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TV-Kritik: „Gottschalk liest?“ : Prominenz statt Kompetenz

Thomas Gottschalk versucht sich an einer neuen Literatursendung im Bayerischen Rundfunk. Bild: BR/Philipp Kimmelzwinger

Die erste Ausgabe von „Gottschalk liest?“ ist ein Desaster für den Fernsehstar. Kritische Bemerkungen sind im Konzept der Sendung nicht vorgesehen, doch sowohl Publikum als auch Gäste verweigern den von Gottschalk angestrebten witzigen Grundton.

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          Wer schafft es heute noch, Literatur zu nicht nachtschlafender Sendezeit ins Fernsehen zu bringen? Thomas Gottschalk. Die Prominenz macht’s, nicht die Kompetenz. Der Bayerische Rundfunk hat, wenn auch nur vierteljährlich, in seinem Fernsehprogramm eine dienstägliche 22-Uhr-Schiene für des Entertainers neue Leidenschaft freigeräumt: das Lesen. Wobei denn doch vor allem gesprochen wird in „Gottschalk liest?“, denn während der Dreiviertelstunde Sendezeit sind gleich vier Buchautoren zu Gast, die nach und nach die graue Polstergarnitur vor einer Art Caligari-Kulisse besetzen und von Gottschalk für ihre neuen Publikationen erst gelobt und dann dazu befragt werden. Kritische Bemerkungen sind im Konzept der Sendung ersichtlich nicht vorgesehen – und dennoch gab es sie zum Auftakt reichlich.

          Andreas Platthaus

          Verantwortlicher Redakteur für Literatur und literarisches Leben.

          Nicht aus dem Munde des Moderators, obwohl Gottschalk immerhin im Falle von Vea Kaisers Roman „Rückwärtswalzer“ die Bemerkung riskierte, er hätte einen im Buch Verstorbenen lieber schon etwas früher tot gesehen, um sich nicht erst durch eine lange Familiengeschichte durchbeißen zu müssen. Ja, 430 Seiten Handlung sind schon ein Brocken. Da hatten Sarah Kuttner mit ihrem Roman „Kurt“ (240 Seiten) und Ferdinand von Schirach mit seiner Textsammlung „Kaffee und Zigaretten“ (190) mundgerechtere Portionierungen zu bieten, und Daniel Biskups „Wendejahre“ umfasst zwar 360 Seiten, ist aber ein Fotoband.

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