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TV-Kritik: Maybrit Illner : Mit Kabarettisten doof denken

  • -Aktualisiert am

Maybrit Illner diskutiert mit ihren Gästen. Bild: ZDF/Svea Pietschmann

Auch heute werden wieder Schüler gegen den Klimawandel protestieren. Dazu haben sie jedes Recht. Wenn Eckart von Hirschhausen bei Maybrit Illner vom Weltuntergang schwadroniert, wird jedoch ein groteskes Missverhältnis deutlich.

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          „Die Wiedertäufer der Wohlstandsgesellschaft“, so nannte sich im Jahr 1968 ein Sammelband, der sich kritisch mit der „Neuen Linken“ beschäftigte. Mit dem Titel „sollte die böse historische Kontinuität der Vergewaltigung des Mitmenschen aus Gesinnung angesprochen werden.“ Die Täufer, so der Herausgeber Erwin K. Scheuch, „waren eine Bewegung von Menschen, die wir heute als Angehörige von Mittelschichten und höheren Schichten bezeichnen würden.“ Und deren Bewegung war „chiliastisch und vermutete, nun sei die Zeit zur Verwirklichung des „neuen Menschen“ gekommen.“ Wahrscheinlich werden viele grau gewordene 68er ihre neomarxistischen Ideen von damals längst vergessen haben, genauso wie die Kritik des im Jahr 2003 verstorbenen Soziologen. Für Stefan Aust ist das nicht anzunehmen. Er war damals das, was auch heute unter manchen Journalisten zu finden ist: Einerseits Berichterstatter, andererseits Aktivist mit Sympathie für diese Bewegung. Später schrieb er Bücher über den aus dieser „Neuen Linken“ entstandenen Terrorismus.

          „Krebs der Erde“

          Heute ist Aust der Herausgeber der „Welt“, was er sich 1968 sicherlich auch nicht hätte vorstellen können. Gestern Abend war er zu Gast bei Maybrit Illner. Sie diskutierte über das Verhältnis der Jugend zur Politik. Der Titel kam so altbacken daher, dass er auch in die 1960er Jahre gepasst hätte: "Jugend demonstriert – Politik ignoriert?" Es ging um die scheinbar aus dem Nichts entstandene Jugendbewegung namens „Fridays for Future“. Jeden Freitag streiken bekanntlich bundesweit Schüler, um auf die drohende Klimakatastrophe aufmerksam zu machen. Aust ordnete diesen Jugendprotest historisch ein. Nicht zuletzt wegen der eigenen biographischen Erfahrung erinnerte es ihn an eine „Erweckungsbewegung“. Er sitzt heute allerdings auf dem Platz von Scheuch als Kritiker. Dieser hatte das damals so formuliert, sicher auch an die Adresse von Aust: „Das ist eine Zeit, einer sich letztlich auf Offenbarung berufenden Erweckungsbewegung mit dem Verstand zu widerstehen.“ Diese berufe sich auf Wissenschaft, so Scheuch, und sei „wissender als die Bevölkerung allgemein, auch wenn es sich dennoch überwiegend um Analphabeten der Realität handelt“.

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