedürftigkeit

          Stephan Mayer, demnächst Parlamentarischer Staatssekretär im Innenministerium, war bisher innenpolitischer Sprecher der Unionsfraktion. Die Kritik an der Entscheidung in Essen findet er abwegig. Er kann nicht erklären, warum es in einem so starken Sozialstaat Bedürftige gibt, die nur dank privater Hilfe halbwegs über die Runden kommen. Sein Stolz über die frisch vereinbarte Mütterrente bleibt abstrakt. Wer weiß schon, was „ein dritter Rentenpunkt“ für die eigenen Rentenansprüche bedeutet?

          Katja Kipping, Parteivorsitzende der Linken, bewertet die Entscheidung der Essener Tafel als Weckruf für ihre Forderung nach einem starken Sozialpakt. Das ist etwas zu plakativ. Dass es in Deutschland fast tausend Tafeln gibt, bewertet sie als Beleg für grassierende Armut. Michael Hüther vom Institut der deutschen Wirtschaft findet Verteilungskonflikte infolge von Zuwanderung zwangsläufig. Das seien Folgen eines politischen Kontrollverlustes.

          Rutschbahn ins Abseits

          Der Berliner Musiker Frank Zander engagiert sich seit vielen Jahren für Obdachlose. Beim letzten Weihnachtsessen organisierte er Gänsebraten für 3000 Hilfsbedürftige. Anschaulich beschreibt er, wie gegenüber vom Bahnhof Zoo in Berlin die nächste große Shoppingmall entsteht, während auf der anderen Straßenseite die Penner unter der Brücke schlafen. Er macht glaubhaft, dass es auch in einem starken Sozialstaat eine Rutschbahn ins gesellschaftliche Abseits gibt. Ihm gefällt nicht, wie die Essener Probleme hochgekocht worden sind. Einige Statements bezeugten erstaunliche Selbstgerechtigkeit.

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