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TV-Kritik: Maybrit Illner : „Die Zukunft ist kaputt!“

  • -Aktualisiert am

Diskussionsrunde zur Klimapolitik bei Maybrit Illner Bild: ZDF/Jule Roehr

Kommt die Katastrophe sowieso? Da fragt man sich, warum wir uns überhaupt noch mit Klimapolitik beschäftigen. Maybrit Illner tat es trotzdem.

          Prognosen sind bekanntlich deshalb so unsicher, weil sie die Zukunft betreffen. Diesen Spott sind Ökonomen wie Christoph M. Schmidt längst gewöhnt. Als Vorsitzender des „Sachverständigenrats zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung“ muss er in den Gutachten seines Gremiums jedes Jahr die Folgen menschlichen Handelns antizipieren. Fehleinschätzungen und Irrtümer gehören dabei zur Natur der Sache. Der Mensch ist schließlich keine Maschine, die sklavisch ihrer Programmierung folgt.

          Antje Boetius ist Meeresbiologin und Direktorin des Alfred-Wegener-Instituts für Polar- und Meeresforschung. Der Namensgeber ihres Instituts war sinnigerweise zu Lebzeiten ein verlachter Außenseiter in seiner Profession. Das könnte zu einer gewissen Demut über die prinzipielle Fehlbarkeit wissenschaftlicher Erkenntnisse motivieren. Die meisten liberalen Ökonomen haben das nicht zuletzt beim Zusammenbruch des Finanzkapitalismus im Jahr 2008 lernen müssen.

          Nur ist eine Talkshow kein Oberseminar, sondern ein Ort harter politischer Kontroverse. Das gilt nicht zuletzt für Diskussionsrunden über den Klimawandel. Maybrit Illner formulierte das mit der für dieses Format angemessenen Deutlichkeit: „Rettet das Klima! Wer zahlt den Preis?“ Boetius agierte hier natürlich nicht als Wissenschaftlerin, sondern als politisch denkende Staatsbürgerin. Diese Rolle beschrieb sie mit folgenden Worten: „Die Zukunft ist kaputt! Es geht jetzt um internationales Handeln. Die demonstrierenden jungen Leute haben recht. Und wir Forschenden stehen hinter ihnen.“

          „Es kommt sowieso eine Katastrophe“

          Diese Aussage ist allerdings nicht nur nicht wissenschaftlich, sie entbehrt sogar der Logik: Warum bedarf eine kaputte Zukunft noch der internationalen Kooperation? Das hat Boetius aber wiederum wohl nicht so gemeint, weil sie gleichzeitig noch einen Handlungsspielraum von „zehn bis zwölf Jahren“ zur Verhinderung des berühmten „point of no return“ in der weltweiten Klimapolitik diagnostizierte. Um aber wiederum an anderer Stelle zu formulieren: „Es kommt sowieso eine Katastrophe. Es ist mal Zeit aufzuhören nur an den kleinen Schrauben zu drehen. Es geht wirklich um Rettung.“

          Frau Boetius sprach auch gerne vom „Großen und Ganzen.“ Nun ist Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) kein Meeresbiologe. Er würde auch nicht laienhaft über die Komplexität von Ökosystemen räsonieren, so ist zu vermuten. Altmaier wird aber als früherer Umweltminister die entsprechenden Mittel zur Erforschung der Weltmeere zur Verfügung gestellt haben. Deutschland sei lediglich für zwei Prozent der weltweiten CO2-Emissionen verantwortlich, so sein Argument.

          Niemand wartet auf die Deutschen

          Aus reiner Höflichkeit verzichtete Altmaier wahrscheinlich auf die Formulierung der logischen Konsequenz: Wie soll Deutschland unter diesen Voraussetzungen die Klimakatastrophe verhindern? Dieser Frage wich Boetius verständlicherweise aus, weil sie darauf keine Antwort haben kann. Niemand wartet in der globalisierten Weltgesellschaft auf die Deutschen, um sich von uns den richtigen Weg zeigen zu lassen. Was aber besorgniserregender ist: Frau Boetius kennt zwar den Unterschied zwischen der Komplexität des Ökosystems Weltmeer und dem des Fischteichs in den Gärten mancher Zuschauer. Die Komplexität moderner Politik sieht Frau Boetius allerdings aus der Perspektive des Fischteichs.

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