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TV-Kritik: „Anne Will“ : Züge eines Wahns

  • -Aktualisiert am

Anne Will und ihre Gäste Bild: NDR/Wolfgang Borrs

Antisemitismus ist nicht mit Logik beizukommen, der Hass ist manisch. Wie schwierig das Problem zu lösen ist, zeigte sich in der Sendung von Anne Will.

          4 Min.

          Das Bild Israels in den Ländern der arabischen Welt ist seit dem Unabhängigkeitskrieg 1947-1949 vergiftet. Es nährt sich von Lebenslügen, was sie so dauerhaft macht. Diese Lebenslügen finden  große Resonanz in den hiesigen muslimischen Gemeinden. Der Hass auf Israel und die Juden wirkt wie eine Kompensation für politische Niederlagen im Kampf um Demokratie und Menschenrechte in der arabischen Welt insgesamt. Das Scheitern des Arabischen Frühlings und die Bürgerkriege haben dieses Dilemma eher noch verschärft.

          Züge eines Wahns

          Es wäre fatal, das Ausmaß dieses verfestigten Bildes zu unterschätzen. Für die Frage, wie angemessene Antworten auf Antisemitismus aussehen könnten, kommt man nicht umhin, diesen Sachverhalt gründlicher zu analysieren. Es handelt sich nicht um Vorurteile. Das Weltbild des Hasses auf Israel und Juden trägt Züge eines Wahns, der rationalen Argumenten unzugänglich scheint. Das gilt im übrigen auch für deutsche Antisemiten.

          Darauf rhetorisch zu antworten („Es reicht. Es reicht. Es reicht.“), wie Ulf Poschardt, Chefredakteur der Welt, schrieb, reicht nicht. Woran liegt es, dass der Organisationsauftrag an all die Bundes- und Landeszentralen für politische Bildung, an die gewerkschaftlichen, kirchlichen und politischen Bildungsträger an dem Tatbestand eines weit verbreiteten und sich verfestigenden Antisemitismus kaum etwas zu ändern vermocht hat? Woran liegt es, dass ein Tochterunternehmen der Bertelsmann AG über Jahre Millionen mit antisemitisch geprägter Musik verdient hat, ohne auch nur mit der Wimper zu zucken?

          Bestürzender Titel

          Nun gibt es also mit Felix Klein einen Antisemitismusbeauftragten der Bundesregierung. Der Titel klingt bestürzend. Was ist die Herausforderung, der nicht nur er sich zu stellen hat? Sind AfD-Politiker wie Björn Höcke oder Wolfgang Gedeon von ihren kruden Thesen abzubringen? Was ist mit denjenigen Bundesbürgern, immerhin sechs Prozent der Gesamtbevölkerung, die einem geschlossenen antisemitischen Weltbild anhängen? Was mit den 20 Prozent, die für einen Schlussstrich eintreten? Mit einem vage definierten Bildungsauftrag sind sie nicht zu bekehren.

          Jüdische Einrichtungen stehen deutschlandweit unter Polizeischutz. Sieht so Religionsfreiheit aus? Für Volker Kauder sind Tabubrüche inzwischen Alltag. Es gibt keinen Mangel an Berichten darüber, was tatsächlich passiert. Immerhin gibt § 54, Absatz 5 des Aufenthaltsgesetzes die Möglichkeit, Ausländer auszuweisen, die zu Hass gegen Teile der Bevölkerung aufrufen. Was aber passiert mit den Inländern, die Ähnliches tun?

          Weltrekord bei Aufarbeitung der Vergangenheit

          Shimon Stein, langjähriger Botschafter Israels in Deutschland, argumentiert nüchtern. Es gab keine Stunde Null nach 1945. Er wundert sich darüber, dass man sich wundert. Die Aufgaben, die anzupacken wären, seien mit einem Beauftragten nicht zu lösen, obschon Deutschland quasi Weltrekorde bei der Aufarbeitung der Vergangenheit errungen habe.

          Wie geht man damit um, dass all das gesammelte Wissen nicht verhaltenswirksam wird? Ahmed Mansour arbeitet als Sozialpädagoge mit radikalisierten muslimischen Jugendlichen. Er setzt auf Dialog und Konfrontation durch interkulturelle Begegnungen. Er räumt ein, dass das bei geschlossenen verschwörungstheoretischen Weltbildern nicht gerade einfach sei.

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