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TV-Kritik „Sandra Maischberger“ : Fake News und Lügen

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Moderatorin Sandra Maischberger
Moderatorin Sandra Maischberger : Bild: dpa

So zeigten sich die drei journalistischen Kommentatoren über diesen Disput zwischen Williams und Weinberg ebenfalls erstaunt. Dabei hat Donald Trump unter deutschen Journalisten eine überschaubare Zahl an Sympathisanten. Es ist schon das höchste der Gefühle, wenn Alexander von Schönburg das so formulierte: Was Trump sage, sei zwar unerträglich, aber „was er macht, ist spektakulär.“ Der Kolumnist der Bild-Zeitung hielt dieses TV-Duell zudem für durchaus unterhaltsam, insofern habe sich das nächtliche Zusehen für ihn gelohnt. Susan Link, Moderatorin des ARD-Morgenmagazins, diagnostizierte das „Amt des Präsidenten“ als den eigentlichen Verlierer. Werner Bartens, Wissenschaftsredakteur der Süddeutschen Zeitung, fasste das Geschehen im fernen Ohio gut zusammen: Trump habe verloren, Biden nicht gewonnen, und „der Moderator war der einzige, der als Gewinner aus der Debatte hervorging.“ Wobei Frau Link die interessante Anmerkung machte, wir hätten „noch keine wirkliche Begrifflichkeit“, um diese Politik Trumps zu beschreiben. Das kann aber natürlich auch an uns Journalisten liegen, die nicht gut genug hinsehen.

Schließlich ging es noch um die jüngsten Entscheidungen der Ministerpräsidentenkonferenz mit der Bundeskanzlerin mit der Pandemie. Als Interviewgast erläuterte die rheinland-pfälzische Ministerpräsidentin Malu Dreyer diese Beschlüsse, die neuerdings etwa die falschen Personenangaben bei Restaurantbesuchen als Ordnungswidrigkeit einstufen. Zudem ging es um eine Musterverordnung des Bundes an die Länder über Reisen in Risikogebieten. Bekanntlich stehen die Herbstferien vor der Tür. Manche Bürger wollen wahrscheinlich den Mahnungen der Politik nicht folgen, ihre Ferien nicht in unseren heimatlichen Gefilden zu verbringen. Es hat zudem auch wohl nur anekdotische Evidenz, dass die ordnungsgemäße Angabe unserer Personaldaten in Gaststätten und Restaurants das Infektionsgeschehen signifikant beeinflussen könnte. Das Ausweichen in private Zusammenkünfte sei eine mögliche Folge, auf die Bartens am britischen Beispiel hinwies. Jenseits dessen war die in den vergangenen Tagen erkennbare Begeisterung über eine Modellrechnung der Kanzlerin über das mögliche Infektionsgeschehen nicht nachvollziehbar. Diese hatte für Weihnachten täglich 19.200 Neuinfektionen prognostiziert, wenn sich die Infektionen beim aktuellen Reproduktionswert regelmäßig verdoppelten. Frau Link lobte das als eine Risikobewertung, wobei sie gleichzeitig den von Schönburg angestellten Vergleich mit dem Risiko des Fahrradfahrens in Berlin ablehnte. Warum man Risiken nicht vergleichen soll, blieb ein Rätsel. Schließlich könnte man das Fahrradfahren in der Hauptstadt verbieten, und hätte 8.000 Fahrradunfälle weniger. Das wäre zwar absurd, aber manche Risiken werden sozial akzeptiert, während das für Covid-19 nicht gelten soll. Von Schönberg machte das einem guten Beispiel deutlich. Es führen manche zwar mit Maske, aber ohne Helm Fahrrad. Tatsächlich hat sich noch niemand auf dem Fahrrad infiziert, während schwere Schädelfrakturen bei einem Verkehrsunfall ein bekanntes Risiko darstellen. So ist unsere politische Debatte über Musterverordnungen zwar im Vergleich zu den Vereinigten Staaten recht entspannt. Aber eine gewisse Kritikfähigkeit am Handeln unserer Regierung wäre trotzdem zu empfehlen. Ansonsten hätte nämlich Donald Trump mit Chris Wallace einen gemütlichen Abend gehabt.

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