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TV-Kritik „Dunja Hayali“ : Warum nur gibt es diese Sendung?

  • -Aktualisiert am

Bei Dunja Hayali (hier mit Thomas de Maizière, Leander Haußmann und Valerie Schönian) dreht sich am 3. Oktober alles um die deutsche Einheit. Bild: © ZDF/ Jule Roehr

Der Zufall will es, dass in diesem Jahr Dunja Hayalis Show auf den dritten Oktober fällt. Entsprechend dreht sich alles um das Thema deutsche Einheit. Doch am Ende stellt sich eine ganz andere Frage.

          Die kurze Antwort meldet Zweifel an. Die lange ist kompliziert. Das liegt daran, dass jeder Versuch, einen Gedanken zu artikulieren, der irgendwie kompliziert zu werden droht, zu einer Blutgrätsche der Moderatorin führt und zu angespannten Backenmuskeln bei Thomas de Maizière, der es kaum aushält, dem Regisseur Leander Haußmann zuzuhören. Dabei hat dessen Blick für Komik und Symbole wunderbare Filme ermöglicht, die Zwischentöne hörbar machten, für die der beamteten Politik das Gehör fehlt.

          Das Problem der Sendung von Dunja Hayali an diesem Mittwoch liegt in einer semantischen Unwucht, mit welcher der Jahrestag über Gebühr strapaziert wird. Es wäre ein groteskes Missverständnis, die staatliche Einheit Deutschlands mit einer Begrifflichkeit aufzuladen, die dem Eherecht entlehnt ist und den leibhaftigen Vollzug der Ehe beschreibt.

          So wird politischer Wettbewerb (um nicht das Wort Streit zu gebrauchen), noch ehe auch nur eine strittige These geäußert wird, unter Verdacht gestellt, der Einigkeit abträglich zu sein. Schlimmer geht es nimmer.

          Aneinandervorbeireden als Betriebsnudelgeheimnis

          In der Geschichte der Sozialwissenschaften gilt als Fortschritt, komplizierte Sachverhalte methodisch aufzugliedern und messbar zu machen. Die Frage zu stellen, „wie vereinigt wir sind“, ist dazu kaum geeignet und öffnet die Arena des TV-Studios für ein Aneinandervorbeireden auf vermeidbar niedrigem Niveau.

          Den Auftakt macht ein Einspieler, der die Gastgeberin zur Familie der Zeit-Redakteurin Valerie Schönian in Magdeburg führt. Dort ist Frau Schönian im Jahr 1990 geboren worden, was die Annahme nahelegt, dass die DDR-Geschichte ihr nur auf Umwegen vertraut geworden ist, keine schlechte Voraussetzung für ein journalistisches Talent. Nur bleibt unklar, warum die von ihr gesammelten disparaten Geschichten zu einer Ossifizierung beigetragen haben. Ihre Eltern wundern sich über den nachgeholten Oststolz ihrer Tochter. Ist er die Antwort auf erlebte Diskriminierung?

          Das würde dem herablassenden oder verächtlichen Ton mancher Westdeutscher zu viel Aufmerksamkeit schenken. Frau Schönian kann mit Joachim Gaucks Bild vom Dunkeldeutschland nichts anfangen. Sie redet von emotionalen Karten und Umbruchserfahrungen. Ein Treffen mit ihrer früheren Schulklasse führt zu der Erkenntnis, dass es in Magdeburg Fans von Borussia Dortmund gibt. Es soll auch im Hamburger Kiez von Sankt Georg Fans von Bayern München geben und Sankt Pauli Fans im Bayerischen Wald. So what?

          Von Leander Haußmann erfahren wir, dass er das neu erbaute Schloss in Berlin hässlich findet. Der Osten ist erst in der Wende zu Ostdeutschland geworden, als geographische Bezeichnung für ein Gebiet, dass in kurzer Zeit eine massive Transformation erfahren hat. Thomas de Maizière rühmt die Erfolge, die den Osten schöner und moderner als manche andere Gegenden gemacht habe. Welche? Keine Nachfrage.

          Das sei eine Erfolgsgeschichte, auf die man stolz sein könne. Zu recht bezweifelt er das Gerede von der „Vollendung der inneren Einheit“ und erinnert an die erste Zeile des Deutschlandliedes, in der nicht Einheit, sondern Einigkeit besungen wird.

          Das Hochdeutsch der Einheitspartei

          Leander Haußmann erinnert an die nach Berlin verpflanzten Sachsen, die in der Staatsführung und im Sicherheitsapparat den Ton angaben. Ein bekennender Hedonist wie er eckt bei solchen Leuten immer an. Die Rechtsradikalen findet er vorhersehbar. Infolge der Wende fühlten sich viele Ossis erniedrigt und beleidigt. Das Sächsisch sei das Hochdeutsch der Einheitspartei gewesen.

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