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TV-Kritik: Dunja Hayali : Was ist die Alternative zur Alternative für Deutschland?

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Hitzige Debatte: Jörg Meuthen mit Katrin Göring-Eckardt (r.) und Moderatorin Dunja Hayali Bild: ZDF/Svea Pietschmann

Bei Dunja Hayali ging es um die Ereignisse in Chemnitz. Als Gäste waren Jörg Meuthen von der AfD und die Grüne Katrin Göring-Eckhardt eingeladen. Ein bemerkenswerter Abend, der zeigt: Man sollte die Deutungshoheit nicht den politischen Rändern überlassen.

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          Dunja Hayali ist eine der bekanntesten Journalistinnen in Deutschland. Sie ist streitbar und umstritten. Sie findet bei einem Teil des Publikums Zustimmung, bei einem anderen stößt sie auf Ablehnung – wegen ihrer prononcierten Meinungsäußerungen. Gestern Abend wurde aber deutlich, dass sie in ihrem Job in erster Linie Journalistin und nicht Kommentatorin ist. In ihrer Sendung beschäftigte sie sich mit den Ereignissen in Chemnitz. Sie machte das so, wie sie es immer in ihren Sendungen praktiziert.

          Sie geht dorthin, wo etwas passiert, fragt Menschen nach ihren Meinungen. Das ist wohltuend fair, selbst wenn sie sich als prominente Journalistin bisweilen harte Vorwürfe anhören muss. In Chemnitz von Bürgern, die sich von den Medien wegen des Vorwurfs des Rechtsradikalismus unfair behandelt fühlen. Ein Interviewpartner appellierte an die Politik. Diese müsse „auf die Leute zugehen und sie nicht verteufeln. Sonst werden sie immer mehr.“

          Dunja Hayali machte aber zugleich deutlich, dass der Rechtsextremismus nicht im Umkehrschluss eine bloße Unterstellung böswilliger Medien ist. Wer auf der ersten Demonstration hinter Neonazis und Hooligans herläuft, die „Ausländer raus!“ rufen, muss sich Fragen über seine Bündnispartner gefallen lassen. Das machte ein langjähriger Beobachter der Chemnitzer Verhältnisse wie Michael Nattke deutlich.

          „Ich entschuldige und relativiere gar nichts“

          Dunja Hayali wird nicht nur kritisiert. Bisweilen muss sie mit offener Feindschaft umgehen. Angegriffen wird sie wegen ihres Geschlechts und ihrer Herkunft als Tochter irakischer Einwanderer. Deutsche Journalisten fortgeschrittenen Alters ohne Migrationshintergrund, bisweilen als „alte weiße Männer“ tituliert, müssen sich das nicht anhören.

          Zum Repertoire derjenigen, die Hasstiraden von sich geben, zählen auch Vergewaltigungsphantasien. Von denen allerdings sangen die Rapper der Gruppe K.I.Z. auf dem Konzert „Herz statt Hetze“ in Chemnitz und projizieren sie in einem ihrer Lieder in schwerlich zu zitierender Weise auf die frühere „Tagesschau“-Sprecherin Eva Herman. Die primitiven Zeilen könnte man als satirische Poesie werten und als den bei Rappern gepflegten Tabubruch zu einem angeblich höheren Zweck. Doch man kann auch die Fragen stellen, was das bei einem Konzert, das sich dezidiert als Veranstaltung gegen den Hass verstand, zu suchen hat. Die einen brüllen ihren Hass auf Fremde auf der Straße heraus, die anderen gießen ihn in – vermeintlich als Ironie aufzufassende – Zeilen?

          AfD-Politiker Jörg Meuthen in Abensberg im September

          Daraus folgte auch bei Dunja Hayali die entsprechende Debatte. Die einen nehmen die frauenverachtenden Texte von K.I.Z. her, um das Anliegen des Konzerts zu diskreditieren, die anderen üben sich in Relativierung. Es geht hier keineswegs um die Kunstfreiheit von K.I.Z. Es geht darum, ob dieses subkulturelle Milieu in dieser Situation die Botschaften formuliert, die dieses Land braucht.

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