https://www.faz.net/-gqz-9y5dy

TV-Kritik „Maybrit Illner“ : Hört sie denn überhaupt zu?

  • -Aktualisiert am

Die Moderatorin zeigte sich in der aktuellen Sendung nicht von ihrer besten Seite. Bild: ZDF/Svea Pietschmann

Deutschland befindet sich im Stillstand. Maybrit Illner will fragen, wie es weitergehen könnte: Testen, Tracking oder Impfen? Doch was ist an diesem Abend nur mit der Moderatorin los?

          5 Min.

          Abstand halten, Kontakte reduzieren, nur noch zu zweit oder in der Familie rausgehen – den Menschen in Deutschland wird Einiges abverlangt. Lockdown im Auftrag der Gesundheit. Es ist Tag 13 des staatlich verordneten Stillstands, und die führenden Politiker aus Bund und Ländern haben kürzlich beschlossen, dass sich daran vorerst nichts ändern wird. Bis mindestens zum 20. April bleiben die Einschränkungen bestehen. Doch was kommt danach? Testen, Tracking, Impfen bietet Maybrit Illner zu Beginn ihrer Sendung als Möglichkeiten an.

          Einer, der schon vor zwei Wochen die Wegmarke „20. April“ nannte, ist Kanzleramtsminister Helge Braun. Doch so weitblickend er damals war, so zurückhaltend ist er an diesem Abend bei Maybrit Illner. Braun meidet den Blick nach vorne und mahnt, jetzt keine unterschiedlichen Signale zu auszusenden. Michael Ziemons (Dezernent für Soziales und Gesundheit der Städteregion Aachen) sieht das Ähnlich. Weil immer mehr Menschen Corona-Infizierte in ihrem Umkreis kennen würden, bekämen die Fallzahlen langsam Gesichter. Die Stimmung verändere sich, und die Menschen würden nicht gerade mit den Hufen scharen, um wieder ohne Einschränkung leben zu dürfen.

          Christiane Woopen hingegen fordert, gerade wegen der massiven Freiheitsbeschränkungen eine Diskussion darüber zu führen, wie man aus dieser Lage wieder rauskomme. Die Menschen bräuchten das, erklärt die Vorsitzende des Europäischen Ethikrates und kündigt an, man werde am heutigen Freitag dazu eine klare, risikoadaptierte Strategie vorlegen. Es gebe eindeutige Kriterien, durch die man eine Strategie für die Zeit nach dem 20.4. erarbeitet habe.

          Festes Drehbuch statt Zuhören und Nachfragen

          Gespannt spitzt der Zuschauer die Ohren und wartet auf Details: Welche Kriterien gibt es für den Exit? Wie könnte eine Lockerung aussehen, partiell oder umfassend? Doch Maybrit Illner fragt nicht danach. Sie lässt allen Ernstes die auf dem roten Teppich präsentierte Vorlage unkommentiert – und fragt lieber nach den Hoffnungen der Virologin Melanie Brinkmann.

          Nicht nur an dieser Stelle drängt sich die Frage auf, ob Frau Illner ihren Gästen an diesem Abend überhaupt zuhört? Statt Details zu erfragen oder angerissene Sachverhalte zu klären, geht sie – wie einem festen Drehbuch folgend – lieber zur nächsten vorbereiteten Fragen über.
          Wenig später wird es vollkommen aberwitzig, als Frau Illner fragt, ob aufgrund des Corona-Lockdowns nicht die Zeit für einen Ideenwettbewerb gekommen sei. Man möchte ihr zurufen: Ja, natürlich! Und einer Ihrer Gäste hat offenbar nicht nur eine Idee, sondern gleich eine umfassende Strategie mit in die Sendung gebracht! Wie dem auch sei, Helge Braun antwortet jedenfalls pflichtbewusst, dass es einen solchen Wettbewerb ja durchaus gäbe.

          Christiane Woopen: Auch die Situation der breiten Gesellschaft im Blick behalten.
          Christiane Woopen: Auch die Situation der breiten Gesellschaft im Blick behalten. : Bild: ZDF/Svea Pietschmann

          Frau Woopen mahnt derweil die Verhältnismäßigkeit der aktuellen Situation an. Bei der Frage Sicherheit oder Freiheit müsse man den verfassungsrechtlichen Gehalt der einzelnen Güter abwägen. Freiheit sei immer am höchsten einzustufen, weshalb sie nur temporär eingeschränkt werden dürfe. Man müsse neben den wirtschaftlichen und gesundheitlichen Aspekten auch die Situation der breiten Gesellschaft im Blick behalten, mahnt die Ethikerin und meint damit sowohl Patienten, die auf eine reguläre OP warten wie auch Familien, die durch die aktuellen Einschränkungen psychisch unter Druck geraten.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Trump und Biden kämpfen um die Wählergunst.

          TV-Duell : Erste Debatte zwischen Trump und Biden

          Die Corona-Krise bestimmte die erste amerikanische Präsidentschaftsdebatte, die weltweit von Millionen Menschen verfolgt wurde. Sowohl Donald Trump als auch Joe Biden teilten massiv gegeneinander aus.

          Biden und Trump im TV-Duell : Wovor sich Profi-Anleger fürchten

          Donald Trump und Joe Biden, die beiden Kandidaten für die anstehende amerikanische Präsidentschaftswahl, treffen in der Nacht in ihrem ersten Fernsehduell aufeinander. Auch für die Börse ist es das beherrschende Thema.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.