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TV-Kritik: Anne Will : Laschet kann sie alle schaffen

  • -Aktualisiert am

Luisa Neubauer und Armin Laschet diskutieren bei Anne Will. Bild: NDR/Wolfgang Borrs

Will Armin Laschet Kanzler werden, muss er in die Offensive. Sein Stehvermögen zeigt er bei Anne Will. Nur die Klimaaktivistin Luisa Neubauer liefert sich mit ihm einen starken Schlagabtausch.

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          Die Lage für Armin Laschet scheint katastrophal zu sein. Sowohl bei den Umfragewerten der Union wie auch bei persönlichen Zustimmungswerten liegt Armin Laschet hinter den Grünen. Und auch Anne Will scheint bereits an der Tauglichkeit des Noch-Ministerpräsidenten von Nordrhein-Westfalen zu zweifeln, weshalb sie ihrer Sendung den Titel gibt: „Von Corona-Krise bis Klimapolitik – kann die Union noch Kanzleramt?“

          Beantworten sollen das die Umweltaktivistin Luisa Neubauer, die Politikwissenschaftlerin Ursula Münch, der Leiter des „Zeit“-Büros in Leipzig Martin Machowecz und Armin Laschet selbst. Schon die Gästeliste zeigt deutlich, in welche Richtung diese Sendung laufen wird: die Politikwissenschaftlerin Münch soll Laschet mit der allgemeinen politischen Lage konfrontieren, der Journalist Machowecz ist für die Lage im Osten zuständig, und Luisa Neubauer soll Laschet bei der Klimaschutzpolitik auf den Zahn fühlen.

          Laschets Trümpfe nonchalant

          Den Anfang macht jedoch Anne Will. Die Moderatorin nutzt die schlechten Umfragewerte Laschets, um nochmals den vermeintlichen „Kandidaten der Herzen“ Markus Söder ins Spiel zu bringen: Wäre der bayrische Ministerpräsident nicht doch der bessere Kandidat gewesen? Laschet verweist darauf, dass 2017 bei der Landtagswahl in NRW auch alle Umfragen gegen ihn gesprochen hätten, er aber dennoch als Herausforderer von Hannelore Kraft (SPD) erfolgreich war. Doch Will ist an diesem Abend in guter Form. Sie nimmt Laschets Antwort und stellt klar, dass 2017 eine völlig andere Ausgangslage samt umfassender Wechselstimmung geherrscht habe.

          An dieser Stelle spielt Laschet schon seinen ersten Trumpf aus – ganz beiläufig: Es gehe darum, wer nach der Corona-Pandemie die Probleme besser lösen könne, erklärt der CDU-Vorsitzende. Das wird später auch Frau Münch bestätigten: Laschet werde nur eine Chance haben, wenn die Pandemie bewältigt oder zumindest im Griff ist. Das weiß Laschet, wie er auch im Interview mit der F.A.Z. demonstriert: „Wir müssen beim Impfen Tempo machen.“

          Auch seinen zweiten Trumpf spielt Laschet gekonnt nonchalant: Als Kanzler werde er tun, „...das, was ich als Regierungschef eines großen Industrielandes seit einigen Jahren mache.“ Damit will er Annalena Baerbock ausstechen, die als Kanzlerkandidatin der Grünen noch über keine Regierungserfahrung verfügt. 

          Laschets Taktik des Abends

          Laschet gelingt es im Gespräch mit Anne Will immer wieder, durch lange Antworten zunächst die Stoßrichtung von Wills Fragen abzufangen und anschließend zu den Punkten zu kommen, die er selbst machen will. Wenn Will versucht, ihm ein Schlinger-Image unterzuschieben, macht Laschet wortreich klar, er sei immer standhaft für Gesundheitsschutz und die Öffnung von Kindergärten und Schulen gewesen. Das, so Laschet, werde in diesen Wochen auch endlich in anderen Bundesländern erkannt. So schafft er es, sich selbst zum Vorreiter zu erklären.

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