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TV-Kritik: „Sommerinterviews“ : Wie sich die Öffentlich-Rechtlichen vorführen lassen

  • -Aktualisiert am

Es fehlt der Blick auf das gesamte Bundesgebiet

Einwände des Wirtschaftsflügels der Union scheinen Söder nicht sonderlich zu interessieren. Ihm kommt es darauf an, sich als Macher zu inszenieren. Daher muss er gegen das Vertagen argumentieren, das seine Parteifreunde in Berlin so gut beherrschen. Als wollte er neben den Grünen auch den Liberalen ans Leder, plädiert Söder für ökonomische Anreize statt für Verbote, will die Forschung für alternative Kraftstoffe auch für den Flugverkehr voranbringen.

Bedenken des sächsischen Wahlkämpfers Michael Kretschmer gegen die Idee, den Kohleausstieg zu beschleunigen, kann Söder nicht ernst nehmen. Was sind schon acht Jahre für einen Mann, der einen Lebensplan vor sich hat? Die Sorgen der ostdeutschen Bundesländer ließen sich durch eine Sonderwirtschaftszone mit niedrigeren Steuersätzen beheben. Auf die Debatte darüber im Bundesrat mit seinem Unionsfreund Laschet kann man sich jetzt schon freuen. Sinnvoller wären solche Ideen im Hinblick auf gleichwertige Lebensverhältnisse im gesamten Bundesgebiet, wenn von solchen Ideen alle Regionen profitierten, deren Wertschöpfung im Vergleich zu Oberbayern mickrig aussieht. Auch auf diesen Einwand kommt Herr Kröh nicht, weil er vielleicht die Verhältnisse in Sachsen-Anhalt und Thüringen kennt, nicht aber die aus Gelsenkirchen oder Duisburg-Marxloh.

„Humanität und Ordnung auf den Weg gebracht“

Eine harte Absage erteilt Söder der Idee, dass es eines Tages Koalitionen zwischen den Unionsparteien und der AfD geben könne. Um die Antwort, welchen Anteil seine Partei an einer Verrohung der politischen Sprache hat, drückt sich Söder. Etwas zu pausbäckig behauptet er, die CSU habe Humanität und Ordnung auf den Weg gebracht. Was das eine mit dem anderen zu tun hat, in welchem Konfliktverhältnis die beiden Begriffe stehen, das scheint Herrn Köhr zu kompliziert, um daraus eine Frage zu schnitzen.

Koalitionen mit der AfD würden die Union zerreißen. Die AfD befinde sich auf dem Weg an den rechten Rand und lande bald rechts von der NPD. Politische Astrologie liegt Söder nicht. Was aus der Großen Koalition wird, liege in den Händen einer SPD, die nicht zu wissen scheint, was sie will.

Die politische Krise im Persischen Golf wird nicht in der Münchner Residenz entschieden, aber die Kombattanten werden mit Rüstung aus Bayern beliefert. Deutschland könne sich im Rahmen einer europäischen Initiative an der Sicherung der Seewege beteiligen. Zu Amerika und den Falken in Präsident Trumps Kabinett kommt es zu keiner Nachfrage. Die ARD interessiert sich zu sehr für das Fernstliegende: Wird Söder eines Tages Kanzlerkandidat? Das kann sich der ehrgeizige Mann nicht vorstellen. Herrjeh!

Sommerinterview von Theo Koll, Leiter des ZDF-Hauptstadtstudios, mit Jörg Meuthen, Vorsitzender der AfD, auf dem Darß.

Kolls Totalversagen

Theo Koll, Hauptstadtstudioleiter des ZDF, trifft auf dem Darß den AfD-Kovorsitzenden Jörg Meuthen. Auch hier überwiegt der Eindruck, dass der Interviewer keinen Plan zu haben scheint, wie er auf vorhersehbare rhetorische Ausflüchte reagieren könnte. Seine Fragekärtchen muss er abarbeiten. Wenn Antworten ins Leere führen, bleiben Nachfragen aus.

Der schreckliche Tod eines Kindes am Frankfurter Hauptbahnhof hat zu rhetorischen Entgleisungen geführt. Was sagt Meuthen zur Verfluchung der Bundeskanzlerin durch die AfD-Bundestagsabgeordnete Hartmann? Meuthen windet sich. Der Satz sei unangemessen, die emotionale Reaktion verstehe er. Als Parteivorsitzender sieht er sich nicht gefordert, das sei eine Sache zwischen der Abgeordneten und der Bundeskanzlerin. Wie bitte?

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