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TV-Kritik „Anne Will“ : Versteckte Eingeständnisse und vorsichtiges Nachdenken

  • -Aktualisiert am

Bei „Anne Will“ wurde am Sonntag vornehmlich darüber diskutiert, wie es in Deutschland nach einer Woche kollektiver Quarantäne weitergehen soll. Bild: NDR/Wolfgang Borrs

Das öffentliche Leben in Deutschland steht weiter nahezu still. Doch was folgt nach dem Shutdown? Die Runde bei Anne Will durchlebt bei dieser Frage eine interessante Metamorphose.

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          Die erste kollektive Quarantäne-Woche neigt sich gerade dem Ende entgegen, als Anne Will in ihrer Sendung die Frage stellt: Der Corona-Ausnahmezustand – wie geht es weiter in Deutschland? Für so manchen Gast scheint es eine geradezu ketzerische Frage zu sein, haben doch die entscheidenden Protagonisten eine klare Linie vorgegeben: Bundeskanzlerin Angela Merkel will abwarten bis sich der Verdoppelungszeitraum der Neuinfektionen von derzeit 5 Tage auf 10 Tage verdoppelt; Gesundheitsminister Jens Spahn mahnt, man befinde sich noch immer in der Ruhe vor dem großen Sturm; und Kanzleramtsminister Helge Braun bekräftigt, die Kontaktbeschränkung bleibe bis zum 20. April bestehen. Ohnehin befürworten dem aktuellen Deutschlandtrend zufolge 95 Prozent der Deutschen die Einschränkungen.

          Dennoch liegt Anne Will mit ihrer Frage richtig. Oder um es in den Worten der hoch im Kurs stehenden Mediziner zu sagen: Auch die besten Medikamente haben Nebenwirkungen. Und sollten diese Nebenwirkungen schwerer wiegen als die erhoffte Linderung, muss über den Einsatz des Medikaments nachgedacht werden. Doch bei Anne Will wollen die Gäste von einer Diskussion über die Zeit nach dem Shutdown zunächst wenig wissen. Peter Altmaier ist Polit-Profi genug, um zuzugestehen, dass man zwar über alles nachdenken könne. Allerdings sollte man an den Einschränkungen jetzt nichts ändern, denn die Wirkungen seien erst Ende nächster Woche abschätzbar, erklärt der Bundeswirtschaftsminister. Der per Videoschalte anwesende Epidemiologe Gérard Krause bittet, jetzt keine festen Zeitpläne zu erstellen, während Peter Tschentscher (Erster Bürgermeister von Hamburg) mahnt, die Nerven zu bewahren und nicht vorschnell die Wirkung der Eingriffe zu riskieren.

          Zum Glück bleibt es jedoch nicht bei dieser Einheitsmeinung – zunächst dank Clemens Fuest. Der Präsident des ifo-Instituts meint, man müsse genau jetzt nachdenken, schließlich erleide die deutsche Wirtschaft aktuell einen enormen Schaden: Ein Monat Kontaktbeschränkung – wie eingangs von Kanzleramtsminister Helge Braun angekündigt – würden einen Verlust von 4 Prozent des Bruttoinlandsprodukts verursachen, jede weitere Woche verringere die landesweiten Einkommen um 140 Milliarden Euro. Für eine 4-köpfige Familie bedeute dies laut Fuest rund 2000 Euro weniger Geld. Die derzeitige Debatte, wonach man sich zwischen dem Wohl der Wirtschaft und dem Wohl der Menschen entscheiden müsse, brandmarkt der Wirtschaftsforscher als vollkommen falsch. Vielmehr müsse überlegt werden, wie man wieder arbeiten gehen und zugleich seine Gesundheit schützen könne.

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