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TV-Kritik: „Sommerinterviews“ : Wie sich die Öffentlich-Rechtlichen vorführen lassen

  • -Aktualisiert am

Der bayerische Ministerpräsident Markus Söder (CSU) beim ARD-Sommerinterview auf der Terrasse am Marie-Elisabeth-Lüders-Haus Bild: dpa

In Bayern ein aufgeräumter junger Landesvater – auf dem Darß ein fahriges Hemd, dem die Führung seiner Partei entgleitet: Die Interviews der ARD mit Markus Söder und des ZDF mit Jörg Meuthen zeichnen ein Bild, das gegensätzlicher nicht sein könnte.

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          Oliver Köhr versucht für die ARD, den neuen Stil des bayerischen Ministerpräsidenten zu verstehen. Vollzieht er wegen des Höhenflugs der Grünen einen Kurswechsel? Will Markus Söder die Grünen programmatisch überholen? Um das Ausmaß des Stilwechsels der bayerischen Politik zu verstehen, genügt ein Blick zurück auf das ARD-Interview Rainald Beckers mit Horst Seehofer im August 2018.

          Seehofer wirkte damals wie ein greiser Serenissimus, der seinem Nachfolger in der Staatskanzlei alles erdenklich Gute in den Weg stellen wollte. Wer noch über ein Gedächtnis verfügt, könnte sich an eine ähnliche Situation in der SPD-Geschichte erinnern, als Parteichef Willy Brandt dem Kanzlerkandidaten Johannes Rau ein Beinchen mit der Bemerkung stellte, 37 Prozent seien auch ein schönes Ergebnis. Bei dieser Zahl ist die CSU 2018 gelandet.

          Seehofer residiert noch im Bundesinnenministerium, kann aber seinem „Parteifreund“ Söder nicht mehr schaden. Das ist ein Gewinn für das Land. Natürlich ist der Höhenflug der Umfragewerte der Grünen für die Union eine Herausforderung, die aus dem Bundesverteidigungsministerium aber kaum so gut beantwortet werden kann wie aus der Münchener Residenz.

          Den Grünen die Schau stehlen

          Söder macht das geschickt. Der Klimawandel sei kein Parteithema. Bayern sei beim Artenschutz und der Agrarökologie ganz vorne. Pragmatisch kontert er Befürchtungen, mehr Klimaschutz schade der Konjunktur. Weil die wirtschaftlichen Aussichten sich eintrüben, sind Investitionen in Forschung und saubere Technologie, auch in die energetische Gebäudesanierung, dringend geboten. Als einstiger Umweltminister kennt er die Agenda der Grünen und kann ihnen im Freistaat durch eigene Initiative die Schau stehlen. Das „s“ im Namen seiner Partei macht er stark, indem er Maßnahmen eine Absage erteilt, die Pendlern oder sozial Schwächeren das Leben erschweren.

          Reicht es aus, im Freistaat in fünf Jahren 30 Millionen neue Bäume zu pflanzen? Oder ist das angesichts des neuerlichen Waldsterbens noch nicht ehrgeizig genug? Leider hat Fragenvorleger Oliver Köhr die aktuellen Daten nicht parat, um der PR-Offensive von Söder Luft aus den Segeln zu nehmen. Das bayerische Landwirtschaftsministerium geht davon aus, dass bei einem Hektar Baumbestand bis zu 8000 Rotbuchen gepflanzt werden müssen. Bei einer Waldfläche von 2,6 Millionen Hektar wären demnach 160 Millionen neu zu pflanzender Bäume ein wirklich ehrgeiziges Ziel. Aber was kümmert das ARD-Hauptstadtstudio schon der Waldbestand in Bayern?

          Interessanter scheint da die Frage nach dem Ausbau regenerativer Energien. Windräder im Norden stehen still. Es fehlen Energiespeicher. Es fehlen auch Hochspannungsleitungen durch den Freistaat. Keine Nachfrage dazu. Der Mix zwischen den regenerativen Energien lässt zu wünschen übrig. Warum werden Wind- und Sonnenenergie nicht für die Herstellung von Wasserstoff eingesetzt? Das leidige Thema Abstandsregelung bei Errichtung von Windrädern bügelt Söder mit dem Hinweis auf die bayerischen Staatsforste ab. Auch da hätte Herr Köhr fragen können, ob die Idee, Windräder in Forste zu stellen, die dafür extra freigeräumt werden müssen, dem Wiederaufforstungsplänen nicht in die Quere käme.Verschenkt.

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