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TV-Kritik: Anne Will : Laschet kann sie alle schaffen

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Auch als Will die Kritik von Angela Merkel ins Spiel bringt, gelingt es Laschet, den Sachverhalt so umzubiegen, dass es am Ende so klingt, als ob der gesamte Bundestag nun seiner Idee des „Click and Meet“ – also Einkaufen nur mit vorherigem negativen Corona-Test – gefolgt wäre. In Wirklichkeit sei die Bundeskanzlerin also jetzt an dem Punkt angekommen, an dem er, Armin Laschet, schon vor Wochen gewesen sei. Doch Anne Will lässt nicht locker, sie will Laschet aus der Reserve locken. Nur: Es gelingt ihr nicht. Laschet lächelt es weg – und holt zur nächsten langen Antwort aus. Laschet geht es um Europa – auch um im Kampf gegen ein aggressives und expansives China zu bestehen, um den sozialen Aufstieg innerhalb der deutschen Gesellschaft und um die Modernisierung des Landes. Leider merkt Will in Laschets langen Antworten nicht, dass er beim Punkt Modernisierung im Grunde lediglich wiedergibt, was Robert Habeck von den Grünen zuletzt in einem Interview bereits angekündigt hat. 

„Ich wäge meine Worte“

In der Folge dürfen die anderen Gäste versuchen, Laschet aus der Reserve zu locken. Die Politikwissenschaftlerin Münch versucht es mit der Frage: Nach 16 Jahren unionsgeführter Regierungen in Deutschland frage man sich, warum sie all diese Punkte nicht längst gemacht habe? Der Vorwurf ist so richtig wie leider auch vorhersehbar, so dass Laschet wieder wortreich die Kurve kriegt: Er sei nicht 16 Jahre Kanzler gewesen, doch auch Angela Merkel habe viel gut gemacht. Aber angesichts von vier Weltkrisen habe sie sich nicht jeden Tag um die Digitalisierung des Landes kümmern können. Kritik an Merkel? „Ich wäge meine Worte. Wenn es nicht optimal ist, hätte man es besser machen können.“ Man merkt, Laschet ist Herr der Lage – bislang.

Anschließend versucht Martin Machowecz, Laschet in Sachen Ostdeutschland in Bedrängnis zu bringen. Der Journalist führt durchaus spannende Probleme ins Feld: beispielsweise den Umgang mit der AfD oder die Nominierung des ehemaligen Verfassungsschutzpräsidenten Hans-Georg Maaßen in Südthüringen. Doch mal kassiert Laschet den Angriff – man wünsche sich mehr Helmut Kohl – mit dem Hinweis, dass gerade ihm bescheinigt werde, einen Politikstil wie Helmut Kohl zu haben. Ein anderes Mal bläst Machowecz erst gar nicht zum Angriff, sondern wirbt selbst für Nachsicht und Ehrenrettung Laschets in einer komplizierten Lage.

Erstes Mal sprachlos

Erst Luisa Neubauer bringt an diesem Abend genug Schwung und innere Wut mit, um Laschet Paroli zu bieten. Es ist ihre emotional vorgetragene Kritik, die Laschet zeitweise straucheln lässt. Neubauers Wut bricht sich erstmals Bahn, als die Sprache auf den ehemaligen Präsidenten des Bundesamtes für Verfassungsschutz Hans-Georg Maaßen kommt. „Sie legitimieren rassistische, antisemitische, identitäre und übrigens auch wissenschaftsleugnerische Inhalte, verkörpert durch Hans-Georg Maaßen. Dazu hätten Sie ganz klar etwas sagen müssen, das hätten Sie ganz klar verurteilen müssen.“ Bei diesen klaren Worten verschlägt es Laschet erstmals an diesem Abend die Sprache.

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