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TV-Kritik: Maischberger : „Frau Maischberger, Sie sind nicht die CDU!“

  • -Aktualisiert am

Bodo Ramelow war zu Gast im Studio von Sandra Maischberger. Bild: WDR/Max Kohr

Ob Bodo Ramelow mit solchen Erklärungen Zuschauer oder Wähler überzeugen konnte, wird sich zeigen. Aber wenn nicht die Moderatorin die CDU ist, wer dann?

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          Wie gelingt es eigentlich, jemanden lächerlich zu machen? Man muss ihn an seinem wunden Punkt treffen. Dann wird offensichtlich, was ansonsten im Verborgenen bleibt. So funktioniert auch gute Satire: durch Überspitzung erkennbar machen, was verborgen bleiben soll. Beim Satiriker ist das befreiende Lachen der Ausweg aus der Misere, es nimmt dem Ernst seine Spitze. Das blieb gestern Abend verständlicherweise aus.

          Sandra Maischberger beschäftigte sich natürlich mit den Folgen der Thüringer Ministerpräsidentenwahl. Mit dem angekündigten Verzicht der CDU-Vorsitzenden Annegret Kramp-Karrenbauer auf ihre Wiederwahl, irrtümlich zumeist Rücktritt genannt, hat sich bekanntlich die politische Entwicklung beschleunigt. In der Sendung zeigten sich die Vorteile dieses Formats, wenn es sich nicht in der Tagesaktualität verzettelt. Man kann ein Thema aus unterschiedlichen Perspektiven betrachten, ohne der Eigendynamik großer Runden ausgesetzt zu sein.

          „Destabilisierung und Lächerlichmachung“

          So beschrieb der Spiegel-Redakteur Markus Feldenkirchen zweifellos den überwiegenden Eindruck dieser Thüringer Ereignisse. Es hätte sich das „Kernziel der AfD gezeigt“, nämlich die „Destabilisierung und Lächerlichmachung der Demokratie“. Allerdings fragte sich Feldenkirchen nicht, wie das der AfD überhaupt gelingen konnte. Lag es wirklich an ihrer Stimmabgabe für den FDP-Kandidaten Thomas Kemmerich, oder nicht doch an der Reaktion von Politik und Öffentlichkeit auf dieses Ereignis? Lächerlichmachung gelingt halt nur, wenn man seinen wunden Punkt offenbart.

          Als Experten waren bei Sandra Maischerger Markus Feldenkirchen („Der Spiegel“), Cerstin Gammelin („Süddeutsche Zeitung“) und Nikolaus Blome.

          Dieser hat damit zu tun, wie etwa Feldenkirchens Kollegin von der Süddeutschen Zeitung eine Aussage der Bundeskanzlerin interpretierte. Angela Merkel hatte von Südafrika aus gefordert, das Ergebnis der Wahl „rückgängig“ zu machen. Cerstin Gammelin versuchte erst gar nicht, dieser Aussage ihre Schärfe zu nehmen. Sie fand stattdessen eine bemerkenswerte Formulierung: „Formal ist das eine ganz normale Landtagswahl, die auch gültig sein müsste.“

          Materiell ist das also keine normale Wahl, die deshalb auch ungültig sein kann, so die logische Konsequenz. Falls die Gegner einer liberalen Demokratie in Zukunft ein Argument suchen sollten, könnten sie Frau Gammelin zitieren. Das wohlfeile Gerede über die „formale Demokratie“ gab es zwar schon immer ganz links und ganz rechts. Bisher hatte man aber nicht vermutet, eine Bundeskanzlerin so interpretieren zu dürfen.

          Ramelows Trümpfe

          Insofern war es spannend, wie sich der bisherige Ministerpräsident Bodo Ramelow (Linke) präsentieren würde. Er hatte alle Trümpfe auf seiner Seite: In den vergangenen fünf Jahren konnte er sich bei Wählern aus allen Parteien großen Respekt erarbeiten, sogar bei denen der AfD. Obwohl seine Partei ansonsten im Osten ihre Wählerbasis verliert, erreichte er mit 31 Prozent ein sensationell gutes Ergebnis. In den jüngsten Umfragen nach seinem Scheitern im Landtag konnte er noch weiter zulegen.

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