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TV-Kritik „Sandra Maischberger“ : Fake News und Lügen

  • -Aktualisiert am

Hitzig war es auch hier: Sandra Maischberger diskutiert mit Ron Williams (links) und George Weinberg (Mitte). Bild: WDR/Max Kohr

Das erste TV-Duell im amerikanischen Präsidentschaftswahlkampf lässt den europäischen Zuschauer ratlos zurück. Bei Maischberger lieferten Trump- und Biden-Anhänger ein bezeichnendes Bild für die geistige und seelische Verfassung vieler Amerikaner.

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          In Ehekrisen, und in diesem Begriff sind alle anderen Formen der Partnerschaft inbegriffen, gibt es ein gutes Verfahren, um die Perspektive eines solchen Paares sichtbar zu machen. Beide sollen die positiven Seiten des Partners schildern. Die muss es schließlich einmal gegeben haben, ansonsten lebten sie nicht zusammen. Fällt beiden dazu nichts mehr ein, ist die Trennung in den meisten Fällen wohl unvermeidlich. Als Zuschauer mussten wir gestern Abend daran denken, als Frau Maischberger eine kluge Frage stellte. Es ging um den Stil im ersten Fernsehduell zwischen Donald Trump und Joe Biden. Ihre amerikanischen Gäste waren der Republikaner George Weinberg und der Biden-Unterstützer Ron Williams. Als beide die Bewertung des Duells aus ihrer jeweiligen parteipolitischen Perspektive abgegeben hatten, stellte sie nüchtern fest: Beide hätten den Kontrahenten zwar heftig kritisiert, aber am Stil des eigenen Kandidaten nichts auszusetzen gehabt.

          Nun werden Weinberg und Williams sicherlich kein Paar mehr, die gemeinsame Herkunft in einem Nationalstaat sucht sich auch niemand aus. Aber diese Diskussion zwischen beiden über das TV-Duell geriet zu dessen Neuauflage. Weinberg verteidigte seinen Präsidenten in allen Punkten, dessen Stil nannte er eine Geschmacksfrage. Williams dagegen hielt jedes Argument seines Kontrahenten für eine Lüge, selbst wenn es lediglich um die unterschiedliche Bewertung von Sachverhalten ging. Auf Williams Vorwurf des Rassismus von Trump, antwortete Weinberg mit der Anmerkung, vielmehr sei Biden ein Rassist, der zudem noch alle Schwarzen für blöd hielte. So tauschten sie keine Argumente aus, sondern bemühten sich in gemeinsamer Anstrengung, Trump und Biden nachzueifern. Das war bezeichnend für die geistige und seelische Verfassung vieler Amerikaner, es war aber zugleich grotesk. Trump und Biden kämpfen mit harten Bandagen um Wählerstimmen, Weinberg und Williams müssen keinen deutschen Zuschauer überzeugen. Wir sind nur Zuschauer dieses Spektakels am anderen Ufer des großen Teichs. Trotzdem gelang es ihnen nicht, eine gewisse intellektuelle Distanz zum dortigen Geschehen zu entwickeln. Offenbar betrachten beide jede kritische Anmerkung über den eigene Kandidaten psychologisch schon als Verrat, als eine Art Kollaboration mit dem Feind. Irritierenderweise geschieht das aber in einem Land, wo den ganzen Tag über Rassismus und die Überwindung von Vorurteilen diskutiert wird.

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