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TV-Kritik „Anne Will“ : „Die Infektionslage entscheidet“

Bei Anne Will (2.v.r.) zu Gast (v.l.n.r.): Unternehmerin Brigitte Meier, Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU), Corinna Pietsch, Leiterin des Instituts für Virologie am Universitätsklinikum Leipzig und zugeschaltet Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) sowie Clemens Fuest, Präsident des ifo Instituts Bild: NDR/Wolfgang Borrs

Anne Will wollte eine Bilanz nach einem Jahr Corona-Pandemie ziehen. Da hätte man ein heftiges Pro und Kontra erwarten dürfen. Das aber blieb aus. Es kennzeichnet die Lage.

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          „Ein Jahr Corona-Pandemie – Zeit für neue Perspektiven?“ war das Thema am Sonntagabend bei Anne Will, doch um das Eigentliche ging es erst nach einer halben Stunde: um die Impfbilanz. Denn nicht zuletzt von dieser hängt, wenn wir es richtig verstehen, ab, wie es weitergeht. Wie sich die Inzidenzzahlen der Corona-Infektion entwickeln. Ob es Lockerungen des Lockdowns geben kann, und wenn ja, wann. Die Einschränkungen des öffentlichen Lebens stellen nicht nur die Geduld der Bürger in diesem Land auf die Probe, sie gehen vielen an die Existenz und sie werfen die Frage auf: Leisten die Bundesregierung, die Ministerpräsidenten und die EU-Kommission, was die Bundeskanzlerin kürzlich ins Feld führte: das „Menschenmögliche“?

          Michael Hanfeld

          verantwortlicher Redakteur für Feuilleton Online und „Medien“.

          Daran darf man durchaus seine Zweifel haben, auch wenn im Spätherbst des vergangenen Jahres niemand wissen konnte, welcher der Impfhersteller am Ende die Nase vorn haben sollte. Israel, Großbritannien und die Vereinigten Staaten haben früher Impfdosen bestellt, mehr Geld ausgegeben und verfügen über wesentlich höhere Impfquoten als die Bundesrepublik und die EU, allerdings mussten sich weder Donald Trump noch Boris Johnson oder Benjamin Netanjahu mit der zwiegespaltenen Kritik auseinandersetzen, die auf der einen Seite „Impfnationalismus“ beklagt und einen „fair deal“ für alle fordert, auf der anderen aber der nationalen Regierung vorhält, sie habe die Sache im eigenen Land vergeigt. Wie der Fall Astra Zeneca versus EU-Kommission ausgeht, werden wir allerdings noch sehen.

          Peter Altmaier, der bei Anne Will zu Gast war, ist für diese Fragen der falsche Ansprechpartner. Er muss sich beim „Impfgipfel“ an diesem Montag auf den Kabinettskollegen Jens Spahn und auf die Wissenschaftler verlassen. Deren Rat lautet in der Regel, nicht zu früh mit „Lockerungen“ zu beginnen. Ganz in diesem Sinne äußerte sich in Wills Runde Corinna Pietsch, Leiterin des Instituts für Virologie am Universitätsklinikum Leipzig. Sie warnte davor, dass die Mutanten des Sars-Cov2-Virus aus Großbritannien und Südafrika, die sich auch hierzulande ausbreiten, den Rückgang der Infektionszahlen aufgrund ihres höheren Ansteckungspotentials zunichtemachen könnten.

          Die Einzelhandelsunternehmerin Brigitte Meier hat eine andere Perspektive auf die Lage. 220.000 Unternehmen in der Handelsbranche sind geschlossen, 1,6 Millionen Beschäftigte sind davon betroffen. Brigitte Meier will „langsam wieder an den Start gehen“ und ihr Geschäft öffnen. Aber was heißt „langsam“? Zwei Wochen, bis Mitte Februar? Anfang, Mitte März? In den Augen der Epidemiologen und Virologen dürfte das viel zu schnell sein. Corinna Pietsch rechnet damit, dass uns das Virus noch „viele Wochen“ oder „einige Monate“ in Atem hält.

          Stephan Weil, Ministerpräsident von Niedersachsen und Realo-Sozialdemokrat der alten Schule, hat einen Stufenplan entwickeln lassen, der Lockerungen Schritt für Schritt vorsieht, angelehnt an die Richtzahlen des Robert-Koch-Instituts. Dass Restaurants wieder öffnen, sieht der Plan erst bei einem Inzidenzwert von unter fünfzig vor, die Kultur müsste dem Plan aus Hannover nach noch viel länger warten. „Die Infektionslage entscheidet“, sagt Weil.

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