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TV-Kritik: Maybrit Illner : Widersprüche der bürgerlichen Gesellschaft

  • -Aktualisiert am

Die Ministerpräsidenten Hans (l.) und Weil (r.) zu Gast bei Illner Bild: ZDF/Svea Pietschmann

Der Klimastreit erlebt seinen vorläufigen Höhepunkt. Bei Maybrit Illner wurde deutlich, mit welchen Widersprüchen in dieser Debatte zu rechnen ist.

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          In unserer schnelllebigen Zeit hat die Veränderung der Welt ein atemberaubendes Tempo angenommen hat. Das gilt nicht zuletzt für die Klimapolitik, die nach den Worten einer Aktivistin so funktioniert. Es ginge „um Aufmerksamkeit in den Medien, die Macht, Debatten setzen zu können, egal, ob man die Mehrheit hinter sich hat oder nicht. Wir können mit unseren Methoden unsere Themen nach vorne bringen. Wir sind nicht ausschließlich auf alte Medien und alte Menschen angewiesen", so formulierte das Luisa Neubauer in einem F.A.Z.-Interview.

          Nun hatte eine gerade erst veröffentlichte Umfrage des Allensbach-Instituts diese Einschätzung bestätigt. Prinzipiell unterstützt zwar die überwältigende Mehrheit eine Klimapolitik, allerdings konnte sich für die Einführung einer CO2-Bepreisung nur eine Minderheit erwärmen. In der Beziehung gibt es auch keinen Unterschied zwischen den Generationen. Dafür konnten sich aber die Klimaaktivisten auf das Wohlwollen vieler alter Menschen in den Medien verlassen. Ansonsten würden manche dieser jungen Menschen wohl weiterhin schöne Urlaubsfotos über ihre Reisen um die Welt auf Instagram hinterlassen.

          Klimaschutz immer mehr priorisieren

          So stand Maybrit Illners Gesprächsrunde an diesem Donnerstagabend gewissermaßen unter dem Neubauerschen Diktum über die Funktionsweise politischer Kommunikation im Zeitalter digitalisierter Medien. Im Studio saßen vier alte Menschen aus der politischen Klasse, um über den „Zahltag für den Klimaschutz – viel Geld, wenig Wirkung?" zu diskutieren. An diesem Freitag will das Berliner Klimakabinett wichtige Entscheidungen treffen. Außerdem beteiligen sich viele Menschen an Streiks genannten Demonstrationen für einen besseren Klimaschutz.

          Vor allem die beiden Vertreter aus CDU und SPD hatten mit der im Zitat bekundeten Gleichgültigkeit bezüglich der Stimmung in der Bevölkerung zu kämpfen. Die Ministerpräsidenten Tobias Hans (CDU Saarland) und Stephan Weil (SPD Niedersachsen) wollen schließlich wiedergewählt werden. So bemühten sich beide um jenen Spagat, der jungen Menschen im Sportunterricht zunehmend schwerfällt. Einerseits den Bürgern „reinen Wein“ über die Kosten einzuschenken, wie es Hans formulierte. Die Klimapolitik sei mit „Anstrengung“ verbunden, wie es Weil ankündigte. Andererseits waren sich beide einig, dass „alle bei dieser Anstrengung mitgenommen“ werden müssten. Ministerpräsidenten müssen nämlich in „Hunderte besorgte Augen“ sehen, wenn sie in Betriebsversammlungen die „berechtigten Ängste und Sorgen“ von Beschäftigten in der Zulieferindustrie der Autokonzerne zu spüren bekommen, wie es der niedersächsische Ministerpräsident ausdrückte.

          So hat jeder seine Sorgen: die einen um die mediale Performance, die anderen um die soziale Lage ihrer Wähler. Weil bemühte sich zudem, etwas Luft aus der medialen Aufregung zu nehmen. Die im Klimakabinett gefassten Beschlüsse seien erst der „Anfang der politischen Diskussion“ und „das letzte Wort“ keineswegs gesprochen. Womit er wiederum auf eine Berichterstattung des gestrigen Tages reagierte, die angesichts der bekannt gewordenen Ideen der Bundesregierung schon von einer Katastrophe sprachen.

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